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Der Autoriese VW steigt ein in den Energiemarkt.

Heizen mit VW: Konzern baut Geschäft abseits des Autos aus

Salzgitter/Wolfsburg - Heizen mit VW: Der Autoriese steigt in den milliardenschweren Energiemarkt ein.

Umweltfreundliche Minikraftwerke angetrieben von VW-Motoren sollen künftig in Wohnhäusern Wärme für Heizung und Wasser liefern und zugleich Ökostrom ins Netz einspeisen. Es soll ein wegweisendes Projekt werden: Volkswagen will mit neuen Produkten - wie andere Wettbewerber auch - das Geschäft abseits des Autos ausbauen, unabhängiger von der schwankenden Automobilkonjunktur werden und Jobs sichern. Die Blockheizkraftwerke für zu Hause sollen von dem Hamburger Energieversorger Lichtblick vermarktet werden. Am Mittwoch wollen die beiden Unternehmen ihre Partnerschaft vorstellen. Bislang hat die Firma Lichtblick, die auf saubere Energie setzt, 500 000 Kunden.

Die erdgasbetriebenen und hocheffizienten Minikraftwerke mit Wärmespeicher sollen in den Kellern normaler Wohngebäude installiert werden. Angetrieben werden die Anlagen von VW-Gasmotoren. Die “ZuhauseKraftwerke“ sollen zudem große Mengen Öko-Strom in das Netz einspeisen können, wenn sie vernetzt werden - als Alternative zum Atomstrom. Zunächst sollen 10 000 Anlagen pro Jahr gefertigt werden.

Bereits vor Jahren habe sich der Betriebsrat Gedanken darüber gemacht, wie das Geschäft abseits des Autos ausgebaut werden könne, sagt Andreas Blechner, Betriebsratschef in Salzgitter. So sei auch die Idee für die Blockheizkraftwerke geboren worden. “Das Wichtigste ist die Beschäftigungssicherung“, sagt Bernd Wehlauer, stellvertretender Vorsitzender des VW-Konzernbetriebsrats. “Wir müssen innovativ sein und das Wissen, das es bei VW gibt, für zusätzliche Produkte nutzen.“

Das weltweite Wachstum in der Automobilindustrie finde in den kommenden Jahren größtenteils auf Märkten wie China, Indien und Russland statt - und nicht in Westeuropa, sagt Wehlauer. Es komme aber darauf an, auch die Beschäftigung in den deutschen VW-Werken abzusichern. “Wir müssen entlang unserer Wertschöpfungskette und außerhalb des Autogeschäfts wachsen.“ VW müsse sich daher verstärkt Gedanken darüber machen, neue Produkte auch außerhalb des Autos zu entwickeln. “Das Automobilgeschäft wird immer unser Schwerpunkt bleiben. Aber wir können es um andere Geschäftsfelder ergänzen, in dem wir das Wissen unserer Ingenieure nutzen. Das hilft, die Beschäftigung bei Volkswagen langfristig zu sichern.“

Dabei macht VW bereits Geschäfte abseits des Autos: Der Konzern fertigt etwa Bootsmotoren - in Venedig zum Beispiel fahren die Wassertaxen die Touristen mit einem VW-Dieselmotor durch die Lagune. Im Werk Salzgitter baut VW seit einigen Jahren in einer kleinen Halle Bootsmotoren - von 50 bis 350 PS, für Haus- und Sportboote. 34 VW-Mitarbeiter rüsten die Kfz-Motoren in mehreren Arbeitsschritten zu Bootsmotoren um. “Die meisten sind Bootsverrückte und haben einen Bootsführerschein“, erzählt Betriebsrat Detlef Kays. Die Motoren werden “marinisiert“ - sprich: hochseetauglich gemacht.

In normalen Jahren fertigt VW rund 1000 Bootsmotoren. In diesem Jahr sind es wegen der Wirtschaftskrise zwar nur 300 bis 400. Aber Chef von Volkswagen Marine, Thomas Wutscherk, sieht ein riesiges Potenzial: “Unsere Motoren sind leiser und agiler als die der Konkurrenz und sie verbrauchen weniger Energie.“ Und: VW Marine könne die Kfz-Rumpfmotoren direkt von VW abnehmen und habe daher einen Vorteil. Bisher spielt VW in dem Markt nur einen kleine Rolle, die Ziele aber sind ehrgeizig: Bis zum Jahr 2013 soll der weltweite Marktanteil deutlich ausgebaut werden.

dpa

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