Heizöl: Selbst Experten rätseln, ob es im Herbst noch teurer wird

- Der Ölpreis steigt und steigt. Entspannung ist nicht in Sicht. Vor allem Heizöl wird unaufhaltsam teurer. Verbraucher, die jetzt nicht wissen, ob sie trotz der hohen Preise den fast leeren Öltank füllen oder auf sinkende Preise warten sollen, sind ratlos. Doch auch Fachleute können diesmal nicht weiterhelfen.

Heino Elfert, als Chef des Hamburger Energie-Informationsdienstes einer der Top-Experten in Sachen Erdöl, ist selbst betroffen: "Vor zwei Monaten habe ich mich entschlossen, auf fallende Preise zu warten, und bin voll reingefallen." Es sei zwar klar gewesen, dass die Preise wieder steigen würden, "aber dass sie so früh anziehen, damit habe ich nicht gerechnet", sagt er.Auch die künftige Entwicklung ist für Elfert nicht absehbar. "Es könnte sein, dass die Preise wieder fallen", sagt Elfert. Für wahrscheinlicher hält er aber einen weiteren Anstieg. Jetzt den leeren Tank auf einen Schlag zu füllen, findet er dennoch wenig sinnvoll. Wie bei riskanten Geldanlagen setzt Elfert auf eine Risikostreuung. Anstatt den 5000-Liter-Tank auf einmal zu füllen, ordert Elfert erst einmal kleinere Mengen, "nicht mehr als 2000 Liter".Je nach Bundesland haben die Heizölpreise allein im Juni zwischen 7,2 und 17 Prozent zugelegt. Dabei hat das Statistische Bundesamt errechnet, dass die Heizölpreise denen für andere Kraftstoffe deutlich davoneilen. Binnen Jahresfrist wurden Kraftstoffe in Bayern durchschnittlich um 6,7 Prozent teurer, Heizöl aber um 45,7 Prozent. In anderen Ländern ergeben sich ähnliche Verhältnisse.Dabei bekommen das vorerst nur Hausbesitzer zu spüren, die Brennstoff selbst einkaufen. Mieter oder Wohnungseigentümer erwartet der Heizkostenschock mit der Jahresabrechnung, dann aber trifft er sie umso schlimmer. Denn viele Hausverwalter kaufen, wenn der Tank leer ist, oft ohne Rücksicht auf aktuelle Preise.Die Mehrkosten können sich 2005 bei einer 50-Quadratmeter-Wohnung auf mehrere hundert Euro im Jahr summieren. Allgemein sollten sich Mieter wie bereits im Vorjahr auf Heizkostensteigerungen von rund 20 gefasst machen, rechnen Experten. Wenn die Preise weiter anziehen, kann das auch noch teurer werden.Wer mit Gas oder Fernwärme heizt, entkommt dem Ölpreisanstieg nicht. Denn die Preise vollziehen die Entwicklung auf dem Ölmarkt mit Verzögerung nach.Es gibt derzeit kein Zeichen für eine Entwarnung. Der Rohölpreis hat einen Tag nach den USA auch in Asien und in Europa erstmals die Marke von 60 Euro pro Barrel (159 Liter) durchbrochen. Gleichzeitig gibt der Euro weiter nach - was für Europa preissteigernd wirkt. Er fiel zum Wochenschluss kurzzeitig sogar unter 1,20 Dollar.Mittlerweile sind leichte Öle, Kerosin, Heizöl und Diesel sogar teurer als Benzin. Hier fallen mehrere Faktoren zusammen. Die enorme Nachfrage etwa nach Diesel wird durch den Energiehunger chinesischer Diesel-Generatoren zur Stromerzeugung angetrieben. Die Zunahme des Luftverkehrs steigert den Bedarf an Kerosin. Hinzu kommt eine spekulative Komponente. Zahlreiche Händler erwarten zu Beginn der kalten Jahreszeit eine zunehmend dramatische Heizölknappheit.

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