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Doppelverdiener-Modell für Rentner: Ohne Kürzungen und Abschläge mehr Geld in der Rente

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Die Rentenregelungen haben sich geändert: Frühe Altersrentner können nun unbegrenzt hinzuverdienen. Ein Blick auf das ‚Doppelverdiener-Modell‘ und seine Vorteile.

Berlin – Bis zum Beginn des Jahres 2023 durften nur reguläre Altersrentner ohne Begrenzung hinzuverdienen. Wer eine vorgezogene Altersrente bezog, musste dagegen mit einer Rentenkürzung rechnen, wenn er oder sie weiterhin arbeitete. Doch im Laufe der Corona-Pandemie wurden einige Sonderregelungen eingeführt. Seit etwas mehr als zwölf Monaten können nun auch Frührentner ohne Begrenzung hinzuverdienen, ohne dass ihre Rente gekürzt wird. Sie müssen die Rentenversicherung nicht informieren, wenn sie weiterhin arbeiten oder eine neue Stelle antreten.

„Doppelverdiener-Modell“: Teilrente und Gehalt

Diese Neuregelung ermöglichte das sogenannte „Doppelverdiener-Modell“, wie der Sozialrichter Stephan Rittweger dem Spiegel gegenüber erklärte. Dabei handelt es sich um eine Praxis, bei der Arbeitnehmer neben ihrem regulären Gehalt eine Teilrente beziehen. Ein Arbeitnehmer, der bereits 45 Jahre gearbeitet hat und somit seine Berufsjahre bis zur Rente erfüllt hat, könnte mit 65 in Rente gehen. Das sind zwei Jahre vor Erreichen des regulären Rentenalters.

Er kann nun sowohl Arbeitsentgelt als auch Rente von der Deutschen Rentenversicherung beziehen. Dazu muss er bei der Deutschen Rentenversicherung eine 99,99-prozentige Teilrente beantragen. Wenn er beispielsweise 2.000 Euro brutto in seiner regulären Rente erhält, müsste er in diesem Modell auf etwa 20 Cent pro Monat verzichten. Andernfalls würde er bereits in Vollrente gehen. Das Besondere an diesem Modell ist, dass diejenigen, die es nutzen, weiterhin voll sozialversichert sind. Zudem bleiben Ansprüche auf Sozialleistungen wie Kranken- und Kurzarbeitergeld bestehen.

Ein Rentner-Ehepaar sitzt auf einer Bank und wartet auf den Zug.
Die Rentenregelungen haben sich geändert: Frühe Altersrentner können nun unbegrenzt hinzuverdienen.  (Symbolbild) © Sven Simon/Frank Hoermann/imago/Symbolbild

Laut dem Experten ist diese Methode besonders für Menschen geeignet, die bereits viele Wartejahre angesammelt haben. Wer 45 Wartejahre angesammelt hat, für den soll das Ganze „problemlos“ funktionieren. Auch für Arbeitnehmer mit 35 Jahren Wartezeit ist das Modell nutzbar, allerdings sind Abschläge zu erwarten, je früher dieser „Teilrenteneintritt“ erfolgt.

Es ist jedoch wichtig, den eigenen Arbeitsvertrag zu überprüfen. Einige Verträge enthalten Klauseln, die eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses vorsehen, sobald der Arbeitnehmer eine Rente bezieht. In diesem Fall würde der Eintritt in die Teilrente nicht funktionieren, wenn das Ziel ist, nebenbei noch Geld zu verdienen. In solchen Fällen empfiehlt der Experte ein klärendes Gespräch mit dem Arbeitgeber.

„Dreifachverdiener-Modell“: Lohn, Teilrente, Betriebsrente

Zusätzlich zur regulären Rente und dem Arbeitslohn gibt es noch die Betriebsrente, aus der Arbeitnehmer weitere Einkünfte erzielen können. Wenn diese mit dem normalen Lohn und der Teilrente kombiniert wird, spricht man vom „Dreifachverdiener-Modell.“ Um diese zu beziehen, müssen Arbeitnehmer zunächst einen Monat lang Vollrente erhalten, dann auf Teilrente reduzieren, um von mehreren dieser Modelle gleichzeitig zu profitieren.

Allerdings sind hierfür spezielle Anforderungen zu erfüllen. Zudem besteht das Risiko, während des Monats der Vollrente zu erkranken, was den Anspruch auf Krankengeld eliminieren würde. Dennoch bietet dieses Modell Arbeitgebern die Möglichkeit, erfahrene Fachkräfte ohne zusätzliche Kosten zu halten. Sobald sie das erkannt hätten, würden „interessengemäß auch Klauseln im Vertrag abgeändert“.

Die Frage ist, warum der Gesetzgeber diesen offensichtlichen „Drain“ der Rentenkasse zulässt, wo die Rententöpfe doch ohnehin belastet sind – und es mittelfristig bleiben werden? Laut dem Spiegel hatte der Gesetzgeber hier den Haltemechanismus von Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt schlichtweg als wichtiger eingestuft. Mehr Arbeitskräfte, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, sichern das Modell langfristig.

Deutsche wollen früher in Rente

Derzeit tendieren die Deutschen dazu, eher früher in Rente zu gehen. Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigen, dass viele bereits mit 63 oder 64 aus dem Berufsleben ausscheiden. Etwa ein Viertel aller Neurentner haben im Jahr 2021 nicht das reguläre Renteneintrittsalter erreicht. Der Anstieg der Erwerbstätigenquote bei den über 60-Jährigen ist zum Stillstand gekommen.

„Wir können uns das Rentensystem nicht mehr lange leisten“, sagte etwa die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, zum Münchner Merkur. Der Bund muss die Rentenversicherung bereits jetzt jährlich mit 110 Milliarden Euro „aufpäppeln“. „Wenn wir so weitermachen, geht in 25 Jahren jeder zweite Euro aus dem Bundeshaushalt als Zuschuss in die Rentenkasse.“ Mit mehr Steuergeld allein sei dieses Problem nicht zu lösen. In der Politik steht derzeit unter anderem die Aktienrente als eine mögliche Lösung zur Debatte.

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