Vor der heißen Tarifrunde springt Abu Dhabi bei VW ab

- Hannover - Die Nachricht über das gescheiterte Geschäft mit den Scheichs überschattete den Tarif-Auftakt: Kurz vor Beginn der konfliktträchtigen Tarifverhandlungen bei Volkswagen wurde überraschend bekannt, dass das Wüsten-Emirat Abu Dhabi sich nun doch nicht an dem Autobauer beteiligt.

<P>Die ohnehin schon schwierigen Tarif-Gespräche für die rund 103 000 Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke, bei denen es um grundlegende Weichenstellungen für die VW-Zukunft geht, dürften nach dem geplatzten Deal mit Abu Dhabi nicht einfacher werden. VW muss den Kaufpreis von einer Milliarde Euro für den Einstieg beim Flottenmanagement-Unternehmen Lease-Plan nun aus dem laufenden Geschäft berappen - und nicht wie geplant mit einem Aktienverkauf an Abu Dhabi. "Das macht die Situation für das Unternehmen nicht komfortabler", hieß es aus Tarif-Verhandlungskreisen. VW-Verhandlungsführer Josef-Fidelis Senn dagegen gab sich kurz vor Beginn der Gespräche wortkarg: "Abu Dhabi, ich weiß nicht mal, wie man das schreibt."<BR><BR>Sehr genau umschrieb Senn aber die zentrale Forderung von VW in der Tarifrunde: Nicht nur die 103 000 Jobs in den westdeutschen Werken, sondern die insgesamt 176 000 Konzern-Arbeitsplätze in Deutschland könnten nur gehalten werden, wenn es zu Kostensenkungen kommt. Ein Sparziel von insgesamt zwei Milliarden Euro an Arbeitskosten strebt VW angesichts der schwierigen Lage des Unternehmens an. So will die VW-Führung eine zweijährige Nullrunde bei Löhnen und Gehältern durchsetzen. Der Haustarifvertrag, der rund 20 Prozent über dem Flächentarif liegt, soll ab 2005 auslaufen. Außerdem will VW mehr Flexibilität und eine größere Konkurrenz der Standorte untereinander.<BR><BR>Wie selten zuvor war es im Vorfeld der Tarifverhandlungen zu öffentlich ausgetragenen Scharmützeln zwischen den Tarifparteien gekommen. Denn die Positionen von VW und IG Metall liegen meilenweit auseinander. Die Gewerkschaft lehnt eine Nullrunde strikt ab, fordert stattdessen im Kern vier Prozent mehr Geld und zehnjährige Beschäftigungsgarantien mit konkreten Produktionsentscheidungen.<BR><BR>Sei die IG Metall nicht zu weit reichenden Zugeständnissen bereit, könne es zum Abbau von 30 000 Arbeitsplätzen kommen, warnte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. IG-Metall-Bezirkschef und Verhandlungsführer Hartmut Meine konterte: 97 Prozent der VW-Arbeiter seien IG-Metall-Mitglieder, die Gewerkschaft verhandle aus einer "Position der Stärke".<BR></P>

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