"Heuschrecke" schenkt Ex-Mitarbeitern 2,5 Millionen

- München ­- Lutz Helmig ist eine "Heuschrecke", die diesen Namen nicht verdient. Der Arzt und Milliardär engagiert sich als Finanzinvestor. Bei der Münchner Fluglinie dba hatte er sich im Februar eingekauft. Im August, als die dba von Air Berlin übernommen wurde, gab er seine Anteile wieder ab. Das bescherte ihm in wenigen Monaten neun Millionen Euro Gewinn.

Den hat er eigentlich nicht verdient, findet Helmig und schenkt jetzt fast 2,5 Millionen Euro davon den dba-Mitarbeitern. Er will damit ein Zeichen setzen.

Lutz Helmig ist ein Wirtschaftsprofi. Der aus Sachsen-Anhalt stammende Arzt hat seit den 80er-Jahren Krankenhäuser saniert. Seine Helios Kliniken GmbH verkaufte er im Herbst vergangenen Jahres für 1,5 Milliarden Euro an Fresenius. Inzwischen konzentriert er sich auf das Geschäft mit Finanzbeteiligungen. Seine Aton GmbH ist bei neun Unternehmen engagiert, die zusammen einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro erzielen. Zu diesen Engagements zählte bis vor kurzem auch die Fluglinie dba. Sie war für Helmig ein Glücksgriff.

Helmig hielt seit Februar gut ein Viertel der Anteile an der Fluggesellschaft, die einst der bayerische Multi-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl saniert hatte. Im August kaufte der Wettbewerber Air Berlin die dba ­ und damit auch Helmigs Anteile. Das zahlte sich für Helmig aus, der damit neun Millionen Euro verdiente. Und davon profitieren jetzt die dba-Mitarbeiter.

Die 717 Beschäftigten der dba erhalten fast 2,5 Millionen Euro von Helmig geschenkt. Er hat für jeden von ihnen ein Bank-Depot eröffnen lassen, auf das jeweils 195 Aktien von Air Berlin übertragen wurden. Diese haben nach aktuellem Kurs einen Wert von rund 3400 Euro. Und für Helmig haben sie einen noch viel höheren Wert als Symbol.

Über den Millionengewinn mit seinem dba-Anteil habe er sich gefreut, erklärte Helmig gestern in München. "Im Unterschied zu meinen Mitarbeitern habe ich für diesen Erfolg aber kaum gearbeitet, sondern bin allein für mein Vertrauen in die Gesellschaft belohnt worden", sagte er. "Nun möchte ich einen gewissen Prozentsatz des Gewinns an die Mitarbeiter geben. Sie haben einen gewaltigen Beitrag zur Sanierung des Unternehmens geleistet und primär die Lasten getragen."

In der Sanierungsphase vor einigen Jahren hatten die dba-Mitarbeiter ein Jahr lang auf 20 Prozent ihres Gehalts verzichtet, um das Unternehmen zu retten. Und das rechnet ihnen Helmig hoch an, obwohl er damals noch gar nicht an der dba beteiligt war.

Wenn ein Unternehmen durch den Verzicht der Mitarbeiter saniert wird, müssten diese auch beim Verkauf beteiligt werden, erklärte der Investor. "Es geht hier nicht nur um eine faire Regelung, sondern vor allem um unternehmerisches Ethos." Und er zielt damit auf gewissenlose Heuschrecken: "Ich hoffe, dass dieses Zeichen andere Finanzinvestoren zum Nachdenken anregt."

Auch die Mitarbeiter, die jetzt zu Air-Berlin-Aktionären geworden sind, will er grundsätzlich für die Investition in Unternehmensanteile begeistern. "Persönliches Eigentum gewährt ein Stück persönlicher Freiheit."

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