Heller: Eine Hausse bis Mitte 2004

- München - Er hat das Platzen der Aktienblase 2000 richtig vorhergesagt. Anschließend aber war Gottfried Heller zweimal voreilig, als er den Aufschwung an den Aktienmärkten vorhersagte. Nun aber ist dieser da. Und Heller tritt noch nicht auf die Bremse. Zumindest bis Mitte 2004 geht nach Ansicht des Chefs der Fiduka Depotverwaltung die Hausse weiter.

<P>Heller betont das Wort "Hausse". Eine "Rallye", wie die Mehrzahl der Beobachter die Lage an den Börsen beschreiben, sei nur eine kurzfristige Angelegenheit. Er aber glaubt: Es geht länger aufwärts. Heller rechnet zwar auch mit Rückschlägen. Korrekturen sollten aber zu Käufen genutzt werden. Dagegen findet er es falsch, sich von Aktien zu trennen. "Es gibt keinen Grund, kurzfristig Gewinne zu realisieren." </P><P>Zwei politische Daten stimmen den früheren Partner der Börsenlegende André Kostolany optimistisch:</P><P>Die Bayerische Landtagswahl am kommenden Sonntag. Anschließend werde die Berliner Opposition auf den Reformzug aufspringen, schätzt Heller. Eine Umsetzung der geplanten Reformen hätte nicht nur innerhalb Deutschlands positive Auswirkungen, sie führe auch "zu einer Neueinschätzung des Standortes im Ausland. Deutsche Aktien, sagt er, seien im weltweiten Vergleich je nach Betrachtungsweise um 40 bis 60 Prozent unterbewertet.</P><P>"Wenn es zu Panikkäufen<BR>kommt, würde ich verkaufen"<BR>Gottfried Heller</P><P>Die US-Präsidentenwahl im nächsten Jahr. Nachdem die Daten des zweiten Quartals 2004 darüber entscheiden, wie die wirtschaftliche Lage von den Wählern eingeschätzt wird, wird nach Hellers Einschätzung die US-Regierung bis zur Jahresmitte nichts zulassen, was die Börsen bremst. Durch vorzeitige Vertragsverlängerung habe sich George Bush auch den Notenbank-Chef Alan Greenspan gewogen gemacht. Anschließend allerdings erwartet Heller mehr Inflation - als Folge des "größten Konjunkturprogramms der Nachkriegszeit". "Das Gerede über Deflation", merkt er an, "war von vornherein abwegig."</P><P>"Die Angst vor Verlusten sieht Gottfried Heller derzeit als Hemmschuh. Noch immer seien 2 Billionen Dollar in Geldmarktfonds und Kurzfristanleihen angelegt. "Die sind falsch geparkt", sagt der Fiduka-Chef. Vor allem mit den stark zurückgefahrenen Aktienanteilen der Versicherer geht er stark ins Gericht. Mit 10 % Aktienanteil lasse sich kaum die Mindestverzinsung erwirtschaften, "wenn am Rentenmarkt kein Blumentopf zu gewinnen ist".</P><P>Also empfiehlt Heller zuzugreifen - bei europäischen, insbesondere bei deutschen Aktien. Diese seien nach wie vor unterbewertet. Ausdrücklich nennt er Münchener Rück, Zurich Financial, VW Vorzüge, RWE, Endesa, Royal Dutch und Berkshire Hathaway. Auch Aktien von Schwellenländern findet er attraktiv, rät aber dazu, auf Emerging Market-Fonds zu setzten. Von Technologie rät Heller weiterhin ab. Diese, etwa in Nasdaq-Index, seien bereits wieder überbewertet (wie die Nasdaq-Entwicklung im Vergleich mit dem S & P 500-Index in unserem Chart zeigt). </P><P>Abgesehen davon sieht Heller freie Fahrt: "Wer nur in den Rückspiegel schaut, fährt in den Graben." Doch wie lange kann man Aktien noch kaufen? Da hält sich Heller an die Regeln seines Lehrmeisters Kostolany. Wenn es vor lauter Angst, den Börsenaufschwung zu versäumen, zu Panikkäufen kommt, wenn die von Kostolany bemühten zittrigen Hände an den Aktienmarkt zurückkehren, dann, sagt Heller, "würde ich verkaufen". Einstweilen sieht er davon keine Spur. Sein Fazit: "Die Börse ist technisch sauber." </P>

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