Hier eine Zusammenfassung unserer Telefonaktion

München - Die gesetzliche Rente wird für die meisten nicht ausreichen, um den Ruhestand zu genießen - das ist sicher. Umso wichtiger ist es deshalb, selbst etwas zu tun. Doch welche Vorsorge ist die richtige? Vier Experten standen den zahlreichen Fragen während unserer Telefonaktion Rede und Antwort.

< diese Experten waren am Telefon

 -"Kann ich mit 59 Jahren noch riestern? Mein Anbieter meinte, die Altersgrenze liegt bei 55 Jahren."

Es gibt keine gesetzliche Höchstaltersgrenze für den Abschluss einer Riester-Rente. Bei einigen Anbietern ist jedoch ab 50 oder später kein Vertragsabschluss mehr möglich. Zur Frage, welches Produkt gewählt werden sollte, empfiehlt die Stiftung Warentest für ältere Sparer aufgrund der höheren Kosten für Rentenversicherungen und den höheren Risiken bei Fondssparplänen sichere Banksparpläne. Reicht das angesparte Kapital aufgrund der kürzeren Anspardauer zu Beginn Ihrer Altersrente nur für eine geringe monatliche Rentenzahlung (derzeit bis 24,85 Euro monatlich), können Sie sich Ihre Riester-Rente als Einmalbetrag auszahlen lassen, ohne dass Sie die erhaltenen Zulagen oder Steuervorteile zurückzahlen müssen.

-"Ich (Jahrgang 1953) habe seit 1970 Rentenbeiträge gezahlt und mich jetzt selbstständig gemacht. Wie soll ich mich absichern?"

Sie sollten in jedem Fall freiwillige Beiträge an die Deutsche Rentenversicherung zahlen. Hierdurch erhalten Sie Ihren Versicherungsschutz auf die Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufrecht. Um die besonderen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen, brauchen Sie eigentlich Pflichtbeiträge, die Sie auch als Selbstständige auf Antrag zahlen können.

Da bei Ihnen aber, aufgrund Ihres langjährigen lückenlosen Versicherungslebens, eine Übergangsregelung nach "altem Recht" greift, können Sie auch freiwillige Beiträge zahlen. Wollen Sie allein Ihre Anwartschaft erhalten, reicht der Mindestbeitrag von knapp 80 Euro monatlich aus. Der Höchstbeitrag, der ebenfalls möglich ist, liegt bei rund 1055 Euro im Monat.

Um fürs Alter weiter vorzusorgen, empfiehlt sich - bei Ihnen als Freiberuflerin - eine Basis- oder Rürup-Rente abzuschließen. Einzahlungen hierfür sind nicht fix, sondern können entsprechend Ihren eventuell schwankenden Einkünften getätigt werden.

- "Ich (19) habe gerade mein Abitur gemacht und fange jetzt eine Lehre an. Welche Altersvorsorge empfehlen sie mir?"

Für Sie ist eine Riester-Rente erste Wahl. Hier zahlen Sie vier Prozent Ihres Vorjahreseinkommens in einen Vertrag ein und kassieren die staatliche Grundzulage von 154 Euro. Da Sie als Lehrling wenig Gehalt beziehen, brauchen Sie auch nur einen relativ geringen Eigenbeitrag zu leisten, um die Zulage zu bekommen. So zahlen Sie nur den Sockelbetrag von 60 Euro, wenn Sie gar kein Vorjahreseinkommen haben. Zudem fördert der Staat unter 25-jährige Riester-Sparer mit einem einmaligen Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro.

-"Mein Mann ist selbstständig und nicht rentenversichert. Ich (47) bin derzeit auf Minijob-Basis beschäftigt. Kann ich eine Riester-Rente abschließen?"

Bei Minijobs ist grundsätzlich nur der Arbeitgeber verpflichtet, Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung abzuführen. Sie haben aber die Möglichkeit, die Beiträge des Arbeitgebers aufzustocken. Hierfür müssen Sie auf die Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Rentenversicherung und damit derzeit auf 4,9 Prozent Ihres Gehalts verzichten.

