Was hinter ökofonds steckt - Grüne Geldanlage kein Bio-Produkt

München - Sie heißen Ökofonds, aber sie investieren auch in Auto-, Chemie- und Ölkonzerne. Etikettenschwindel? Nicht unbedingt. Öko meint nicht bio und ist weit mehr als Solarstrom und Windenergie. Die Zeitschrift "Finanztest" hat sich die beliebten Geldanlagen genauer angesehen.

Während es für das Bio-Siegel auf Lebensmitteln gesetzliche Vorgaben gibt, finden sich bei sogenannten Ökofonds keine einheitlichen Richtlinien. Jeder Fondsmanager hat seine eigene Vorstellung davon, was ökologisch, ethisch oder sozial ist. Genauso die Finanzdienstleister, die spezielle Aktienindizes für die Ökoanlagen zusammenstellen. Öko ist der "Finanztest" zufolge ein dehnbarer Begriff. Die Schlagwörter Ökofonds oder grüne Geldanlage sind die Vereinfachung schwer verdaulicher Ausdrücke wie Nachhaltigkeit oder englisch Sustainability. Darunter fallen auch Fonds, deren Manager Wert auf ethische Prinzipien legen oder die sozial verantwortliches Handeln schätzen.

Wenn schon Dreck, dann möglichst wenig

Die Idee, in einen solchen Fonds auch den Luftfahrtkonzern Lufthansa, den Autokonzern Toyota oder den französischen Ölriesen Total zu nehmen, ist die: Wir alle brauchen Autos und Flugzeuge. Es ist aber ein Unterschied, ob man ein 13-Liter-Auto oder ein 3-Liter-Auto fährt. Ökologisch heißt in diesem Fall: Wenn schon Dreck, dann so wenig wie möglich.

Die SAM Group aus Zürich folgt diesem Gedanken. Für ihre Nachhaltigkeitsindizes, die Dow Jones Sustainability (DJSI) wählt sie Unternehmen aus, die in ihrer Branche, etwa in ökologischer Hinsicht, eine Vorreiterrolle spielen. Das Auswahlverfahren heißt "Best-in-Class-Prinzip". "Die Lufthansa lastet ihre Maschinen besser aus als viele ihrer Wettbewerber", sagt Alexander Barkawi von SAM Indexes. Ein rotes Tuch für grüne Anleger ist allerdings der Ölkonzern Exxon, der in einem der SAM-Fonds auftaucht.

Die Branchenbesten oft unlogisch

Solche Ausrutscher schrecken Anleger ab. Viele können mit der Idee der Branchenbesten und ihrer Vorbildfunktion - wie der Chemiekonzern Bayer, der an der Entwicklung von Lacken auf Wasserbasis arbeitet - wenig anfangen. Sie wünschen sich eine härtere Auslese. So wunderten sich viele darüber, dass etwa der Ausschuss des Naturaktienindex (NAI) an Starbucks festhielt, als die Firma in die Schlagzeilen geraten war, weil sie angeblich äthiopischen Kaffeebauern Patentschutzrechte verweigern wollte. Außerdem wird der Kaffee wenig umweltgerecht in Wegwerfbechern verkauft. "Unbewiesene Behauptungen sind kein Grund für einen Rauswurf aus dem NAI", sagt Horst Hamm, Sprecher des Ausschusses. "Was den Müll angeht: In den USA gehen viele Leute mit eigenen Tassen zu Starbucks, das könnte man hier auch." Der NAI-Ausschuss findet es gut, dass Starbucks den Bauern deutlich mehr bezahlt, als der Kaffee auf dem Weltmarkt kostet.

"Korrekte" Anlagen liegen im Trend

Ökologisch und politisch korrekte Geldanlagen liegen im Trend. Bis Jahresende 2007 ist das Gesamtvolumen nachhaltiger und ethischer Fonds auf 21,6 Milliarden Euro gestiegen, von 19,1 Milliarden Euro Ende 2006, rechnet der Bundesverband deutscher Banken aus. Bei der Auswahl sollten Anleger Folgendes beachten:

Wem es um ein globales, verantwortungsvolles Investment geht, ist bei den weltweit anlegenden Ökoaktienfonds Pioneer Global Ecology (mit Autokonzern und Fluglinie) und Swisscanto Green Invest (ohne Autokonzern und Fluglinie) gut aufgehoben (siehe Tabelle). Wer in erneuerbare Energien investieren möchte, für den eignen sich Umwelttechnologiefonds wie der Sarasin Multi Laber New Energy.

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