Helios-Gründer neuer Co-Pilot bei Fluggesellschaft DBA

- München - Die Helios-Kliniken haben ihn steinreich gemacht: 1,5 Milliarden Euro hatte der Arzt Lutz Helmig eingenommen, als er 94 Prozent der von ihm gegründeten Kette an den Gesundheitskonzern Fresenius verkaufte. Damit kann man große Sprünge machen: Von Flughafen zu Flughafen. Denn mit einem Teil seines Vermögens hat Helmig 25,1 Prozent der Münchner Fluggesellschaft DBA gekauft. An seine Grenzen sei er dabei nicht gegangen, versicherte der Investor.

Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Hans Rudolf Wöhrl, dessen Intro GmbH künftig 59,9 Prozent an der DBA hält, die beiden Geschäftsführer der Fluggesellschaft, Martin Gauss und Peter Wojahn, teilen sich die restlichen 15 Prozent. Helmig wird Mitglied im Aufsichtsrat, dem Wöhrl weiterhin vorsteht.

Gleichzeitig haben die DBA-Eigner das Stammkapital von bislang rund 10,225 auf 20 Millionen Euro aufgestockt. Man brauche den "Speck auf den Rippen", so Wöhrl, um im Wettbewerb weiter erfolgreich zu agieren. Die verbreiterte Gesellschafter- und Kapitalbasis sichere die Selbstständigkeit der DBA und fördere ihr Wachstum. Ohnehin sei sie in dieser Disziplin bereits Europameister.

Das Unternehmen steigerte eigenen Angaben zufolge im laufenden Jahr Umsatz und Passagierzahlen um rund 40 Prozent und verdoppelte nahezu die Flugzeugflotte von 15 auf heute 29 Maschinen. Konkret rechnet die DBA für das aktuelle Geschäftsjahr mit einem Umsatz in Höhe von 400 Millionen Euro und 4,3 Millionen Passagieren. Im Geschäftsjahr 2006/07 soll die Zahl der Fluggäste um weitere 30 Prozent auf 5,5 Millionen und der Umsatz auf weit über 500 Millionen Euro gesteigert werden.

Für die 2000 Mitarbeiter, die für oder im Auftrag der DBA arbeiten, bedeute der Einstieg Helmigs ein weiteres Stück Sicherung ihres Jobs und eine Bestätigung dafür, dass die Mannschaft einiges geleistet hat, sagte Wöhrl. Ihm zufolge hätten sich auch andere Investoren für die Münchner Airline interessiert. Aber er halte nichts von den so genannten Heuschrecken, "die nur am Wachstum des eigenen Geldbeutels interessiert sind".

Die DBA sei vom Unternehmertum geprägt, "da passt ein erfahrener Firmengründer viel besser zu uns als anonymes Venture Capital". Helmig sei ein "Organisationsfachmann und jemand, der von der Passagierseite her kommt und Innovationen garantiert". Nicht zuletzt aber sei er auch ein potenter Finanzinvestor, "der unsere Unternehmensstrategie teilt". Das bestätigte auch Helmig: "Der Vertrag war innerhalb einer Stunde durch."

Ad acta gelegt scheint die Umwandlung der Airline in eine Aktiengesellschaft, zumindest für das Gesamtunternehmen. Es könne aber durchaus sein, ließ Wöhrl durchblicken, dass man eine börsennotierte Tochter gründe, die den Kauf der im vergangenen Herbst bestellten Boeing 737-700 finanziere. Vielleicht greift aber auch noch mal Helmig zu.

Dass Wöhrl schon geraume Zeit nach einer breiteren Kapitalbasis der von ihm sanierten Fluglinie gesucht hat, war kein Geheimnis. Einmal war es bereits so weit: Mit Heinrich Bischoff, dem Gründer von Germania, präsentierte Wöhrl einen starken Partner, der sich aber nach Unstimmigkeiten mit Wöhrl wieder zurückzog. Bischoff erlag wenig später, im vergangenen November, einer Krankheit.

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