Damit gehören Sie zum förderberechtigten Personenkreis und können die staatliche Förderung bei Abschluss einer Riester-Rente beanspruchen. Bei einem Verdienst von beispielsweise 350 Euro monatlich würde der Aufstockungsbetrag zur Rentenversicherung 17,15 Euro betragen. Um die volle Förderung - dies wäre bei Ihnen die Grundzulage in Höhe von 154 Euro jährlich - zu bekommen, müssten Sie 60 Euro jährlich in einen "Riester"-Vertrag sparen.

-"Ich (40) habe 2002 eine Riester-Rente abgeschlossen. Wie wirkt sich die Abgeltungssteuer ab 2009 darauf aus?"

Durch die Abgeltungssteuer ergeben sich bei der Riester-Rente keine Änderungen. In der Ansparphase sind die anfallenden Zinsen und Erträge nicht steuerpflichtig. Dafür wird die Riester-Rente dann in der Auszahlungsphase nachgelagert mit Ihrem individuellen Steuersatz besteuert.

-"Für mich (37) ist bei meiner Riester-Rente der Steuervorteil durch den zusätzlichen Sonderausgabenabzug günstiger als die Zulage. Kann ich mir das Ausfüllen des Zulagenantrags sparen?"

Nur wenn Sie den Zulagenantrag stellen, bekommen Sie die volle Förderung, die in Ihrem Fall aus der Zulage und dem darüber hinaus gehenden Steuervorteil besteht. Das Finanzamt zieht in jedem Fall einen Betrag in Höhe der Zulagen vom errechneten Steuervorteil ab. Vom Finanzamt bekommen Sie nur den Differenzbetrag ausgezahlt.

-"Ich habe als Beamtin in Niedersachsen gearbeitet und bin nach meinem Umzug nach Bayern vom Land Niedersachsen in der gesetzlichen Rente nachversichert worden. Jetzt arbeite ich wieder als Angestellte im öffentlichen Dienst. Woher bekomme ich später meine Rente?"

Die gesetzliche Rente wird vom zuständigen Träger der Deutschen Rentenversicherung gezahlt. Weiterhin haben Sie einen Anspruch aus der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes, wenn Sie die Wartezeit von 5 Jahren erfüllt haben. In Ihrem Fall ist die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) zuständig.

Im Zusammenhang mit ehemaligen Beschäftigungsverhältnissen im öffentlichen Dienst ist noch Folgendes anzumerken: Für Rentner und Versicherte, die während ihres Versicherungslebens mindestens 60 Monate im öffentlichen Dienst beschäftigt waren - auch wenn dieses Beschäftigungsverhältnis schon länger zurückliegt - besteht jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt eventuell Anspruch auf eine Betriebsrente. Durch eine Systemumstellung wurde von den Zusatzversorgungsträgern (z.B. VBL, den kommunalen und kirchlichen Versorgungskassen, Bahn, Post usw.) den Versicherten eine Startgutschrift übersandt, die Aufschluss darüber gibt, wie hoch der Anspruch auf Betriebsrente zum 31. 12. 2001 ist. Versicherte, die im öffentlichen Dienst beschäftigt waren und bis heute noch keine Startgutschrift erhalten haben, sollen sich umgehend an die zuständige Zusatzversorgungseinrichtung wenden.

- "Ich (41) habe einen Riester-Aktienfonds-Sparvertrag. Mein Versicherungsvertreter schlägt vor, diesen Aktienfondssparvertrag zu kündigen und das Geld in einer privaten riesterfähigen Rentenversicherung anzulegen."

Wenn es sich bei dem Aktienfondssparvertrag um Qualitätsaktien handelt, ist zu erwarten, dass der Aktienfonds in den nächsten Jahren - Sie haben bis zur Auszahlungsphase noch lange Zeit - wieder kräftig steigen wird, weil sich der Aktienmarkt zurzeit in einem Tief (Baisse) befindet. Wenn Sie jetzt weiterhin in diesen Vertrag einzahlen, kaufen Sie die Anteile zu einem niedrigen Preis ein.

