Hochzeitsmarkt der Banken: Auch Bewerber aus den USA klopfen an

- München - Ganz leicht zu haben sind die einstigen Mauerblümchen nicht. Schon die Spekulation über mögliche Bankenhochzeiten haben die deutschen Geldinstitute wieder attraktiv gemacht. Deren Aktien stiegen seit den Tiefständen zum Teil auf mehr als das Dreifache. Obwohl die Morgengabe also recht hoch ist, hat man wieder Lust aufeinander. Früher unantastbare Tabus gelten nicht mehr.

<P>So galt noch vor wenigen Jahren bereits der Flirt zwischen Privatbanken und Sparkassen oder Genossenschaftsbanken als sündig. Dafür muss heute keiner mehr an den Pranger. Im Gegenteil: Nachdem sich Bundesfinanzminister Hans Eichel entsprechend geäußert hatte, sprach sich Wirtschaftsminister Wolfgang Clement auf einer Tagung in Baden-Baden für eine Lockerung des Drei-Säulen-Systems der Geldhäuser aus.</P><P>Reiche Bewerber aus dem<BR>Ausland stehen Schlange</P><P>In der Branche gab es eine bemerkenswerte Akzentverschiebung. Das einst von den Banken verschmähte Geschäft mit kleinen Kunden macht Sparkassen zu begehrten Bräuten. Die sehen beim Tanz auf dem Börsenparkett ein wenig plump aus, wissen aber, wie man das Haushaltsgeld zusammenhält. "Die Bewusstseinslage hat sich geändert", sagt ein Branchenkenner.</P><P>Allerdings allzu wüstes, gar grenzüberschreitendes Treiben sehen Eichel und Clement nicht gern. Versucht es doch einmal miteinander, werben sie bei den deutschen Banken. Sonst kommen andere und schnappen euch die besten Bräute weg.<BR>Ganz oben wird auch ein solcher Tabubruch mit Nachsicht betrachtet. Mehrfach, so berichtet die "Financial Times" (FT), haben US-Banker im Kanzleramt angeklopft, ob bei Übernahmen in Deutschland mit Widerstand der Regierung zu rechnen sei. Die Politik würde die Hände raushalten, war die Antwort. Immerhin verbindet Gerhard Schröder mit Sandy Weill, dem Boss der Citigroup, dem weltgrößten Bankenkonzern, ein entspannteres Verhältnis, als er es mit den einheimischen Spitzenbankern hat. Eben erst hat Schröder Weill in New York mit dem "World Leadership Award" ausgezeichnet.</P><P>Doch auch andere reiche Bewerber stehen Schlange. Die Credit Suisse, die BNP Paribas und die Royal Bank of Scotland nennt das britische Wirtschaftsblatt. Allerdings gelten manche Bewerber als wählerisch: "Die einzige deutsche Bank, an der eine Citigroup interessiert wäre, ist die Deutsche", zitiert FT einen hochrangigen Bank-Manager.</P><P>Neben exotischen Paarungen ist derzeit wieder ein Klassiker Thema beim Branchenklatsch: HypoVereinsbank und Commerzbank könnten zusammengehen, heißt es erneut. Es wäre nicht gerade die große Liebe, aber eine solide Verbindung. Wo der Bräutigam Schwächen hat, ist die Braut stark. Die Betroffenen schweigen dazu eisern. Man spricht miteinander, flirtet gar, aber man redet nicht darüber. So etwas nährt die Phantasie der Neugierigen. Vor zehn Tagen, weiß die FT, hätten sich die Bosse Michael Diekmann (Allianz), Herbert Walter (Dresdner) und Dieter Rampl (HypoVereinsbank) unterhalten. Inhalt: Die Allianz wolle ihre ungeliebte Stieftochter Dresdner gern daheim in München unter die Haube bringen. Einen intensiven Flirt hat es bereits vor drei Jahren gegeben. Daraus wurde aber nicht mehr. Der Funke zündete nicht. Eventueller Widerstand gegen die Vernunftehe ließe sich nach den Tabubrüchen leichter überwinden. Wenn die Stieftochter den Auserwählten verschmäht, droht ihr als Strafe ein Platz im Harem der Citigroup.<BR></P>

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