Lob und Hiebe für Schinzler

- München - Bei der Hauptversammlung der Münchener Rück war es das elfte und letzte Mal: Hans-Jürgen Schinzler stand den Aktionären als Vorstandsvorsitzender des Versicherungskonzerns Rede und Antwort. Ende des Jahres wechselt der 62-jährige an die Spitze des Aufsichtsrats. Aktionärsvertreter würdigten die Arbeit von Schinzler, kritisierten aber auch Fehlentscheidungen, die 2002 zum Absturz der Münchener-Rück-Aktie um 60 Prozent beigetragen hätten.

<P>"Sie haben aus einem verschlafenen, nationalen Rückversicherer einen Global Player gemacht", lobte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Schinzler. Denn unter seiner Führung wurde unter anderem das Erstversicherungsgeschäft der Münchener Rück - beispielsweise mit Lebensversicherungen - aufgebaut und die Auslands-Expansion fortgesetzt. Ebenso wie andere Aktionärsvertreter bemängelte Bergdolt aber die Anlagestrategie der Münchener Rück, die letztlich den niedrigen Aktienkurs mitverursacht hätte. </P><P>Die DSW-Sprecherin sagte, es sei bemerkenswert, dass angesichts der zahlreichen Anlageexperten bei der Münchener Rück im vergangenen Jahr Wertpapier-Abschreibungen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro auflaufen konnten. Nur durch einen Verkauf von Beteiligungen an der Allianz war 2002 dennoch ein positives Ergebnis von 1,1 Milliarden Euro erreicht worden.</P><P>In die selbe Richtung schoss Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK): Er kritisierte, dass die Münchener Rück als Großaktionär der Hypovereinsbank (HVB) nicht früher auf die dortigen Fehlentwicklungen reagiert habe. Der Wert-Verfall der 25-prozentigen Beteiligung an der börsen-gebeutelten HVB habe den Versicherungskonzern 3,7 Milliarden Euro gekostet.</P><P>Schinzler räumte Fehleinschätzungen ein: "Wir haben nicht gesehen, dass der Kursverfall derart dramatisch ist." Das sei eine noch schwere Belastungsprobe für die Münchener Rück-Gruppe gewesen als der World-Trade-Center-Schaden. Die weiterhin schwachen Börsen hätten auch zum Verlust von 238 Millionen Euro im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres geführt. Um nicht länger durch sinkende Wertpapierkurse belastet zu werden, habe der Konzern den Aktienanteil an seinen Kapitalanlagen auf 14 Prozent zurückgefahren. Schinzler deutete auch eine Reduzierung der Münchener Rück an der HVB an. Allerdings sei der Aktienkurs derzeit zu niedrig für Verkäufe.</P><P>Für Unmut bei den Aktionären sorgte die Absicht von Hans-Jürgen Schinzler den Vorsitz im Aufsichtsrat der Münchener Rück zu übernehmen. Sie begrüßten zwar die Absicht von Schinzler sich im Kontrollgremium zu engagieren, er solle aber nicht den Chefposten übernehmen. Für seinen Nachfolger, Nikolaus von Bomhard, werde es dadurch schwieriger, mögliche Fehlentscheidungen des Vorgängers zu revidieren.<BR><BR></P>

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