Historische Aktien: Ein Hobby für Sammler mit langem Atem

- Fein gearbeitete Stahlstiche von Eisenbahnen, Schiffen und Industrie-Anlagen zeugen von vergangener Börsenherrlichkeit. Bisweilen schmückt auch Dekor im Jugendstil oder in Art déco historische Aktien. Heute interessieren sich nur Liebhaber für die ungültigen Papiere, doch deren Zahl nimmt zu.

<P>Das Hobby hat einen Namen: "Scripophilie". Finanzkreise nennen die dekorativen Stücke "Nonvaleurs" (Unwerte). Für diese gibt es in Europa einen Markt mit Fachhändlern, Auktionsveranstaltern, Sachverständigen, Katalogen und einer Zeitschrift. Entwickelt hat sich die Idee in den USA, wo der Broker Roland Smythe an der Wall Street in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts den Handel mit Aktien als Liebhaberstücken begann.</P><P>In den vergangenen 15 Jahren hat sich ein Sammlermarkt für historische Wertpapiere entwickelt, sagt der Sachverständige Hans-Georg Glasemann. "Schon ab fünf Euro kann man Altaktien kaufen", sagt Reinhild Tschöpe, Inhaberin eines Auktionshauses für historische Wertpapiere. Doch: "Eine Gründeraktie der Standard Oil mit Originalunterschrift von John D. Rockefeller wird nicht unter 140 000 Euro angeboten." Meist bewegen sich die Preise bis zu mehreren hundert Euro, nur Spitzenwerte liegen darüber.</P><P>Johann Wolfgang von Goethe setzte seine Unterschrift auf die Aktien der Ilmenauer Kupfer- und Silberbergwerk AG. Gut 45 000 Euro ist das Prachtstück wert. Walzerkönig Johann Strauß signierte die Papiere zur Finanzierung der Komischen Oper Wien. Die erste "klassische" Aktie gab die Niederländische Ostindien-Kompanie 1606 heraus. Auf deutschem Boden erschien das erste derartige Papier 1682 im Kurfürstentum Brandenburg für dessen Afrikanische Compagnie.</P><P>Gutachter Glasemann rät: "Sammeln Sie ein möglichst enges Gebiet, sonst sieht man kein Ende." Man kann sich auf Länder oder Branchen spezialisieren. "Klasse statt Masse", empfiehlt Ralf Hell, Chef des Handelshauses Historisches Portfolio. Er warnt vor Hoffnungen auf schnellen Gewinn: "Hier muss man in Dekaden rechnen." Unter Klasse versteht er Papiere aus dem 19. Jahrhundert mit einer Auflage bis zu 500 Exemplaren. Reinhild Tschöpe meint: "Das Papier sollte von einer bekannten Gesellschaft stammen und möglichst die Originalunterschrift einer Persönlichkeit tragen." Solche Autographen - meist aus dem 19. Jahrhundert - sind wertvoller als Aktien mit gedruckten Unterschriften.</P><P>Was aber bestimmt den Wert? "Alter, ursprüngliche Auflage, noch vorhandene Stückzahlen, wirtschaftshistorische Bedeutung des Unternehmens, Signatur, Zustand, Dekorativität und Nachfrage", sagt Hell.</P><P>Wer historische Wertpapiere kaufen will, wendet sich an den Fachhandel oder geht zu Auktionen. Dann hat man Reklamationsrecht. Echte Aktien lassen sich an Blindsiegel, Wasserzeichen und den so genannten Guillochen erkennen - verschlungenen symmetrischen Figuren aus feinen Linien. Vor Fälschungen sollte man sich hüten: Es werde auch versucht, Farbkopien als Schnäppchen an den Mann zu bringen.</P><P><BR> </P>

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