Höchste Lohn-Forderung seit 16 Jahren - IG Metall will bis zu acht Prozent mehr

München/Frankfurt - Die IG Metall fordert bis zu acht Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Das ist die höchste Forderungsempfehlung seit 16 Jahren und bringt viel Kritik ein.

­Die IG Metall zieht mit der Forderung nach sieben bis acht Prozent mehr Geld in die anstehende Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Auf diese höchste Empfehlung seit 16 Jahren einigte sich der Gewerkschaftsvorstand am Montag in Frankfurt am Main, wie die IG Metall bekanntgab. Die endgültige Forderung für die deutsche Schlüsselindustrie mit ihren 3,6 Millionen Beschäftigten legt die Gewerkschaft am 23. September fest.

Die Empfehlung an die regionalen Tarifkommissionen liegt trotz sich eintrübender Konjunkturaussichten weit über dem Niveau der vergangenen Jahre; zuletzt hatte die IG Metall im Jahr 1992 mehr als 6,5 Prozent gefordert. Die Verhandlungen beginnen Anfang Oktober.

Unter dem Motto "Es geht um mehr" will die Gewerkschaft den Abschluss aus dem vergangenen Jahr übertreffen, als sie in zwei Stufen von 4,1 und 1,7 Prozent mehr Geld erreichte. Damit solle eine Gerechtigkeitslücke gemindert werden, die die Beschäftigten angesichts steigender Unternehmensgewinne und stagnierender Löhne beklagten, sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber zur Begründung.

Huber sprach von einem "ungerechten Aufschwung", der in der Nachkriegsgeschichte einmalig sei. Die Gewinne der 40 wichtigsten Metall-Unternehmen seien von 2003 bis 2007 um 220 Prozent gestiegen, die Effektivlöhne aber nur um 8,7 Prozent. Auch die Aussichten der Industrie sieht die IG Metall noch relativ rosig und rechnet mit einem Produktionswachstum von bis zu fünf Prozent im kommenden Jahr. Das bedeute zwar kleinere Zuwachsraten, aber keine Rezession. Huber warf den Arbeitgebern "Zweckpessimismus" vor. Die Forderung sei finanzierbar.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall dagegen warnt vor überzogenen Forderungen. Der Erwartungshorizont der Arbeitnehmer habe sich von den Realitäten weit entfernt, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser der Tageszeitung "Die Welt". Kannegiesser warf der IG Metall vor, einer Stimmung vom Jahresanfang hinterherzulaufen, als viele geglaubt hätten, der ewige Konjunkturfrühling sei ausgebrochen. Der Industrie drohe im Winterhalbjahr eine Schwächephase, warnt Gesamtmetall. Die Forderung passe nicht zur wirtschaftlichen Realität, betonte auch Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, gegenüber unserer Zeitung. Nur mit maßvollen Taiferhöhungen könne man die seit Beginn des Aufschwungs geschaffenen 50 000 Arbeitsplätze in der Branche sichern.

Erschwerend komme Gesamtmetall zufolge hinzu, dass Löhne und Gehälter in der deutschen Metall- und Elektroindustrie in den vergangenen Jahren weit mehr als in anderen Branchen gestiegen seien; weltweit seien sie die höchsten. Für eine Gerechtigkeitsdebatte gebe es deshalb keinen Anlass, erklärt Gesamtmetall.

Laut IG-Metall-Chef Huber gibt es in "mehr als der Hälfte der Betriebe" noch weit höhere, teils zweistellige Forderungen. Huber plädierte für einen raschen Abschluss und sprach bereits darüber, zu "betrieblichen und überbetrieblichen Kampfaktionen" aufzurufen. Am 31. Oktober endet die Friedenspflicht, erste Warnstreiks hat die IG Metall bereits für die Nacht auf den 1. November angekündigt.

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