Heiße Phase: Wer kriegt die Bawag?

- Wien/München - Internationale Finanzkonzerne blicken derzeit mit Hochspannung nach Wien. Der Verkauf der gewerkschaftseigenen Bawag- Bank geht jetzt - nach den Parlamentswahlen - in die heiße Phase. "Der Markt ist eigentlich verteilt, und auf einmal gibt es die Chance, einen Fuß reinzubekommen", sagt ein österreichischer Banker

Die viertgrößte Bank in der Alpenrepublik könnte unter anderem für Versicherungskonzerne ein attraktiver Vertriebskanal sein. So ist unter dem halben Dutzend Bietern, das in der kommenden Woche in die Bücher schauen darf, dem Vernehmen nach auch die Allianz zu finden. Zweiter deutscher Interessent ist die BayernLB. Ein Sprecher der Investmentbank Morgan Stanley bestätigt ein reges Interesse an dem Bieterverfahren. Nach der Buchprüfung durch die Interessenten soll der Verkauf dann noch in diesem Jahr abgewickelt werden.

Noch ist die Bank komplett im Besitz des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB). Das Kreditinstitut hatte sich bei Geschäften in der Karibik verspekuliert. Der gesamte Vorstand wurde ausgetauscht. Der ÖGB musste einen Teil der Milliardenverluste übernehmen und ist nun aus Not zum Verkauf gezwungen. "Die spannende Frage wird sein, ob der ÖGB rein monetär vorgeht", heißt es bei einem Interessenten. Falls allein die Höhe des Angebots ausschlaggebend sein sollte, gelten Finanzinvestoren als Favoriten. In Wiener Finanzkreisen wird aber betont: "Das Gesamtkonzept muss stimmen."

Der ÖGB könne es sich kaum leisten, an einen Bieter zu verkaufen, der die Bank anschließend zerschlägt oder massiv Arbeitsplätze abbaut. Trotz des Skandals ist die Bawag mit ihren 1,2 Millionen Privatkunden und Einlagen in Höhe von gut 18 Milliarden Euro ein interessantes Übernahmeobjekt. Die Allianz sei strategisch gefordert, sagt ein Insider. Der Versicherungskonzern sei in Österreich ohnehin nicht so stark vertreten und könne mit einer Übernahme seine bestehende Vertriebskooperation mit der Bawag absichern. Allerdings könnte der Allianz auch eine Minderheitsbeteiligung reichen, um ihre Versicherungspolicen zu verkaufen. "Vorstellbar ist daher, dass die Allianz am Ende im Verbund mit einem Finanzinvestor auftritt", meint ein Branchenexperte.

Die BayernLB bekommt eine zweite Chance. Die Landesbank war früher bereits an der Bawag beteiligt, alle Versuche einer Mehrheitsübernahme scheiterten aber an Widerständen in Österreich. Beide Banken arbeiten auch nach der Trennung noch in Osteuropa zusammen. Die Bawag steht bei der BayernLB zudem mit 550 Millionen Euro in der Kreide. "Dieser Kredit ist ein starker Hebel", sagt ein österreichischer Banker. In Branchenkreisen werden der BayernLB gute Chance gegebenen, falls der ÖGB am Ende nicht doch rein nach der Höhe des Gebots entscheidet. Derzeit liegen die Gebote laut Finanzkreisen bei gut zwei Milliarden Euro. Der ÖGB hofft aber darauf, dass die Interessenten den Preis noch in die Höhe treiben.

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