Einen Aktienfonds sollte man nie in einer Baisse-Phase verkaufen. Warten Sie lieber einige Jahre, bis sich der Aktienmarkt wieder erholt hat. Bei einem Umstieg in eine private Rentenversicherung fallen erneut Abschluss- und Verwaltungskosten an. Beim Kauf der Fondsanteile haben Sie bereits einen Ausgabeaufschlag bezahlt.

- "Ich arbeite in einem Drogeriemarkt auf 400-Euro-Basis und überlege, freiwillig noch 4,9 Prozent Rentenbeitrag von meinem Arbeitgeber überweisen zu lassen, um auf meine Rentenversicherungsfreiheit zu verzichten. Wie viel Rente bekäme ich denn dann monatlich mehr?"

Nach heutigen Rentengrößen sind es ungefähr 1,40 Euro monatliche mehr Rente. Sie hätten dann aber die Möglichkeit, für 60 Euro Jahresbeitrag in einen Riestervertrag vom Staat 154 Euro jährliche Zulage für sich und 185 Euro für Ihr Kind in diesen Vertrag zugeschossen zu bekommen. Das würde für Sie insgesamt eine etwas bessere Gesamtversorgung für einen geringen Geldeinsatz bedeuten.

- "Ich (24) habe als Altersvorsorge Sparpläne in Aktienfonds. Die Fonds habe ich mit meinem Vater und einem Berater ausgesucht. Ist die Strategie richtig und soll ich auch noch riestern?"

Sofern Sie die Wirkungsweise von Investmentfonds kennen und mit den börsenbedingten Wertschwankungen Ihrer Fonds "umgehen" können, ist es für Sie als junger Mensch richtig, Aktienfonds regelmäßig zu besparen. Ein Teil der Altersvorsorge sollte in eine konservative Sparform fließen, dafür eignet sich auch ein Riesterbanksparplan. Voraussetzung für langfristiges Sparen ist, über genügend Geldreserven für Anschaffungen und unregelmäßige Ausgaben in der Zukunft zu verfügen. Dieses Geld sollte konservativ angelegt werden, zum Beispiel auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto. Und nicht vergessen, dass Sie als Basis für Ihr Leben und die Altersvorsorge eine Berufsunfähigkeitsversicherung unterhalten sollten.

- "Ich (32) habe für 350 Euro monatlich eine fondsgebundene Basisrentenversicherung mit Berufsunfähigkeitszusatzversicherung bei einem britischen Versicherungsunternehmen abgeschlossen, um nach dem Rat des Vermittlers hin Steuern zu sparen. Nun werden mir nur kleine jährliche Boni von der Gesellschaft gutgeschrieben. Ist dieser Vertrag überhaupt noch sinnvoll?"

Das Risiko Berufsunfähigkeit sollte immer in einem eigenen Vertrag versichert werden. Dieser Schutz kann nur so immer an das Leben flexibel und ausreichend angepasst werden. Während dieses Risiko dynamisch versichert werden sollte, ist dynamisches Ansparen auf ein bestimmtes Ziel unsinnig. Man "bestraft" faktisch den Zinseszinseffekt.

Eine Rürup-Rente in jungen Jahren abzuschließen, gleicht einem Glücksspiel: Das Geld ist nie wieder kapitalisierbar, wird später als lebenslange Rente ausgezahlt. Die Rentenversicherung ist für ein extrem langes Leben kalkuliert, aber nur ein geringer Teil der älteren Bevölkerung wird so alt, dass die Summe aller ausgezahlten Rentenbezüge aus einem Rürupversicherungsvertrag die Summe der Rentenbeiträge erreicht.

Abschließend kann eine fondsgebundene Rentenversicherung, auch britische, an sich nur im Einzelfall für ein Vorsorgekonzept "ungefährlich" sein, wenn der Beitrag gegenüber Ihren sonstigen Sparbeiträgen für die Altersvorsorge nicht zu hoch angesetzt wird, der Vertrag eine eigene Auswahl erstklassiger Investmentfonds ermöglicht und die Vertragskosten eventuelle Steuervorteile nicht zunichte machen.

< diese Experten waren am Telefon

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