Herzogs neues Buch: Die Suche nach dem deutschen Schweißfuß

- Berlin - "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen." Acht Jahre sind vergangen, seit Bundespräsident Roman Herzog sich in seiner "Berliner Rede" bemüht hat, für Aufbruchstimmung zu sorgen. Viel habe sich seither nicht getan, meint der schwarz-rot-grüne Regierungsberater und Siemens-Manager Heinrich von Pierer: "Es gab zwar ein leichtes Ruckeln, aber der große Ruck ist ausgeblieben." Das mag der Grund sein, weshalb der Mahner der Nation nun noch mal nachlegt. "Wie der Ruck gelingt", heißt das neue Buch von Herzog, das gestern erschienen ist (152 Seiten, DVA, 14,90 Euro).

Der Autor ist bekannt für provokante Thesen und eine bürgernahe Ausdrucksweise. Beispiel Staatsfinanzen: "Wir geben Geld für Dinge aus, die man sich vielleicht vor 30 Jahren noch leisten konnte, weil sie das Steckenpferd bestimmter Politiker waren. Ich bin der Überzeugung, man kann 10 Prozent aus dem Bundeshaushalt herausstreichen", so Herzog. Beim Blick ins Budget finde sich gewiss "eine stattliche Millionenzahl, die zur Erforschung des deutschen Schweißfußes ausgegeben wird", merkt der frühere Verfassungsrichter an.

Die launigen Thesen ihres Parteifreunds - präsentiert 13 Tage vor der Wahl - dürften nicht allen Unionspolitikern gefallen. Anders als CDU und CSU tritt Herzog für eine Stärkung der Gesamtschulen zugunsten bildungsferner Familien ein. Er fordert zudem eine systematische Verschlankung überfrachteter Lehrpläne; Schulen müssten sich im Internet-Zeitalter auf die Vermittlung von Schlüsselinformationen konzentrieren. Kritik übt Herzog an "Schaukämpfen" bei Union und Rot-Grün, die rasche Reformen verhindert hätten. "Manchmal wünscht man sich, dass sich zwar nicht alle Parteien, wohl aber die Einsichtigen aus allen Parteien zu einer entschlossenen konstruktiven Mehrheit zusammenschließen", schreibt der 71-jährige gebürtige Niederbayer. An den Deutschen stört ihn deren "Risikoscheu": Viele Neuentwicklungen würden verzögert oder verpasst, "weil sofort die schwerwiegendsten Bedenken geltend gemacht" werden.

Regierungsberater von Pierer, der das Buch in Berlin vorstellte, teilt die Kritik des Ex-Präsidenten, meldet jedoch an entscheidender Stelle Widerspruch an. Herzog sei wohl "zu optimistisch gewesen", als er in seiner Ruck-Rede erklärte, Deutschland habe "kein Erkenntnisproblem", sondern nur "ein Umsetzungsproblem".

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