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Heizkosten: Verbraucherzentrale warnt vor heftiger Nachzahlung - „Schlimmstenfalls doppelt so hoch“

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Von: Lisa Mayerhofer

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Eine Person dreht die Heizung hoch: Die Energiepreise haben in den vergangenen Monaten Rekordhöhen erreicht. Nicht wenige Verbraucher zittern nun vor der Heizkostennachzahlung im kommenden Herbst. 
Die Energiepreise haben in den vergangenen Monaten Rekordhöhen erreicht. Viele Verbraucher zittern nun vor der Heizkostennachzahlung im kommenden Herbst. (Symbolbild) © Patrick Pleul/dpa

Die Energiepreise haben in den vergangenen Monaten Rekordhöhen erreicht. Viele Verbraucher zittern nun vor der Heizkostennachzahlung im Herbst.

München – Der russische Einmarsch in die Ukraine im Februar hat die schon gestiegenen Preise für Öl und Gas noch einmal in die Höhe schießen lassen. Deutschland ist stark abhängig von russischen Energielieferungen; eine Entspannung der Lage zeichnet sich momentan nicht ab.

Steigende Öl- und Gaspreise treiben die Heizkosten

Alleine auf Jahressicht ist der Preis für den Liter Heizöl um gut 140 Prozent auf 1,40 Euro pro Liter (gesteigen. (Stand: 5. Mai). Beim Erdgas sieht es mit einem Anstieg von knapp 190 Prozent noch finsterer aus. Selbst bei der Ölkrise im Jahr 1973 und der Weltfinanzkrise 2008 sind die Energiekosten nicht so stark gestiegen.

Angesichts der Entwicklung drohen Verbraucher in Deutschland damit heftige Heizkostennachzahlung im kommenden Herbst. Merkur.de hat mit der Energieberaterin Gisela Kienzle von der Verbraucherzentrale Bayern darüber gesprochen, auf was sich Verbraucher einstellen müssen – und wie sie sich vor hohen Kosten wappnen können.

Verbraucher sollten sich einen Überblick über Heizkosten verschaffen

Vor allem Mieter fühlen sich häufig hilflos: Sie können sich ja nicht aussuchen, in welcher Form ihre Wohnung beheizt wird. Darüber hinaus wissen viele nicht, wie hoch ihre Heizkosten im Moment sind. Man kann zwar von den Messgeräten selbst ablesen, aber dies ist nur bedingt aussagekräftig, da die Zahlen im Verhältnis zum Gesamtgebäude stehen, erklärt Kienzle. Auch ist neuerdings eine monatliche Heizkostenübersicht vorgeschrieben, diese gilt jedoch nur, wenn digitale Messgeräte eingebaut sind.

Kienzle rät: „Um sich einen Überblick über Ihre Heizkosten zu verschaffen, sollten Sie unbedingt das Gespräch mit dem Vermieter suchen. Der kann Ihnen sagen, wie viel mehr Sie bezahlen müssen. Prinzipiell ist es schon jetzt sinnvoll, Rücklagen zu bilden, weniger zu heizen und Warmwasser zu verbrauchen, damit dann nicht im Herbst die böse Überraschung kommt.“

Allerdings sei die Situation laut der Energieberaterin individuell so unterschiedlich, dass nicht jeder gleich stark von den Rekordpreisen bei Öl und Gas betroffen ist: „Bei einer Gasheizung ist der Preis abhängig von dem Vertrag, den die Hausverwaltung oder der Eigentümer abgeschlossen hat. Bei einer Ölheizung kann es sein, dass man als Mieter Glück hat und es wurde von der Hausverwaltung im Vorjahr so viel preiswertes Öl getankt, dass es für dieses Jahr ausreicht.“

Heizkosten: Im schlimmsten Fall verdoppelt sich die Rechnung

Trotzdem müssten Verbraucher in der Regel mit steigenden Energiepreisen rechnen, vor allem bei Öl- und Gasheizungen. Dabei können die Kosten aber laut Kienzle stark variieren – und von einer Steigerung von ein paar Prozent bis zu einer Verdoppelung der Rechnung reichen.

Die Heizkosten seien dabei nicht nur vom Energieträger und Liefervertrag abhängig, sondern auch von der Witterung und dem Nutzerverhalten. Dadurch könne sich für jeden ein anderes Ergebnis bei der Heizkostennachzahlung ergeben, betont die Energieberaterin. Bei einer ersten Einschätzung der Heizkostennachzahlung hilft unter anderem der Heizspiegel 2021.

Damit und anhand der gestiegenen Kosten lässt sich auch zeigen, dass sich im schlimmsten Fall die Heizkosten verdoppeln können: Dabei leben zwei Personen in einer schlechtgedämmten Altbauwohnung (Baujahr 1992). Sie haben circa 60 Quadratmeter Wohnfläche, geheizt wird mit einer Ölheizung. Laut Heizspiegel zahlt das Paar 12 Euro pro Quadratmeter und damit rund 720 Euro im Jahr an Heizkosten.

Wenn nun das Öl frisch eingekauft werden musste, während sich der Ölpreis um den Faktor zwei erhöht hat, kann es sein, dass das Paar dann 24 Euro pro Quadratmeter berappen muss. Damit verdoppeln sich die Heizkosten auf 1440 Euro im Jahr.

„Das kann Verbrauchern im schlimmsten Fall passieren, aber vielleicht haben sie ja Glück und ihre Hausverwaltung hat einen guten Energievertrag abschlossen“, betont die Energieberaterin. Sie empfiehlt Verbrauchern aber jetzt schon, die Kosten zu kalkulieren, vorzusorgen und Energie zu sparen.

Einfache Möglichkeiten, um Energie zu sparen

Denn wer effizient heizt, kann die gestiegenen Kosten wenigstens eindämmen, erklärt Kienzle. „Wer zum Beispiel die Raumtemperatur um einen Grad senkt, kann sechs Prozent Energiekosten sparen. Bei hohen Energiepreisen ergibt sich damit ein hohes Einsparpotenzial, wenn man die Temperaturen um zwei bis drei Grad absenkt.“ Auch hilfreich: Kontinuierlich auf niedriger Stufe heizen, statt den Regler einfach auf Stufe fünf hochzudrehen, um den Raum warmzuhalten. „Darüber hinaus sollten Sie keine Vorhänge oder Möbel vor die Heizkörper stellen und diese regelmäßig entlüften“, empfiehlt die Energieberaterin.

Auch beim Warmwasser kann man Kosten sparen: „Beim Einseifen unter der Dusche oder beim Zähneputzen lohnt es sich, währenddessen den Wasserhahn zuzudrehen. Man kann sich auch einen Durchflussverminderer kaufen, der den Wasserverbrauch am Duschkopf reguliert – ohne dass man beim Gebrauch etwas davon merkt“, erklärt Kienzle.

Wer sich genauer informieren möchte oder Hilfe bei der Heizkostenrechnung benötigt, kann sich an die Verbraucherzentrale Bayern wenden. Sie bietet Ratsuchenden ein kostenloses 45-minütiges Beratungsgespräch unter der Telefonnummer 0800 809 802 400 an.

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