Hiendl wird österreichisch

Übernahme durch Möbelriesen: - Acht Monate nach dem Unfalltod des Geschäftsführers Klaus Hiendl wird das bayerische Möbelunternehmen Hiendl jetzt verkauft. Neuer Eigentümer wird die österreichische XXXLutz-Gruppe.

München - Im hart umkämpften Möbelmarkt setzt die österreichische XXXLutz-Gruppe auf Größe. Seit 1973 expandiert das Unternehmen, das in Deutschland unter anderem die Karstadt-Möbelhäuser übernommen hat. Die Gruppe mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro bezeichnet sich als zweitgrößter Möbelhändler der Welt hinter Ikea. Jetzt verleibt sich der Konzern das Möbelhaus Hiendl ein. Bekannt ist das 1926 in Passau gegründete Unternehmen insbesondere durch seine Werbung mit dem Schauspieler Ottfried Fischer ("Hiendl - mehr sog i ned").

Die Familie Hiendl habe sich entschlossen, ihr Unternehmen zu verkaufen, teilte XXXLutz mit. "Ein wesentlicher Grund war der plötzliche Unfalltod von Klaus Hiendl im Herbst des vergangenen Jahres." Er hatte zusammen mit seinem Bruder Rudolf das Unternehmen geführt. Nach seinem Tod in Folge eines Autounfalls war sein Sohn als zweiter Geschäftsführer bestellt worden.

Die Übernahme betrifft 1400 Mitarbeiter, die mit sechs Filialen in Bayern - unter anderem in Rosenheim und Augsburg - einen Umsatz von 200 Millionen Euro erwirtschaften. Ein XXXLutz-Sprecher lobte Hiendl als "sehr gesunde, sehr stolze und sehr erfolgreiche Firma". Zum Kaufpreis äußerte er sich nicht. Von Hiendl war keine Stellungnahme zu erhalten.

"Das ist kein guter Tag für die betroffenen Arbeitnehmer", sagte Georg Wäsler von der Gewerkschaft Verdi. Schon jetzt gebe es "keineswegs Traumbedingungen" für die Hiendl-Beschäftigten. Doch bei XXXLutz seien noch Verschlechterungen zu befürchten. Die Erfahrungen bei der Übernahme des Karstadt-Möbelhauses auf der Münchner Theresienhöhe durch das Unternehmen ließen "Böses ahnen". Dabei mussten die Beschäftigten unter anderem längere Arbeitszeiten und teilweise gekürzte Bezüge hinnehmen.

"Karstadt war eine ganz andere Situation", erklärte dagegen der XXXLutz-Sprecher. Dabei habe es sich um einen Sanierungsfall gehandelt. Bei Hiendl dagegen "werden tolle Gewinne gemacht". Deshalb habe man "keinen Anlass, irgendwie einzugreifen". Weder gebe es Pläne zu Stellenabbau, noch zu Filialschließungen oder veränderten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Man habe sich bei zahlreichen Akquisitionen als "verlässlicher Partner für die Mitarbeiter erwiesen". Das bisherige Management solle das Unternehmen weiterführen. Die Marke Hiendl bleibe erhalten. "Auch Otti Fischer wird weiterhin Werbung machen."

Nach der Übernahme, die der Zustimmung durch das Kartellamt bedarf, verfügt XXXLutz über 198 Möbelgeschäfte mit 17 400 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Die Pläne der Österreicher, ein Möbelhaus mit 50 000 Quadratmetern Verkaufsfläche in Aschheim im Münchner Osten zu errichten, blieben von der Übernahme unberührt, erklärte der Sprecher.

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