Heißes Rennen der Rüsselflieger

- München - Es ist ein Kampf um Rüssel, um fliegende Tankstellen und um Milliarden. Boeing und Airbus, die größten Flugzeugbauer der Welt, buhlen um Großaufträge für militärische Tank-Flieger. Die US-Firma hatte die Schnauze schon vorn, doch plötzlich sieht es schlecht aus für Boeing: Der Konzern stolpert von einer Panne in die nächste. Airbus holt auf.

<P>100 Luftbetankungsflugzeuge vom Typ 767 hatte die US-Regierung geordert. So ein 20-Mrd.-Dollar-Auftrag hat selbst für die an viele Nullen gewöhnten Luftfahrtriesen Gewicht. Boeing will damit den Fortbestand der Baureihe sichern, also tausende Stellen, und ein neues Flugzeugprojekt entwickeln.<BR><BR>Dafür sieht es jetzt düster aus, denn das Verteidigungsministerium legt den Auftrag auf Eis und lässt ihn von Juristen prüfen. "Ethische Bedenken", heißt es knapp. Dazu gibt es durchaus Anlass, und der hört auf den Namen Darleen Druyun. Die Dame war als Luftwaffen-Mitarbeiterin von Boeing abgeworben worden - bis vor kurzem verantwortete sie noch im Pentagon Rüstungsaufträge.<BR>Der Vorgang hatte also ein Gschmäckle. </P><P>Druyun wurde gefeuert, Boeing-Finanzchef Mike Sears als ihr Werber flog hinterher, Boeing-Boss Phil Condit trat wegen dieser Sache und einer Reihe anderer Skandale zurück - vorläufiger Höhepunkt einer Glaubwürdigkeitskrise. In der US-Politik wächst Skepsis, ob die Steuermilliarden bei Boeing in guten Händen landen. Schon 2001 hatte man einen riesigen Kampfflieger-Auftrag an Konkurrent Lockheed Martin vergeben. Im Sommer ging ein weiterer Milliarden-Auftrag flöten, weil sich Boeing offenbar illegal Unterlagen beschafft hatte.<BR><BR>Für den US-Konzern sind die Skandale verheerend, wenn man die Dominanz im profitablen Militärgeschäft verteidigen will. Das nämlich ist wirtschaftlich umso wichtiger, seit Airbus heuer den Konkurrenten im Zivil-Bereich von der Spitze drängte. Militär und Raumfahrt machen rund drei Fünftel des 50 Milliarden Dollar schweren Boeing-Umsatzes aus. </P><P>Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem reaktivierten Übergangschef Harry C. Stonecipher. Der muss Scherben zusammenkehren: In spätestens drei Wochen hätte die Produktion starten sollen. Ein Boeing-Offizieller sagte, man werde weiter daran arbeiten. Die Nachricht vom Pentagon sei ja "keine Enttäuschung, nur eine Unterbrechung".<BR><BR>Eine, die Airbus nutzen will. Die EADS-Tochter hatte die erste Tranche des US-Deals schon abgeschrieben, weil es Kritik an der Technik des umgerüsteten A 330 gab. Erst im Rennen um 450 weitere US-Tankflieger, die in den nächsten Jahren ersetzt werden sollen, wollte man Boeing ausstechen - unter anderem mit einem teleskopartigen Tankrohr, das bis 2006 entwickelt wird. Vielleicht kommt man nun schon ohne Superrüssel vorzeitig zum Zug, frohlocken Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand.<BR><BR>Unverhoffter Schub für Augsburg und Donauwörth</P><P>Für den Konzern wären Tank-Großaufträge "eine enorme Stärkung", sagt ein Sprecher. Für die Standorte auch: Wichtige Teile werden aus Augsburg und Donauwörth zur Endmontage nach Toulouse geliefert.<BR><BR>Airbus hat weitere heiße Eisen im Feuer. Die Regierung in London entscheidet angeblich noch vor Weihnachten über einen 19 Milliarden Euro schweren Tanker-Großauftrag für die Royal Air Force. Weltweit stehen derzeit 690 Lufttanker vor der Ausmusterung - ein gewaltiger Markt.</P><P>Robin Southwell, Chef des von der EADS geführten Tanker-Konsortiums (in dem auch Rolls-Royce vertreten ist) hat strategische Hoffnung: "Wenn wir den Auftrag in London gewinnen, haben wir das letzte Monopol von Boeing gebrochen."<BR>Rüssel-Mission über Wolken und Bergen: ein Tankflugzeug im Einsatz über der Türkei.<BR></P>

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