Herbe Kritik an Schrempp: Zu viel verdient für gescheiterte Pläne

- Berlin - Mit beispielloser Schärfe sind Aktionäre mit Jürgen Schrempp und seiner Vision von Daimler-Chrysler als Welt-AG ins Gericht gegangen. Die Krise beim japanischen Partner Mitsubishi und das Dauerproblem Chrysler brennen den Anlegern unter den Nägeln.

<P>Die Kritik bei der Hauptversammlung gipfelte in Rücktrittsforderungen an die Adresse von Schrempp und Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. Dabei haben sich diesmal Fondsgesellschaften auf die Seite der Kritiker geschlagen. Darunter die DWS, eine Tochter der Deutschen Bank, des - vor Kuwait - größten Daimler-Aktionärs.<BR><BR>"Wir befürchten, dass die problematische Entwicklung bei Chrysler und Mitsubishi die im Kern gesunde Mercedes Car Group schwächen und das Unternehmen insgesamt gefährden kann", sagte DWS-Manager Klaus Kaldemorgen. "Es brennt lichterloh im Hause Mitsubishi", sagte er angesichts der Berichte über ein Loch von rund 5,5 Milliarden Euro. Daimler-Chrysler ist mit 37 % an dem japanischen Autobauer beteiligt.<BR><BR>Die Konzernführung reagiere einfach zu spät auf Fehlentwicklungen; stets hätten die Frühwarnsysteme versagt, sagte Kaldemorgen. Sichtbarer Ausdruck des verfehlten Kurses: die schlechte Aktienentwicklung. "Während zum Beispiel BMW über die letzten 5 Jahre 49 % zulegen konnte, verlor die Daimler-Chrysler-Aktie 47 %." Die Ankündigung, dass eine grundlegende Ergebnisverbesserung erst mit der Einführung neuer Modelle in 2005/2006 erfolgt, "ist gelinde gesagt eine Zumutung", so Kaldemorgen. Der Vorstand habe fünf Jahre Zeit gehabt, seine Strategie umzusetzen. "Fünf weitere Jahre werden Ihnen die Aktionäre nicht geben."<BR><BR>Thomas Meier, Manager von Union Investment, erklärte, der Zusammenschluss mit Chrysler, einst als "im Himmel gestiftete Ehe" tituliert, habe zu einer massiven Wertvernichtung geführt. Er warf der Konzernführung eine schlechte Prognosequalität vor. Die Entlastung wollte er der Konzernführung nicht verweigern. Diesen einen Schritt weiter ging Michael Schneider von der Fondsgesellschaft Deka Invest: Er sprach sich gegen eine Entlastung des Vorstands und gegen die Wiederwahl Koppers aus, dem er mangelnde Kontrolle vorwarf. "Wir wollen ein deutliches Signal, wollen Veränderungen."<BR><BR>Der Schulterschluss zwischen institutionellen Anlegern und Kleinaktionären freute Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). "Willkommen im Club", rief er. Labryga forderte den Rücktritt Koppers. Schrempp warf er vor, 60 % des Unternehmenswertes vernichtet zu haben. Jörg Pluta von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erklärte, Vorstand und Aufsichtsrat hätten "zu viel verdient für gescheiterte Planungen und verfehlte Prognosen". Beide Gremien seien ein Risikofaktor für das Unternehmen. Kopper reagierte barsch auf die Vorwürfe. "Glauben Sie doch nicht alles, was in der Zeitung steht", sagte er. Gleich zu Beginn der Versammlung hatte der Ex-Chef der Deutschen Bank versucht, den Kritikern allzu großzügiger Aktienprämien Wind aus den Segeln zu nehmen, und ein neues Vergütungsmodell verkündet, das sich stärker am Erfolg des Unternehmens und der Kursentwicklung orientieren soll.<BR><BR>Schrempp bemühte sich, die Aktionäre mit Zuversicht zu erfüllen. Konkrete Antworten auf die Lage bei Mitsubishi blieb er schuldig. Der entsprechende Geschäftsplan werde Ende April vorliegen. "Bis zu diesem Zeitpunkt behalten wir uns alle Optionen offen", betonte Schrempp.<BR></P><P> </P>

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