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Steigt Rauch aus dem Kamin auf, läuft die Heizung auf Hochtouren. Wird ein alter Heizkessel gegen einen neuen ausgetauscht, muss oft auch der Kamin saniert werden.

Tauschpflicht bis 2015

Wer jetzt eine neue Heizung braucht

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München - Heizungen, die 30 Jahre und älter sind, müssen bis 2015 ausgetauscht werden. CO2-Ausstoß und Energieverbrauch sollen dadurch sinken. Was Hausbesitzer und Mieter dazu wissen sollten:

Bisher galt eine Tauschpflicht für Heizungen, die vor 1978 eingebaut wurden. Nun sollen bis 2015 alle Öl- und Gasheizungen, die vor 1985 in Deutschland installiert wurden, erneuert werden. Das hat der Bundesrat als eine von zahlreichen Änderungen in der Energieeinsparverordnung (EnEV) beschlossen. Die Änderungen müssen nun von der Bundesregierung in Kraft gesetzt werden.

Wer ist betroffen?

Hausbesitzer, die eine Öl- oder Gasheizung im Keller haben, die älter als 30 Jahre ist, sollten prüfen, ob sie ihre Heizung austauschen müssen. Betroffen von der Tauschpflicht sind sogenannte Standardkessel. Seit Beginn der 1980er Jahre werden verstärkt Niedrigtemperaturkessel eingebaut, die im Unterschied zum Standardkessel mit einem gleitenden Temperaturregler ausgestattet sind. Dieser neuere Kesseltyp ist nicht von der Tauschpflicht betroffen. Wer sich nicht sicher ist, ob die eigene Heizung ausgetauscht werden muss, kann zum Beispiel seinen Schornsteinfeger fragen.

Muss die ganze Heizunsgsanlage ausgetauscht werden?

Nein. Es geht nur um den Heizkessel. Heizkörper, Warmwasserspeicher und Rohre sind nicht betroffen.

Wie viele solcher alten Heizungen gibt es noch in Deutschland?

Das ist schwer zu sagen. Laut einer Erhebung des Bundesverbands der Schornsteinfeger gibt es rund eine Million Öl- und Gasheizungen, die vor 1985 eingebaut wurden. Bei rund 18 Millionen Wohngebäuden in Deutschland knapp fünf Prozent. Allerdings sind unter den Heizungen, die vor 1985 installiert wurden, viele Niedrigtemperaturkessel, die nicht von der Tauschpflicht betroffen sind.

Welche Möglichkeiten haben Betroffene?

Die kostengünstigste Möglichkeit besteht darin, lediglich den alten Standardkessel gegen einen modernen Brennwertkessel auszutauschen. Die Brennwerttechnik ermöglicht eine sehr effiziente Verbrennung von Öl oder Gas mit einem Wirkungsgrad von nahezu hundert Prozent. Das bedeutet: Beim Verfeuern geht so gut wie keine Energie verloren. „Wer weitergehen möchte, sollte sich bei einem Energieberater informieren, ob eine Solaranlage, eine Wärmepumpe oder ein Holzpelletkessel sinnvoll ist. Das hängt auch davon ab, ob das Gebäude schon gedämmt ist“, sagt Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur (dena).

Energiesparberatungen werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst (www.bafa.de).

Wie viel kostet ein neuer Heizkessel?

Das ist unterschiedlich. „Bei einem Einfamilienhaus muss man mit 5.000 bis 10.000 Euro rechnen“, schätzt Rudolf Stürzer, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins München. „In vielen Fällen muss allerdings auch der Kamin saniert werden, sobald ein neuer Heizkessel eingebaut wird.“ Der Hintergrund: Durch den modernen Heizkessel sinken die Abgastemperaturen. Darauf ist der Kamin nicht ausgelegt – er ist zu groß, deshalb muss der Querschnitt verjüngt werden. „Das kann schnell noch mal 5.000 Euro kosten“, sagt Stürzer. Er rät bei drei Heizungsfachfirmen Angebote einzuholen, da die Preise oft sehr unterschiedlich sind.

Kann der Vermieter die Kosten für einen neuen Heizkessel auf die Mieten umlegen?

Ja. „Die neue Heizung gilt als Modernisierungsmaßnahme – elf Prozent der Kosten können auf die Jahresmiete umgelegt werden“, erklärt Stürzer. Das gilt nicht, wenn die alte Heizung kaputt ist. Reparaturkosten trägt der Vermieter.

Wie viel Energie spart ein neuer Heizkessel?

Unterschiedlich. „Die Ersparnis liegt bei zehn bis 15 Prozent“, schätzt Stolte. Ein Haushalt mit einem Standardkessel und 3.000 Euro Heizkosten im Jahr kann so also 300 bis 500 Euro sparen.

Lohnt sich eine neue Heizung auch, wenn der Kessel noch nicht 30 Jahre alt ist?

Das kommt darauf an. Wer noch einen Standardkessel im Keller hat, sollte grundsätzlich über einen Austausch nachdenken – auch, wenn er noch nicht 30 Jahre alt ist. „Eine Reparatur lohnt sich bei alten Heizkesseln selten. Die Lebensdauer beträgt etwa 20 Jahre“, sagt Stolte.

Wird der Austausch staatlich gefördert?

Ja. Die KfW-Bank fördert die energetische Gebäudesanierung. Einzelmaßnahmen wie der Austausch von Heizungen werden mit zehn Prozent der Investitionssumme bezuschusst – maximal 5.000 Euro. Je nach Umfang der Sanierungsmaßnahmen vergibt die KfW weitere Zuschüsse und Kredite (www.kfw.de).

Wo kann man den Zuschuss beantragen?

Den Antrag auf Fördermittel der KfW-Bank müssen Hausbesitzer bei ihrer Hausbank stellen – und zwar unbedingt vor Sanierungsbeginn.

Von Manuela Dollinger

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