Heizen und Autofahren teurer: Ölpreis-Hoch trifft die Verbraucher hart

München - Die Verbraucher bekommen den Höhenflug des Ölpreises zu spüren. Heizöl und Sprit verteuerten sich zum Jahresbeginn deutlich. Manche Fachleute sehen schon das Ende des automobilen Zeitalters nahen, andere warnen vor Panikmache.

Eigentümer von Ölheizungen bleiben in diesem Winter von immer neuen Preissprüngen nicht verschont. Nach einer Umfrage des Hamburger Energie Informationsdienstes (EID) in 14 deutschen Städten stieg der Preis für einen Liter Heizöl zum Jahresbeginn auf 75 Cent (Abnahmemenge: 3000 Liter) und damit so hoch wie nie zuvor. Das dürften bald auch die Haushalte mit Gasanschluss zu spüren bekommen: Da die Preise beider Heizstoffe gekoppelt sind, wirken sich Preisänderungen in der Regel mit einer Verzögerung von einigen Monaten aus.

Autofahrer müssen dieser Tage ebenfalls tiefer in die Tasche greifen. Nach Angaben des EID stieg der Benzinpreis auf 1,40 Euro je Liter und legte damit gegenüber dem Dezember um vier Cent zu. Diesel verteuerte sich um zwei Cent auf 1,30 Euro. Beide Kraftstoff-Sorten sind damit nur noch wenige Cent von den historischen Höchstständen entfernt. Die könnten bald fallen: Der Konjunkturexperte des Hamburger Wirtschaftsinstituts HWWI, Michael Bräuninger, schließt Literpreise von 1,50 Euro in absehbarer Zeit nicht aus.

Grund für den Auftrieb bei den Mineralölprodukten ist der zuletzt stark gestiegene Preis für Rohöl. Ein Standardfass mit einer Füllmenge von 159 Litern kostete diese Woche angeschoben von Angebotsengpässen und Spekulationen erstmals mehr als 100 Dollar. Am Freitag entspannte sich die Lage an den internationalen Rohstoffbörsen allerdings wieder etwas. Die US-Sorte WTI kostete in New York im Handelsverlauf gut 98 Dollar; die Nordseesorte Brent verbilligte sich leicht auf 97,56 Dollar.

Das wird den langfristigen Anstieg der Heizkosten und Spritpreise nach Ansicht von Fachleuten aber nicht stoppen. In den kommenden zehn Jahren drohe eine Verdreifachung des Benzinpreises, sagte die Expertin des Berliner Wirtschaftsinstituts DIW, Claudia Kemfert, laut "Bild". Die Leiterin der Energieabteilung wird mit den Worten zitiert: "Sollte sich der Ölpreis verdoppeln ­ was nicht unwahrscheinlich ist ­ und der Dollarkurs normalisieren, würde der Liter Super vier Euro kosten."

Der Fachmann des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), Holger Krawinkel, sagte der "Berliner Zeitung", der Autoverkehr werde künftig kaum günstig genug bleiben, um den meisten Menschen offenzustehen. Nach seinen Worten muss deswegen das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ausgebaut werden. Krawinkel: "Es muss sichergestellt werden, dass die Menschen Mobilität auch in Zukunft bezahlen können."

Die Autoverbände sprachen hingegen von Panikmache. Der ACE warf den Wirtschaftsinstituten vor, "Horrorszenarien" zu entwerfen. Die als sicher bestätigten Ölreserven würden noch 46 Jahre reichen. Ein Sprecher des ADAC in München erklärte gegenüber unserer Zeitung, es sei "unseriös" über die Entwicklung der Spritpreise zu spekulieren. "Niemand kann sagen, wie es weitergeht", sagte er. Fest stehe aber, dass die Zeiten des billigen Öls vorbei sind.

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup warnte vor Konjunkturpessimismus. Trotz des hohen Ölpreises gebe es keinen Grund, "ökonomische Untergangsszenarien zu malen". Rürup sagte dem Radiosender "Deutschlandfunk", die Entwicklung dürfe nicht dramatisiert werden. "Ich gehe nicht davon aus, dass von der gegenwärtigen aktuellen Entwicklung eine relevante Beeinträchtigung der Konjunktur in diesem Jahr zu erwarten ist."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Reisebüros fürchten um Geschäft durch neues Reiserecht
Berlin (dpa) - Reisebüros protestieren gegen die geplanten Änderungen des Reiserechts. Etwa 68.000 Briefe und E-Mails haben sie nach einem Aufruf des Branchenverbands …
Reisebüros fürchten um Geschäft durch neues Reiserecht
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" startet
Düsseldorf (dpa) - Zur weltgrößten Wassersportmesse "Boot" werden heute rund 250 000 Besucher in Düsseldorf erwartet. 1813 Aussteller aus 70 Ländern präsentieren bis zum …
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" startet
ProSiebenSat.1 plant Neubau in Unterföhring
Unterföhring – Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 plant den Bau eines eigenen Campus in Unterföhring. Das berichtet der Münchner Merkur (Wochenendausgabe).
ProSiebenSat.1 plant Neubau in Unterföhring
Wenig Zeit für Schlichtung zwischen Piloten und Lufthansa
Frankfurt/Main (dpa) - Die Schlichtung zum Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und ihren Piloten steht unter großem Zeitdruck.
Wenig Zeit für Schlichtung zwischen Piloten und Lufthansa

Kommentare