Ab heute tobt der Arbeitskampf

Telekom: - München - Erstmals seit der Privatisierung kommt es von heute an bei der Deutschen Telekom zum Streik. Der Arbeitskampf zielt auf das Management, wird aber auch die Kunden treffen.

Streik! Die Deutsche Telekom und Verdi haben die Klingen gekreuzt ­- und es soll nicht länger ein Scheingefecht bleiben. Mit dem ersten Arbeitskampf seit Privatisierung des rosa Riesen vor mehr als zwölf Jahren wollen die Beschäftigten den Vorstand wegen des geplanten massiven Stellenumbaus in die Knie zwingen. Die Kunden müssen sich von heute an auf Abstriche beim Service und bei der Beseitigung von Störungen einstellen.

Verdi erwartet, dass die Betriebsabläufe bei dem Konzern umfangreich gestört werden. "Klar ist, den Arbeitskampf werden die Kunden bemerken", sagt Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm. Gleichzeitig spielt die Telekom-Führung die Streikauswirkungen herunter und kündigte an, je nach Lage flexibel zu antworten.

Zankapfel ist die Auslagerung von rund 50 000 Beschäftigten in drei Gesellschaften unter dem Namen T-Service. Telekom-Chef René Obermann begründet den Umbau mit dem harten Wettbewerb in Deutschland, der zu einem massiven Kundenrückgang führt. Die Mitarbeiter sollen nun weniger verdienen und länger arbeiten.

Mit Blick auf die Kunden übt sich der Telekom-Chef in Schadensbegrenzung: Die Auswirkungen des Streiks sollten so "gering wie möglich" gehalten werden. Dazu will er die Beamten des Unternehmens, die nicht streiken dürfen, stärker in die Pflicht nehmen. Doch Verdi will mit Argusaugen darüber wachen, dass die Beamten nicht als Streikbrecher eingesetzt werden.

Ob der Arbeitskampf bei der Telekom am Ende einen Gewinner hat, wird von Fachleuten bezweifelt. Streik-Profiteure gibt es nicht: "Bei einem Arbeitskampf verlieren alle ­ der Konzern, die Mitarbeiter, die Kunden, aber auch alternative Anbieter, die auf Leistungen der Telekom angewiesen sind", sagt Telekom-Experte Martin Gutberlet von der Marktforschungsgesellschaft Gartner.

Obermann zeigt sich angesichts des Arbeitskampfes unbeirrt in seinen Plänen: "Nur mit T-Service können wir die Arbeitsplätze im Konzern sichern." Man merkt dem Vorstandschef die Anstrengungen in den vergangenen Wochen an. Der Stress steht im ins Gesicht geschrieben. Möglichst schnell möchte Obermann die Kuh vom Eis haben, die Kapitalgeber machen Dampf.

Verdi solle schleunigst an den Verhandlungstisch zurückkehren, forderte er die Gewerkschaft auf. "Ein Streik löst keine Probleme und schafft keine Arbeitsplätze." Bei Verdi stößt er mit seinem Appell aber auf taube Ohren. "Die Zustimmung von 96,5 Prozent bei der Urabstimmung ist ein klarer Auftrag", meint Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder. Eine Kürzung der Löhne werde es mit Verdi nicht geben.

Tatsächlich könnte der Streik verheerende Folgen für die Telekom haben: Experten glauben, dass die Geschäftsprognosen ins Wanken geraten. Denn schon im ersten Quartal 2007 blies der Telekom der Wind des Wettbewerbs scharf ins Gesicht. Trotz kräftiger Zuwächse im Ausland sank der operative Gewinn um knapp sechs Prozent.

Die Anteilseigner dürfte das kaum freuen, was sich an der Schwäche der T-Aktie widerspiegelt. Wenn der Streik Mitauslöser für eine erneute Absenkung der Prognose werde, dann wird es nach Ansicht von Gutberlet richtig kritisch. "Dann rutscht nicht nur der Aktienkurs ab, sondern das Management wird erneut in Frage gestellt." Noch radikalere Einschnitte könnten auf die Telekom zukommen.

Obermann hat ein Gefahrenszenario bereits vorgezeichnet, sollte der Konzern seine Wettbewerbsfähigkeit nicht verbessern: "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, Gegenstand von Übernahmeszenarien zu werden, wenn es uns nicht gelingt, in den nächsten Jahren die Unternehmensbewertung zu steigern", warnte er kürzlich. Noch nagen keine Heuschrecken am Eingangsportal des Bonner Konzerns. Doch bei einer Zerschlagung wären viele Arbeitsplätze bei der Telekom bedroht.

Derzeit herrscht Funkstille zwischen den Streithähnen. Doch ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich die Telekom und Verdi wieder gegenübersitzen. "Über kurz oder lang werden die Parteien wieder miteinander reden", sagt ein Branchenkenner.

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