Herbstgutachten der Forschungsinstitute

- Berlin - Die deutsche Wirtschaft wird nach Auffassung der führenden Forschungsinstitute im kommenden Jahr den Aufschwung verpassen. In ihrem am Donnerstag vorgestellten Herbstgutachten rechnen sie für 2006 nur mit einer leichten Belebung von 1,2 Prozent. Damit wurde die Prognose des Frühjahrsgutachtens von 1,5 Prozent deutlich nach unten korrigiert.

Für das laufende Jahr erhöhten die Experten ihre Vorhersage leicht auf 0,8 Prozent von zuvor 0,7 Prozent. Dagegen wird die Wirtschaft im gesamten Euroraum laut Prognose in diesem Jahr um 1,3 Prozent und im kommenden um 1,8 Prozent wachsen.

Auch 2006 sei in Deutschland am Arbeitsmarkt weiter "keine durchgreifende Besserung zu erwarten", heißt es im Gutachten. Die Wirtschaftsforscher rechnen für das kommende Jahr nur mit einem geringen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf durchschnittlich 4,76 Millionen bei einer Quote von 10,9 Prozent.

Die deutsche Konjunktur lebe nach wie vor hauptsächlich von Impulsen aus dem Ausland. Diese seien bisher nur in begrenztem Umfang auf die Binnenkonjunktur übergesprungen, die seit einem Jahr mehr oder weniger stagniere. Vor allem der private Konsum sei schwach geblieben, auch weil der Energiepreisanstieg die Kaufkraft der privaten Haushalte geschmälert habe, erklären die Wirtschaftsforscher. Die Bauinvestitionen gingen weiter zurück. Ein Lichblick seien aber die Ausrüstungsinvestitionen, die in der ersten Jahreshälfte 2005 gestiegen seien.

Die Gutachter heben hervor, dass die Weltwirtschaft im Herbst 2005 trotz des Anstiegs der Ölpreise weiter kräftig expandiere. Zwar hätten die höheren Preise für Rohöl und andere Rohstoffe dämpfende Effekte, doch regten eine expansiv ausgerichtete Geldpolitik, niedrige Kapitalmarktzinsen, kräftig steigende Vermögenswerte und eine sehr günstige Ertragslage der Unternehmen die Konjunktur an.

Dabei hätten sich die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte erneut verstärkt. So sei das Leistungsbilanzdefizit in den USA auf sechs Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt gestiegen. Im Prognosezeitraum dürfte sich die weltwirtschaftliche Expansion in etwas geringerem Tempo als in der ersten Hälfte dieses Jahres fortsetzen, erwarten die Gutachter.

Von der kommenden Bundesregierung verlangen die Forscher eine entschlossene Reformpolitik. Der Staat müsse die Eigenverantwortung der Bürger stärken und sich auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Gefordert wird, die öffentlichen Finanzen über Ausgabenkürzungen zu konsolidieren.

Verfasser des Herbstgutachtens sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin), das Hamburgische Welt-WirtschaftsArchiv (HWWA), das Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung, das Kieler Institut für Weltwirtschaft, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle und das RWI Essen, Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Größte Freihandelszone der Welt wird neu aufgestellt
Fast ein Vierteljahrhundert waren die meisten mit Nafta zufrieden - dann kam Donald Trump. Die Nordamerikanische Freihandelszone muss auf Druck des US-Präsidenten neue …
Größte Freihandelszone der Welt wird neu aufgestellt
Wohnmobile werden in Deutschland immer beliebter
In die Freizeitfahrzeuge halten jetzt immer mehr elektronische Helfer Einzug - von der Rückfahrkamera bis zum Abstandswarner. Deutschlands Versicherer halten das …
Wohnmobile werden in Deutschland immer beliebter
Ministerin Barley droht mit Frauenquote für Vorstände
Die Leitung von Unternehmen ist immer noch überwiegend Männerdomäne. Eine Pflicht für Firmen, ihre Vorstände ausgeglichen zu besetzen, gibt es nicht. Jetzt ist sie …
Ministerin Barley droht mit Frauenquote für Vorstände
Mindestlohn hat untere Tarifgehälter angehoben
Der 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn hat vor allem in typischen Niedriglohnbranchen gewirkt.
Mindestlohn hat untere Tarifgehälter angehoben

Kommentare