Herzblut für ein Luxushotel

- München - Eigentlich ist der Bayerische Hof permanent in Bewegung. Denn irgendetwas verändert die umtriebige geschäftsführende Gesellschafterin Innegrit Volkhardt immer - natürlich so, dass ihre Gäste möglichst nicht gestört werden. Jüngst hat sie das Projekt Blue Spa abgeschlossen, für das eigens ein siebter Stock auf das stolze Gebäude am Promenadeplatz errichtet wurde, und schon steht das nächste an: Die Hotelflure sowie eine Reihe von Zimmern sollen erneuert werden. "Es gehört zu meiner Aufgabe, das Haus permanent zu verschönern", sagt die 40-Jährige, die das 1841 gegründete Hotel in der vierten Generation leitet.

Die 337 Zimmer und 58 Suiten sind in fünf verschiedenen Stilen dekoriert, außerdem gibt es die romantische Paris- und die Trauminsel-Suite. "Die Themen-Suiten hat sich mein Vater ausgedacht. Er hatte viele trendsetzende Ideen."

Falk Volkhardt hat tatsächlich Erstaunliches geleistet: Als er 1959 den Bayerischen Hof übernahm, schulterte der Unternehmer enorme Schulden, um die Brüder des 1955 verstorbenen Vaters Hermann auszuzahlen und eigene Ideen umzusetzen: Das im Jahr 1959/60 gebaute Schwimmbad auf dem Dach war in München zu dieser Zeit schlicht eine Sensation, zumal man bei gutem Wetter das Dach zur Seite fahren und den freien Blick auf die Frauentürme genießen konnte. "Mein Vater war mit Leib und Seele ein Münchner, der beispielsweise mit Trachtenhut und -janker in Paris oder New York spazieren ging", sagt Innegrit Volkhardt.

Für sie, von der das Hotel in ihrer Kindheit weitgehend fern gehalten wurde, war es trotzdem eine Selbstverständlichkeit, das weiterzuführen, was ihre Vorfahren so erfolgreich aufgebaut hatten. Bestens vorbereitet war sie mit einer Lehre zur Hotelkauffrau im eigenen Haus, mehreren Praktika bei führenden Hamburger Hotels, dem Besuch der Hotelfachschule in Heidelberg sowie dem BWL-Studium, zu dem sie parallel schon in der Geschäftsführung des Bayerischen Hofs gearbeitet hat. Warum aber war der Bayerische Hof zu Hause am Starnberger See nie ein Thema? "Vielleicht war mein Vater froh, wenn er zu Hause mal abschalten konnte", mutmaßt Innegrit Volkhardt.

Als ihr Vater schwer erkrankte, übernahm sie 1992 mit nur 27 Jahren das Ruder. Mit ihrer Schwester Michaela gründete sie eine Kommanditgesellschaft. Warum eine Kommanditgesellschaft, wo es doch einfacher wäre, sich hinter einer GmbH zu verstecken und nicht mit dem persönlichen Vermögen einstehen zu müssen? "Der Bayerische Hof steht auf solidem Boden, und wir fanden diese Unternehmensform für zwei Gesellschafter mit unterschiedlichen Ausrichtungen sehr passend." Das Hotel ist Banken-unabhängig, dank Falk Volkhardt, der zwei Drittel seines Lebens dafür gearbeitet hat, die Schulden abzubauen.

Innegrit Volkhardt, die nicht nur ein vielfach preisgekröntes Haus führt, sondern auch selbst ausgezeichnet wurde - unter anderem von Veuve Cliquot zur "Unternehmerin des Jahres 2000" -, macht sich auch über die Zukunft Gedanken. Sie selbst hat keinen Nachwuchs, der ihr Werk fortführen könnte. "Eine Möglichkeit wären meine beiden Nichten", sagt sie.

Zudem gebe es weitere Wege, das Hotel als Familienunternehmen weiterleben zu lassen. Zum Beispiel, indem man es in eine Stiftung einbrächte. Als Familienunternehmen möchte sie das Hotel schon gerne erhalten. Nicht nur, weil vier Volkhardt-Generationen viel Herzblut hineingesteckt haben, sondern auch aus unternehmerischen Gründen: "Man kann schnell reagieren und muss Entscheidungen nicht in Absprache mit Anteilseignern treffen, für die ihre Rendite im Vordergrund steht."

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