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Die Blaue Lupine: Forscher von Fraunhofer stellen Lebensmittel aus Proteinen der Pflanze her und hoffen, damit den Markt in Deutschland erobern zu können.

Fraunhofer-Institut

Heimische Lupine macht Soja Konkurrenz

München – Die Lupine ist eine Pflanze, die fast überall wächst. Aus ihren Samen machen Forscher des Fraunhofer-Instituts jetzt Pudding, Jogurt und Eis. Sie bauen auf die heimische Pflanze als Fleisch-Ersatz.

Bei den Forschern des Fraunhofer-Instituts in München gilt es als ausgemacht: Was heute Soja ist, wird in Zukunft die Lupine sein – ein Ersatz für tierische Lebensmittel. Seit 25 Jahren arbeiten die Forscher bereits daran, die Proteine aus den Samen der Pflanze zu isolieren und zu einem Grundstoff für Lebensmittel zu machen. Produkte, die heute noch auf Milchbasis – oder eben aus Soja sind –, sollen bald aus Lupinen-Samen bestehen. Bereits jetzt hat das Unternehmen Pro Lupin, eine Ausgründung des Fraunhofer-Instituts, Produkte aus der Pflanze auf den Markt gebracht. Jogurt, Puddings, Eis, einen Drink und Nudeln.

Jetzt stellten sie in München vor, was die Pflanze kann. Und siehe da, die Proteine, die in komplizierten Verfahren aus ihr gewonnen werden, sollen nicht nur schmecken. Nein, auch noch gut für Boden und Umwelt sei die Lupine, erklären die Forscher.

„Einige Menschen essen bis zu 120 Kilo Fleisch im Jahr, andere gar keines“, sagt Peter Eisner. Er ist einer der Forscher, die sich seit Jahren damit beschäftigen, wie das Gute aus der Pflanze auf unsere Teller gelangen kann. Sinnvoll wäre doch, meint er, wenn sich diese beiden Parteien irgendwo in der Mitte treffen könnten. Die Lupine sei eine Möglichkeit, den Verzehr von Fleischprodukten zu senken. Das Ziel: Ein Protein zu entwickeln, das schmeckt, wie die Menschen es gewöhnt sind. „Zu sagen, ihr esst jetzt nur noch Produkte aus Soja, funktioniert nicht“, sagt Eisner. Das Problem sei – Produkte aus Soja schmecken anders als vergleichbare Produkte auf tierischer Basis.

Dabei habe es entschiedene Vorteile, mehr Nahrung auf Pflanzenbasis zu essen. „Der zu hohe Fleischkonsum verursacht Diabetes, Darmkrebs oder auch Demenz“, sagt Malte Stampe, Vorstandschef der vom Fraunhofer-Institut ausgegründeten Firma Pro Lupin. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Grimme in Mecklenburg-Vorpommern, 30 Kilometer südlich von Stralsund. Der Ort ist gut gewählt, in der Gegend gibt es viele Böden, die optimale Bedingungen für die blaue Lupine – die übrigens weiß blüht – bieten. „Unsere Pflanze braucht nicht viel, um zu wachsen“, sagt Stampe. Ihr reichen sandige, an Nährstoffen arme Böden. Die Lupine helfe sogar, die Böden für andere Pflanzen vorzubereiten. Knöllchenbakterien, die an ihren Wurzeln sitzen, binden Stickstoff aus der Luft im Boden und machen ihn so fruchtbar.

Der Bund Naturschutz Bayern bestätigt die Einschätzung der Forscher: „Wenn wir die Lupine anbauen, können wir uns viel chemischen Dünger sparen“, sagt Marion Ruppaner von Bund Naturschutz in Nürnberg. „Wir begrüßen den Anbau dieser Pflanze“, auch weil sie – und damit auch die begehrten Proteine – nicht importiert werden müssen. Sie wachse in Deutschland. Das Konzept der Forscher kann in andere Länder exportiert werden, ohne dass die Pflanze exportiert werden muss. Denn: Sie wächst überall auf der Erde – außer in Äquatornähe. Die von Pro Lupin vorgestellten Produkte der Marke „Made with Luve“, eine Wort-Mischung aus Lupine und vegan, schmecken kaum anders als vergleichbare Produkte mit tierischen Proteinen. „Junge Menschen denken viel mehr über ihre Nahrung nach“, erklärt Stampe – ein Grund, warum er sich großes Potenzial für die Zukunft ausmalt. Um das Protein zu isolieren, werden die Samen geschält, zerkleinert und dann mithilfe flüssigem Kohlenstoffdioxides entölt. Aus dem Öl wird der bittere, bohnige Geschmack herausgefiltert. Übrig bleibt, was die Forscher in niedrigen Konzentrationen in Lebensmittel mischen, das Protein. Es hat einen Preis von 40 Euro pro Kilo, ist damit mehr wert als vergleichbare Proteine. Es sorgt dafür, dass sich die anderen Stoffe in der Nahrung nicht mehr trennen, Emulsionen, wie bei Mayonaise, beständig sind. Für die Technik haben die Forscher den Zukunftspreis verliehen bekommen. Doch der hohe Einsatz von Technik sei dafür verantwortlich, dass Produkte aus Lupinen keine Naturprodukte sind, erklärt Ruppaner. Zu viele Arbeitsschritte seien nötig, um sie zu verarbeiten.

Fraunhofer versucht immer wieder Firmen aus seinen Forschungsprojekten auszukoppeln. Ziel sei, die großen „Firmen bei der Inovation zu unterstützen“, sagt Thomas Doppelberger, Chef des Ausgründungsmanagement von Fraunhofer. Bisher lebe Pro Lupin vom Geld privater Investoren. Das aber soll sich ändern.

Bastian Hosan

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