Historischer Allianz-Umbau

- Düsseldorf - Das Wetter passte zur Stimmungslage manch eines Mitarbeiters. Als die Allianz-Aktionäre am Mittwoch zu einer außerordentlichen Hauptversammlung in Düsseldorf zusammenkamen, war der Himmel wolkenverhangen und Schauer prasselten nieder. Europas größtes Versicherungsunternehmen wird tief greifend umgebaut, und viele Arbeitnehmer fühlen sich im Regen stehen gelassen.

Auf der Tagesordnung stand die Umwandlung der Allianz AG in eine europäische Aktiengesellschaft. Zur Sprache kam auch der Stellenabbau im Inland. Statt auf Demonstration setzte ver.di am Mittwoch auf Information.

Gewerkschafter machten den 3600 Aktionären in Flugblättern ihre großen Sorgen deutlich. "Heute feiern Sie Richtfest des Neubaus für das Allianz-Versicherungsgeschäft in Europa", hieß es darin. Statt mit dem Fundament werde mit dem Dach begonnen. "Und es ist noch nicht ansatzweise erkennbar, wie, wo und auf welchem Fundament die dazu gehörigen Wände erreicht werden sollen." Beschäftigungs- und Standortgarantien fehlten. "Dies hat zur Folge, dass die fast 40 000 betroffenen ArbeitnehmerInnen inzwischen völlig verunsichert und demotiviert sind", schrieb Uwe Foullong vom ver.di-Bundesvorstand.

Konzernchef Michael Diekmann kündigte vor den Aktionären an, die Phase der Ungewissheit beim Umbau des Deutschlandgeschäftes so rasch wie möglich zu beenden. "Ich begegne den Sorgen unserer Mitarbeiter mit großem Respekt", versicherte der Vorstandschef. Noch lägen nicht alle Details vor. Er verteidigte Einschnitte: Parallele Strukturen im Vertrieb seien zu teuer und nicht kundengerecht.  Bereits bekannt wurde, dass im Vertriebsinnendienst mit 700 Arbeitsplätzen jede dritte Stelle dem Rotstift zum Opfer fallen soll. In den Stabstellen und der Datenverarbeitung werden weitere Einschnitte befürchtet.

Beifall für die Neuaufstellung von den Aktionärsvertretern: Als wichtiger Baustein wird die Verkleinerung des Aufsichtsrates von 20 auf 12 Mitglieder gesehen. Statt eines Flachdaches werde nun mit spitzem Giebel gearbeitet, verdeutlichte ein Redner. Für Vertreter der Arbeitnehmer ist die Aufsichtsratsverkleinerung von 20 auf 12 Sitze dagegen eine deutliche Schwachstelle im neuen Gebäude der Allianz, an der nachgearbeitet werden müsse. Die Beibehaltung der paritätischen Aufsichtsratsbesetzung mit Vertretern der Arbeitnehmerund der Kapitalseite sei eine "weise Entscheidung" der Allianz.

"Sie sind dabei, die Mitarbeiter zu verlieren", ermahnte Jens Schultzki, Mitarbeiter und Aktionär, den Vorstand. Jahrelang hätten die Mitarbeiter für die Allianz Sicherheit verkauft und sich auch selbst sicher gefühlt. Jetzt breiteten sich Existenzängste in der Belegschaft aus. Während die Allianz mit der Umwandlung in eine Europäische Aktiengesellschaft an ihrem Dach arbeite, werde zugleich mit dem Umbau des Deutschlandgeschäftes auch Hand an das Fundament gelegt. "Dort bleibt kein Stein auf dem anderen", sagte er. Die Euphorie über den Allianz-Umbau teilten bei weitem nicht alle.

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