Experten geben Tipps

Heizöl: Kaufen oder abwarten?

Der Heizölpreis ist unter die 90-Cent-Marke gefallen. So günstig war Heizöl seit Anfang August nicht mehr. Sollte man jetzt nachtanken? Oder noch abwarten? Mit der richtigen Strategie lässt sich viel Geld sparen.

Im Bundesdurchschnitt ist der Heizölpreis gestern auf ein Viermonatstief gefallen: Ein Liter kostete bei einer Abnahmemenge von 3000 Litern etwa 89 Cent. Damit ist Heizöl sechs bis acht Prozent günstiger als beim Jahreshoch Mitte Oktober. In Bayern werden 1,4 Millionen Heizungen mit Öl betrieben. Rund 3,5 Millionen Tonnen Heizöl wurden 2011 verheizt. Viele Hausbesitzer stehen jetzt vor der Entscheidung: Kaufen oder noch abwarten? Wir erklären, worauf Verbraucher beim Heizölkauf achten sollten.

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um den Heizöltank voll zu machen?

Ja. „Man sollte die Gunst der Stunde nutzen“, sagt Oliver Klapschus, Sprecher des Verbraucherportals heizoel24.de. Wer sich vor Weihnachten noch mit Heizöl eindecken will, muss jetzt bestellen. In der Regel beträgt die Lieferzeit zwei bis drei Wochen. Der Heizölpreis könnte allerdings noch weiter fallen. Klapschus spricht von einem „zaghaften Abwärtstrend“. Da die Preise je nach Händler unterschiedlich sind, sollte man vor der Bestellung mehrere Angebote einholen. Orientierungshilfe bietet auch das Internet zum Beispiel unter heizoel24.de oder esyoil.com.

Wie wird sich der Preis 2013 entwickeln?

Das ist schwer zu sagen. Der Heizölpreis wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Er setzt sich aus Einkaufskosten, Steuern und der Marge zusammen. Erhebungen des Bayerischen Brennstoff- und Mineralölhandels-Verbands (BBMV) zeigen, dass über zwei Drittel der Kosten auf die Einkaufskosten entfallen, gut 20 Prozent machen Steuern aus. Die Marge liegt laut BBMV aktuell bei etwa 2 Cent pro Liter. Der Einkaufspreis, bei dem der Rohölpreis eine bedeutende Rolle spielt, ist entscheidend. „2013 wird die Wirtschaft nicht so wachstumsstark, in der Regel dämpft das den Rohölpreis“, glaubt Klapschus. Gibt es allerdings Krieg im Nahen Osten, würde das den Rohölpreis in die Höhe treiben. Beträchtliche Auswirkungen auf den Heizölpreis hat außerdem der Wechselkurs – und damit die Entwicklung in der Eurokrise.

Sollte man den Tank voll machen oder lohnen sich auch kleine Mengen?

Ein Einfamilienhaus hat meistens einen 3000-Liter-Tank. Den jetzt zu füllen, kostet rund 2700 Euro. Wer auf weiter sinkende Preise spekuliert, kann auch geringere Mengen ordern. Allerdings steigt dadurch der Literpreis. Klapschus rät mindestens 1500 Liter zu kaufen – weniger sei unwirtschaftlich. Man kann sich aber auch mit den Nachbarn zusammentun und eine Sammelbestellung aufgeben.

Wann sollte man eine alte Heizung austauschen?

Nach 20 bis 25 Jahren, sagt Klapschus. Der BBMV rät früher zur Modernisierung. Der Verein geht davon aus, dass in Deutschland aktuell 78 Prozent aller Heizungen ausgetauscht werden müssten.

Wie viel Geld kann man damit sparen?

„Mit einer neuen Heizanlage können 30 bis 50 Prozent Brennstoff gespart werden“, sagt BBMV-Vorsitzender Johannes Heinritzi. Die Investitionskosten seien vergleichsweise gering. Ein Beispiel des BBMV: Ein neues Öl-Brennwertgerät kostet im Schnitt 8050 Euro. Ersetzt das neue Gerät einen Öl-Standardkessel, sparte man rund 29 Prozent Heizkosten; wird ein Öl-Niedertemperaturkessel ausgemustert, verbraucht man 13 Prozent weniger Brennstoff.

Wird eine neue Heizanlage bezuschusst?

Ja. Es gibt unter anderem Zuschüsse von der staatlichen Förderbank KfW. Auch der BBMV bezuschusst eine neue Heizung mit bis zu 500 Litern Heizöl gratis (deutschland-macht-plus.de). Eine Liste mit Fördermöglichkeiten gibt es vom Institut für Wärme und Öltechnik unter iwo.de.

Wie kann man beim Heizen selbst sparen?

Auch bedarfsgerechtes Heizen, richtiges Lüften und gut isolierte Wände sparen wertvolle Energie. Drosselt man die Raumtemperatur von 22 auf 20 Grad, spart das zehn Prozent. 20 Grad reichen in der Regel für Wohn-, Ess- und Arbeitszimmer.

Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Folgen eines Rückruf-Desasters: Takata meldet Insolvenz an
Dramatischer Sturz eines japanischen Traditionskonzerns: Nach Millionen Rückrufen meldet der Airbag-Hersteller Takata Insolvenz an. Rettung soll aus China und den USA …
Folgen eines Rückruf-Desasters: Takata meldet Insolvenz an
Neuer Prozess um Kündigungsklausel einer Bausparkasse
Das klassische Geschäftsmodell der Bausparkassen funktioniert wegen der extrem niedrigen Zinsen nicht mehr. Darf die Badenia Kündigungsklauseln verwenden, mit denen sie …
Neuer Prozess um Kündigungsklausel einer Bausparkasse
Italien stellt weitere Milliarden für Pleite-Banken bereit
Milliarden hat der italienische Staat bereits in marode Geldhäuser gesteckt. Die Europäische Zentralbank hat nun genug - und trifft eine wichtige Entscheidung. Ein Plan …
Italien stellt weitere Milliarden für Pleite-Banken bereit
Autozulieferer Takata meldet Insolvenz an
Es ist eine der größten Insolvenzen der japanischen Wirtschaftsgeschichte. Nach einer Skandalserie um defekte Airbags zieht der 84 Jahre alte Konzern Takata die …
Autozulieferer Takata meldet Insolvenz an

Kommentare