Der Herr der Lüster

- Stockdorf - Die glitzernd-glamouröse Erfolgsgeschichte der Kurt Faustig KG hat 1960 in einem kleinen Raum an der Nymphenburger Straße in München begonnen. Mit Hilfe einer "halben Mitarbeiterin" stellte Firmenchef Kurt Faustig in Handarbeit seinen ersten Kristall-Lüster her. Mittlerweile ist der Firmensitz im Würmtal, die Produktion in Brixen (Italien), der 83-Jährige hat 59,5 Mitarbeiter mehr und seine Traumleuchten veredeln überall auf der Welt Paläste, Luxusschiffe, Hotels, Gottes- und Privathäuser.

<P>Kurt Faustigs Büro in Stockdorf ist verhältnismäßig schlicht gehalten. Nach wie vor sitzt der 83-jährige Unternehmensgründer Tag für Tag hinter seinem voll gepackten Schreibtisch. Das Telefon klingelt: ein Kunde. Gewandt parliert Faustig mit dem Anrufer aus dem Ostblock auf Englisch. Ja, wenn er sich ein Bild machen wolle, solle er doch einfach mal bei ihm vorbeischauen. Interessenten aus der ganzen Welt locken Faustigs kristallene Lichtspender ins Würmtal. </P><P>Hier werden sie in den Präsentations-Raum geführt, der über und über mit den Prismen-behängten Lampen geschmückt ist: Kleine - "für ein paar hundert Euro" - und etwas größere Lüster, vergoldete, versilberte und vernickelte, mit schwarzen, farbigen und klaren Strass-Prismen sind dort zu bewundern. Stolz zeigt Faustig auf ein Exemplar mit echten Bergkristallen. Und obwohl man schon ganz geblendet ist, bilden diese Exemplare das untere Ende der Palette, die bis zum weltgrößten Kristallleuchter reicht.<BR><BR>Um einen Kristalllüster herzustellen, braucht man zuerst ein Design, erläutert der Herr der Luxuslampen. Zwei Designer sind in der Firmenzentrale damit beschäftigt, neue Erscheinungsbilder zu entwerfen und auch ausgefallene Kundenwünsche zu befriedigen. Steht das Design, werden bei Swarovski Kristalle bestellt - es gibt weit über 20 verschiedene Schliffe.<BR><BR>Wenn seine Leuchter einen bestimmten Raum schmücken sollen, ist es natürlich oft notwendig, sich ein Bild vor Ort zu machen, sagt der alte Herr, schmunzelt und nippt an seinem Cidre. So ist Kurt Faustig, dessen Vater schon ein<BR>Einig mit Donald Trump: Geld ist keine Glückssache</P><P>"Leuchtenmann" war, viel rumgekommen auf der Welt, hat interessante Leute getroffen. Beispielsweise erinnert sich der gebürtige Mannheimer an eine Zusammenkunft mit dem amerikanischen Milliardär Donald Trump. Dessen Taj Mahal Casino in Atlantic City schmücken Faustigs Lüster. "Spielen Sie?", hatte der legendäre Tycoon den Wahl-Kraillinger gefragt. Faustig: "Nein!" Trump: "Ich auch nicht." Und dann lächelten sie sich im stillen Einverständnis an, dass Geld keine Glückssache ist.<BR><BR>Auch der Erfolg der Kurt Faustig KG ist keine Selbstverständlichkeit. Die Mehrzahl der europäischen Konkurrenten hat den Markt verlassen. Der Firmenchef rechnet die Spitzenstellung seiner Firma den Spitzenprodukten zu: der Qualität von Design und Verarbeitung.<BR><BR>Über die meisten seiner Privatkunden bewahrt Faustig Stillschweigen - mit Ausnahmen: "Saddam Hussein war eine Zeit lang mein bester Kunde." Zu Hunderten habe der ehemalige irakische Diktator Kristalllüster für seine Paläste geordert. Seit 1990 sei der gesamte arabische Markt jedoch eingebrochen. Nun habe er viel mit Interessenten aus den Staaten der ehemaligen UdSSR zu tun. <BR><BR>Warum Faustig in seinem stolzen Alter ("Ich bin älter als der Papst.") noch nicht an den Ruhestand denkt, hat einen ganz einfachen Grund: "Ich arbeite aus Spaß an der Freud", sagt er und lacht. Seine beiden Kinder, Stefanie und Thomas, sind bereits in der Firma tätig. Doch sie müssen wohl noch etwas darauf warten, bis sie im Chefsessel Platz nehmen können.<BR></P>

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