Heizkostenabrechnung: Mieter sollten sich nicht zu früh freuen

- Der wärmste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Deutschland dürfte bares Geld wert sein: Weil von November bis März viel weniger Gas und Öl als sonst gebraucht wurden, können sich viele Bürger Hoffnung auf Rückzahlungen bei den Heizkosten machen. Nach einer Studie der HypoVereinsbank liegt der Jahresheizbedarf etwa 15 Prozent unter dem langjährigen Schnitt. Pro Privathaushalt kann das eine Entlastung von über 200 Euro für dieses Jahr ausmachen, haben Experten errechnet.

"Ab November ist der Verbrauch von Heizöl deutlich zurückgegangen", bestätigt Günther Jäckel, Geschäftsführer des Deutschen Brennstoff- und Mineralölhandels. Die Konsumenten brauchten im Vergleich zur eisigen Wintersaison 2005/2006 um bis 30 Prozent weniger Brennstoff. Zugleich entwickelten sich die Preise beim Heizöl wie auch bei Gas wenigstens in den vergangenen Wintermonaten einigermaßen moderat. "Beide Faktoren entlasten", so Jäckel. Peter Horenburg, Geschäftsführer der Vermieterorganisation "Haus und Grund Deutschland", erwartet, dass die Jahresabrechnungen um 10 bis 20 Prozent niedriger ausfallen als im Jahr zuvor. Etwa die Hälfte bis zu zwei Drittel der Nebenkosten seien Energieausgaben.

Doch wie immer steckt der Teufel im Detail: Längst nicht jeder Bundesbürger, der sparsam geheizt hat, kann sich auf einen Geldregen freuen. Ob und wie viel zurückerstattet wird, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Werden die Heizkosten direkt über die Endverbraucher abgerechnet, wie bei selbstgenutzten Objekten oder Etagenheizungen in der Regel der Fall, werden Einsparungen am ehesten bemerkbar, wie die Experten der HypoVereinsbank erläutern. Viele Immobilienbesitzer dürftendemnach noch gut gefüllte Heizöltanks im Keller haben. Oder ein Plus auf dem Gas-Verbrauchskonto, für das meist hohe Abschlagszahlungen geleistet wurden, die sich in der Regel am Verbrauch im Vorjahreswinter und den ständigen Preiserhöhungen orientierten.

Je später die Abrechnung beginnt, desto mehr kann übrig bleiben

Ein Großteil der Mieter wird eine mögliche Entlastung erst verzögert über die Nebenkostenabrechnung zu spüren bekommen - wenn überhaupt, gibt Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbunds zu bedenken. Oft wird die "zweite Miete" erst im Frühsommer oder noch später abgerechnet. Umfasst der Abrechnungszeitraum dann das volle Kalenderjahr 2006 - wie häufig üblich - dürfte sich der Spareffekt in Grenzen halten.

Denn über das gesamte letzte Jahr gesehen, lagen die Energiekosten unterm Strich recht hoch. Im Vergleich zu 2005 war es deutlich kälter, außerdem kletterten die Gaspreise binnen Jahresfrist um gut 17 Prozent, der Ölpreis um etwa elf Prozent, wie Ropertz erläutert. "Die strengen Wintermonate Anfang 2006 wiegen den milden Jahresausklang bei weitem auf", betont der Fachmann. Er meint: So mancher Mieter wird sich gar auf Nachzahlungen einstellen müssen, "zwischen 42 und 84 Euro nur fürs Heizen".

Grundsätzlich gilt: Je später der Zeitraum für die Jahresabrechnung beginnt, desto eher können sich Mieter auf eine Rückerstattung freuen. Wie viel man rausbekommt, hängt auch davon ab, wie hoch die monatlichen Vorauszahlungen waren, wie intensiv die Heizung lief, wie teuer Öl oder Gas eingekauft wurden - und wie streng der anstehende Winter ausfällt. Auch die Kostenentwicklung der übrigen Posten einer Betriebskostenabrechnung fällt ins Gewicht, also beispielsweise, ob mehr Wasser verbraucht wurde.

Wer sich am Ende über ein Plus freuen kann, bekommt das Geld vom Vermieter zurückgezahlt, erläutert Horenburg. Möglich ist auch, dass ein Plus mit der Miete verrechnet wird. Die laufenden Vorauszahlungen sollten nicht verringert werden, winkt der Experte ab. "Der letzte Winter war ein Ausreißer, wer weiß, welche Preissprünge auf uns warten."

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