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Tankstopp: Diesel war gestern in Bayern teilweise nicht erhältlich.

Rohstoffe

Heizöl-Boom verschärft Diesel-Engpass

München - Viele Besitzer von Ölheizungen tanken zurzeit wegen des gefallenen Ölpreises nach. Kunden müssen sich auf Lieferzeiten von mehreren Wochen einstellen. Gleichzeitig kommt es bei Diesel teilweise zu Engpässen in Bayern.

Normalerweise liege der Absatz von Heizöl im Monat bundesweit bei etwa 1,5 Millionen Tonnen, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands, Klaus Picard. Zurzeit sei von deutlich über zwei Millionen auszugehen. „Die Nachfrage ist hoch.“ Die Lieferzeiten seien regional sehr unterschiedlich. Mit zwei bis drei Wochen müssten Besteller im Schnitt derzeit rechnen. Kein Kunde müsse allerdings einen leeren Tank fürchten. „Mir ist kein Fall bekannt, dass jemand nicht rechtzeitig bedient worden ist.“ „Die Bestände der Kunden waren niedrig, jetzt kamen die niedrigen Preise“, erklärt Picard die gestiegene Nachfrage. Niemand wisse allerdings, ob Heizöl morgen noch billiger oder doch wieder teurer sei. Kaum hätten sich die Märkte beruhigt, gehe der Preis auch wieder hoch. „Es wäre unseriös, Vorhersagen zu machen.“

Auch nach Einschätzung des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) ist die weitere Entwicklung kaum abzusehen. Die Schwankungen seien wegen der Finanzkrise heftiger, als man das gewohnt gewesen sei, sagte VEH-Sprecher Peter Fräbel-Simon. Der Verband rechne weiter mit heftigen Ausschlägen. Es sei aber unmöglich zu sagen, ob der Preis nachgebe oder anziehe.

Der Bund der Energieverbraucher berichtete, dass sich die Lieferzeiten vielerorts verlängerten. Auf einem Bestellportal im Internet war gestern von bis zu acht Wochen Lieferzeit zu lesen. Beim Portal heizoelpool.de, das Sammelbestellungen vermittelt, seien die Lieferzeiten von momentan zwei bis vier Wochen länger als sonst, sagte Geschäftsführer Herbert Frey.

Weil Heizöl raffinerietechnisch mit Diesel identisch ist, zeigen sich auch Auswirkungen der enormen Nachfrage an den Tankstellen. Wie ein Leser dieser Zeitung berichtete, war gestern im Tagesverlauf nur an einer von vier besuchten Aral-Tankstellen in München Diesel verfügbar. Eine Sprecherin des BP/Aral-Konzerns bestätigte, dass es „vereinzelt Leerstände“ gebe. Diese beträfen ganz Bayern und könnten jeweils für mehrere Stunden anhalten, ehe die Tanks nachgefüllt würden. „Es wird unter Hochdruck Diesel ausgefahren“, sagte die Sprecherin.

Hintergrund der Probleme sei die enorme Heizölnachfrage, die zu Engpässen im Markt führe. Zudem sei die Raffineriekapazität des Konzerns zurzeit wegen Modernisierungsarbeiten an einer Anlage in Ingolstadt eingeschränkt. Den Kunden würde bei Leerständen an der Tankstelle statt des regulären Diesel-Kraftstoffes der als höherwertig beworbene Ultimate-Diesel angeboten. Dabei werde auf den sonst üblichen Preisaufschlag verzichtet.

Ein Sprecher des ADAC erklärte, der Diesel-Engpass erscheine ungewöhnlich. Schließlich steige die Heizölnachfrage jedes Jahr im Herbst. Eine Sprecherin von Shell erklärte, der Konzern sei nicht betroffen: „Bei uns ist das Problem nicht aufgelaufen.“ Beim Eni-Konzern (Agip), bei Conoco Phillips (Jet) und bei Allguth war gestern zunächst keine Auskunft zu erhalten.

dm/ap

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