Heuschrecken gegen Cewe-Color: 200 Jobs in Germering in Gefahr

- Germering -­ Bei der deutschen Börse musste der Chef gehen. Erstmals haben in Deutschland Hedge-Fonds damals ihre Krallen gezeigt. Nun trifft es kleine börsennotierte Unternehmen, die oft aus mittelständischen Firmen hervorgegangen sind. Ein Beispiel, das bald Schule machen könnte ist Cewe-Color.

Das im S-Dax notierte Unternehmen aus Oldenburg ist europaweit Marktführer bei der Fotoherstellung. Die wenigsten seiner Kunden kennen das Unternehmen selbst. Denn sie haben in der Regel mit einem der 60 000 Handelspartner zu tun. Ob im Drogeriemarkt oder beim Elektrodiscounter -­ wer aus Filmen oder Foto-Chips Fotos machen lässt, nimmt meist die Dienste von Cewe-Color in Anspruch.

Oldenburg ist weit. Doch das täuscht. Cewe-Color ist mit seiner Dependance in Germering und über 200 Beschäftigten auch größter Arbeitgeber im an Industrie armen Landkreis Fürstenfeldbruck. Der Standort wurde in der jüngsten Krise des Unternehmens (jeder fünfte Mitarbeiter musste gehen) sogar gestärkt. Bei der teuren Umstellung von Film auf digitale Medien wurde Nürnberg geschlossen. Von Germering aus werden nun die Märkte in Deutschland und Österreich beliefert.

Ein gesundes Unternehmen. Davon ließ sich auch der New Yorker Hedge-Fonds-Manager David Marcus (M2 Capital Management) überzeugen. Cewe-Chef Rolf Hollander selbst war in New York, um die Heuschrecke zu holen. Mittlerweile hat er vier davon an Bord, und alle zusammen wiegen bereits das 27,1-Prozent-Aktienpaket der Cewe-Gründer-Familie Neumüller auf. Seither ist es ungemütlich geworden. Der Kampf um die Mehrheit tobt nun öffentlich. Dabei geht es vor allem um die Zustimmung der 30 Prozent der Anteile, die sich im Streubesitz befinden. Dieser Kampf wird mit harten Bandagen ausgefochten.

Denn mit den zunehmenden Anteilen haben die neuen Anteilseigener ihre Tonlage gegen das Unternehmen verschärft. "Hollander ist ein ausgezeichneter Manager", lobte Marcus nach seinem Einstieg. Das Management respektiert die Aktionäre nicht", kritisiert er heute.

Plötzlich geht die Umstellung von analoger auf digitale Technik zu langsam. Mittlerweile fordert M2 eine außerordentliche Hauptversammlung, will den Aufsichtsrat neu besetzen lassen und Chef Hollander rauswerfen, "um weiteren Schaden abzuwenden". Das Potenzial des Unternehmens müsse wachgeküsst werden.

Der Kuss aber könnte auch ein Todeskuss sein. Denn im Hintergrund schwebt die Gier nach viel Geld. Die Hedge-Fonds sprechen zwar von der künftigen Ausrichtung des Unternehmens. Doch zunächst wollen sie Geld sehen. Eine Sonderdividende von 5 Euro pro Aktie fordert David Marcus. Und in der Folge weitere Ausschüttungen. Das Unternehmen sei "überkapitalisiert", lautet sein Argument.

Die "wollen das Unternehmen auslutschen", hält Hollander dagegen. Statt der Ausschüttung, für die sich das Unternehmen nach seinen Angaben sogar verschulden müsste, will Hollander Geld in die Produkteentwicklung und Zukäufe investieren. "Liquidität ist eine strategische Reserve", sagt er.

Im Hintergrund könnte auch der magere Erfolg von Hedge-Fonds in guten Börsenjahren sein. 2005 schaffte David Marcus noch eine Rendite von 30 Prozent, 2006 waren es gemessen am Risikopotenzial magere 7,5 Prozent. Die meisten deutschen Aktien brachten ihren Inhabern mehr ein.

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