Hitziger Preiskampf ums Mineralwasser

Getränkebranche: - Die Mineralwasser-Branche boomt. Der Markt schlägt hohe Wellen, strukturiert sich neu und manch kleine Sprudel-Firma droht dabei unterzugehen.

München - "Die Großen legen weiter zu, die Kleineren haben Einbußen zu verzeichnen" - so lautet das Fazit der Getränkebranche für 2006. Das WM-Jahr mit dem Spitzen-Sommer hatte den Absatz für Mineralwasser auf über 12 Milliarden Liter schnellen lassen, der Pro-Kopf-Verbrauch stieg auf rund 132 Liter - so viel wie noch nie. Doch diese Rekord-Zahlen überdecken Verschiebungen, die einige als bedenklich einstufen.

Die Discounter sind es, die das Geschäft mit Mineralwasser mehr und mehr bestimmen. "2003 hatten die Billig-Anbieter einen Marktanteil von 15 Prozent", sagt Josef Gail vom Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels, "vergangenes Jahr kamen sie bereits auf 50 Prozent, Tendenz steigend."

Da ist es kein Wunder, dass der Lidl-Lieferant, die Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke GmbH (MEG), ein Plus von 290 Millionen Liter verzeichnete und damit laut Fachpresse die "Pole-Position" für das Rennen in diesem Jahr belegt - rund 1,7 Milliarden Liter aus 2006 gilt es zu toppen. An dritter Stelle startet mit 120 Millionen Liter mehr die Altmühltaler Mineralbrunnen GmbH, die Aldi beliefert. Dort stehen die 1,5-Liter-Flaschen für 19 Cent, teils sogar für 16 Cent auf der Palette. Andere sogenannte "einfache Marken" kosten laut Gail mindestens 30 Cent, hochwertige Marken verkaufen sich zwischen 40 bis 50 Cent pro Liter.

"Die Dumping-Preise der Discounter bedrohen Existenzen." Die MEG sei dafür das beste Beispiel. Jahrelang habe sie Lidl zu extrem niedrigen Preisen beliefert, bis sie es finanziell nicht mehr schafften - "dann hat sie Lidl übernommen, damit der Hauptlieferant nicht wegbricht", erklärt Gail.

Er befürchtet, dass jeder zweite regionale, kleinere Brunnen seinen Betrieb einstellen muss, wenn die Entwicklung in dieser Form weitergeht. "Auch ein Drittel der Getränkemärkte wird so bald vom Markt verschwinden."

Der Markt positioniert sich neu. Das belegen auch die Zahlen des Verbands Deutscher Mineralbrunnen (VDM). Davon abgesehen, dass immer mehr Kooperationen eingegangen werden, sind die meisten Unternehmen dazu übegegangen, ihr Sortiment zu erweitern - Wasser allein reicht nicht. Der Anteil an Erfrischungsgetränken, dazu zählen Schorlen oder Fitnessgetränke, stieg 2006 auf knapp 27 Prozent.

Auch etablierte, bekannte Marken wappnen sich so gegen den Wettbewerb. "Wir sind gezwungen zu wachsen, sonst werden wir verdrängt", sagte der Adelholzener-Geschäftsführer Franz Demmelmair vor kurzem in der "SZ". Knapp 45 Prozent des Umsatzes (123 Mio. Euro) entfallen beim größten bayerischen Mineralbrunnen mittlerweile auf Erfrischungsgetränke.

Einen ganz anderen Weg ist von vornherein die St. Leonhardsquelle GmbH in Stephanskirchen (Landkreis Rosenheim) gegangen, die im Naturkost-Bereich 62 Prozent Marktanteil trägt. Die Entwicklungen am Markt, auf dem Wasser längst zum Industrieprodukt "verkommen" sei, bekommt das Familienunternehmen mit, "aber betroffen sind wir nicht direkt", meint Ros\-witha Abfalter, die Tochter des Firmengründers. Schließlich sei die Zielgruppe eine ganz andere. Ihre Kunden zahlen im Handel bis zu 1,20 Euro pro Liter und wollen dafür höchste Qualität. "Unser Wasser kommt aus geschützten Vorkommen und ist komplett schadstofffrei, auch weil es aus eigenem Druck an die Oberfläche kommt," erklärt Abfalter. Andere Firmen gehen mit ihren Quellen weniger behutsam um. Da werde extra tief gebohrt und mechanisch gepumpt, sonst würde man die gigantischen Abfüllmengen gar nicht schaffen.

Ökologisch bedenklich ist auch die sinkende Mehrweg-Quote in Deutschland: Von 70 Prozent im Jahr 2003 auf unter 40 Prozent ist diese laut Gail gefallen. Und der VDM bestätigt, dass die PET-Einwegflaschen, wie sie in Discountern üblich sind, auf dem Vormarsch sind. "Seit der großen Pfandeinführung erkennen viele Verbraucher den Unterschied zwischen Mehrweg und Einweg nicht mehr", beklagt Gail, schließlich bekomme man in beiden Fällen Geld zurück.

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