Hilfe im Breitband-Dschungel

München - Kein Tag vergeht, ohne dass neue Werbeprospekte im Briefkasten landen oder eine Anzeige "supergünstige" Flat-Angebote im "Maxi-Komplett-Paket" verspricht und zum "sofort Zugreifen" auffordert. Was Sie wissen müssen:

Der richtige DSL-Anschluss

Traditionell setzt ein DSL-Anschluss (siehe Kasten) einen Festnetztelefonanschluss voraus. Der kann von der Telekom oder von einem alternativen Telefonanbieter stammen. Viele DSL-Anbieter locken mit günstigen Monatspreisen, doch was sie häufig verschweigen, ist, dass grundsätzlich noch die Kosten für den Telefonanschluss der Telekom hinzukommen. So gibt es derzeit ein Doppel-Flat-Angebot von 1&1 für 19,99 Euro ­ schaut man genauer hin, kommen entweder Zusatzkosten von mindestens 16,37 Euro für den Telekom-Anschluss hinzu oder man nimmt das Komplett-Angebot von 1&1, dann entfällt der Telekom-Anschluss, aber das Paket kostet so 29,99 Euro im Monat. Zusätzlich kommen 9,90 Euro Versandkosten hinzu. Anrufe ins deutsche Mobilfunknetz sind nicht in der Flat enthalten ­ wie bei allen Anbietern ­ und kosten 21,9 Cent in der Minute.

Die maximale Download-Datenrate ist eine der wichtigsten Kenngrößen eines Breitband-Internetanschlusses. Wer den Anschluss nur für E-Mail und Surfen nutzt, kommt mit einem 2000er-Anschluss aus ­ kann demnach maximal 2 MBit/s herunterladen. Für eine komplette CD bräuchte man so etwa 45 Minuten.

Das Fernsehkabel als Alternative

Wer abseits der gut versorgten Großstädte wohnt, hat noch immer das Nachsehen, wenn es um ein schnelles Internet via DSL geht ­ allein in Bayern sind fünf Prozent der Haushalte davon ausgeschlossen. Aber es gibt Alternativen: Surfen übers Fernsehkabel, was allerdings auch nicht überall verfügbar ist.

Inzwischen bieten viele Kabelgesellschaften, wie Kabel Deutschland oder Kabel & Medien Service (KMS), einen Internetzugang an, über den es sich auch Telefonieren lässt. Die Angebote sind sehr verschieden und regional begrenzt. Auch kann man die Betreiber nicht mischen ­ wenn Kabel Deutschland das Netz betreibt, kann man auch nur deren Angebote nutzen. Ein KMS-Vertrag für "cablesurf & cablefon" kostet derzeit komplett 29,85 Euro im Monat, bei einer 2000er-Datenrate. Zusatzkosten fallen durch das Kabelmodem an, das die Kunden kaufen oder mieten können.

Vorteil des Fernsehkabels ist, dass es sehr hohe Bandbreiten ermöglicht und man auf einen Telefonanschluss verzichten kann. Gespräche werden per VoIP (Voice over IP) über die Kabel-Infrastruktur abgewickelt.

Kostenmäßig klinge es verlockend, sich so das Geld für den Festnetzanschluss zu sparen, bemerkt auch Stiftung Warentest. Die Verbraucherschützer warnen aber vor Risiken: Die Datenverbindung ist störanfällig. Außerdem ist es laut Johannes Endres vom Fachmagazin "c't" möglich, mehrere Kunden über ein und denselben Kanal laufen zu lassen, sodass es ähnlich einem überbuchten Flugzeug zu Engpässen kommen kann. Der Rat der Tester: Umsteiger sollten immer ein Handy für den Notfall parat haben.

Breitband-Internet ohne Breitband

In Gegenden, in die bisher keine breitbandfähige Leitung vorgedrungen ist, kommt das Breitband gelegentlich auch per Funk, beispielsweise über WiMAX. Der Vorteil dieser Technologie: Sie kann bis zu 50 Kilometer überbrücken, während für WLAN spätestens nach einigen Dutzend Metern Schluss ist. Seit Ende 2005 gibt es die ersten kommerziellen WiMAX-Angebote von Deutsche Breitband Dienste GmbH (DBD) und Arcor. Ein Anbieter für den bayerischen Raum ist Televersa mit ihrem "Flying-DSL", das es allerdings nur punktuell gibt. Ein 2000er-Paket ("Take off") kostet hier 41 Euro im Monat.

Kostenfallen und andere Tücken

Ob zusätzliche Gebühren durch den vorausgesetzten Festnetzanschluss, ein Aktionsangebot, das sich nach einem Monat um ein Vielfaches verteuert, oder anfangs kostenlose Zusatzdienste, die nach einer Probezeit zum kostenpflichtigen Abo werden ­ überall lauern versteckte Kostenfallen. "Mit der Lupe alles lesen", rät Endres.

Denn auch das Prinzip der Flatrate versuchen manche Anbieter im Kleingedruckten zu untergraben. Liest man sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB's) genauer durch, bemerkt man plötzlich klar gezogene Grenzen bei der monatlichen Datennutzung ­ bei regelmäßigem Mehrverbrauch droht sogar die Kündigung. Einige Anbieter nennen dabei keine bestimmte Anzahl von Minuten oder Datenmengen, sondern schreiben von "überdurchschnittlicher" oder "übermäßiger" Nutzung.

Was auch immer wieder gerne übersehen wird: Sonderrufnummern sind bei Telefon-Flatrate-Angeboten "nie mit dabei", sagt Bettina Seute, Sprecherin von teltarif.de. Für Gespräche ins Mobilfunknetz oder ins Ausland muss extra bezahlt werden ­ entweder über eine normale Abrechnung oder über ein Zusatzpaket, das z. B. bei Arcor 15 Euro im Monat pro Handy\-netz kostet. Wer die Wahl hat zwischen DSL, Kabel oder Funk, sollte für seinen Breitband-Anschluss als Erstes nach dem Preis gehen, rät Endres. Auch eine möglichst kurze Laufzeit sei von Vorteil. Wenn es dann Schwierigkeiten mit der Technik gebe, sei ein Wechsel ratsam.

Nicht alles was sich gut anhört, ist auch gut, deswegen hier fünf Grundregeln für den Umgang mit Werbe-Angeboten:

-Keine Spontan-Verträge abschließen, schon gar nicht an der Haustür.

-Rechnungen der letzten Monate mit den aktuellen Angeboten vergleichen.

-Sonderaktionen hinterfragen. Oft muss die Hardware extra bezahlt werden.

-Das Kleingedruckte in den AGB's lesen. Hier verstecken sich nicht nur die tatsächlichen Kosten, sondern auch mögliche Nutzungsbeschränkungen des Flatrate-Angebots.

- Sonderkündigungsrechte erfragen. Meist zahlt man bei einem Umzug in einen Ort ohne DSL-Möglichkeit weiter.

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