Die Hintermänner im VW-Skandal

- Wolfsburg - Im Volkswagen-Skandal wird zurzeit eine Beschuldigung nach der anderen erhoben: Lustreisen, Betrug, teure Flüge auf Firmenkosten, verdeckte Geschäfte, Tarnfirmen und so weiter. Eigentümlich aber: Die meisten Vorwürfe werden über Zeitungen erhoben, die Urheber selbst bleiben im Dunkeln und damit auch deren Motive.

In den zehn Jahren, in denen Ferdinand Piëch den Konzern führte, entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und Betriebsrat: das "System VW". Der von Pië¨ch geholte Personalvorstand Peter Hartz vermied in den 90er-Jahren mit einer verkürzten Arbeitszeit Massenentlassungen. Mit Quersubventionen aus billig produzierenden Auslandswerken wurden die hohen deutschen Löhne ermöglicht. Umgekehrt legten die Arbeitnehmervertreter um Betriebsratschef Klaus Volkert Piëchs ehrgeizigen Investitionsplänen im Aufsichtsrat keine Steine in den Weg: Einstieg in die Luxusklasse, Bugatti-Übernahme, Bau der defizitären Autostadt.Doch seitdem der bei BMW auf Gewinnstreben getrimmte Bernd Pischetsrieder am VW-Steuer sitzt, haben sich die Zeiten geändert. Pischetsrieder entfernte lautlos alte Piëch-Vertraute aus dem Vorstand und umgab sich mit Personen seiner Wahl. Zuralten Piëch-Garde gehört aber noch Hartz. Es falle auf, schreibt die "Hannoversche Allgemeine Zeitung", dass "die Vorstandskollegen den Personalmann allein kämpfen lassen". Nur sein alter Gönner Pië¨ch stellte sich in einer Erklärung vor den angegriffenen Hartz.Schon 2004 soll Union mitgemischt haben

Sollte im Zug der Affäre der Betriebsrat geschwächt und dessen gute Verbindungen zur Personalabteilung gekappt werden, ließen sich weitere Einsparungen bei den Personalkosten wohl eher durchsetzen. Und Sparen ist im Moment das Lieblingswort der VW-Chefetage.Christian Wulff ist nicht nur CDU-Ministerpräsident in Niedersachsen, sondern auch Mitglied im VW-Aufsichtsrat. Denn das Land ist mit 18 Prozent größter VW-Aktionär - zusätzlich gestärkt durch das VW-Gesetz, das keinem Aktionär mehr als 20 Prozent der Stimmanteile gewährt. Und Wulff wird außerdem ein gutes Erinnerungsvermögen nachgesagt. Er habe nicht vergessen, dass Hartz und der zurückgetretene Betriebsratschef Klaus Volkert "einst maßgebliche Unterstützer des Bundeskanzlers Gerhard Schröder bei dessen Weg nach oben gewesen waren", wie die "HAZ" zu berichten weiß.Schon 2004, als die VW-Zahlungen an Abgeordnete herauskamen, soll die 2003 gewählte CDU/FDP-Regierung mitgemischt haben. "Die CDU jedenfalls bereitete ihren Schlag monatelang vor", schrieb damals die "FAZ". Doch die damalige Affäre überstand Hartz, und auch der frühere SPD-Ministerpräsident Schröder nahm keinen Schaden. Mancher fragt sich, ob es Zufall war, dass nun kurz vor der Bundestagswahl im Herbst die neue Affäre ans Licht kam.

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