Spritpreise
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Die nächste Tankfüllung wird teuer: Die Spritpreise haben damit seit einem Zwischentief Anfang November 2020 kräftig zugelegt.

Kälte in den USA treibt Öl

Höchste Spritpreise seit Zeit vor Corona

Die Spritpreise kennen seit Monaten fast nur eine Richtung. Tanken und auch Heizöl sind inzwischen wieder so teuer wie zuletzt vor Beginn der Corona-Krise in Europa.

München/Frankfurt (dpa) - Tanken und Heizöl sind so teuer wie seit rund einem Jahr nicht mehr. Diesel und Super E10 haben die höchsten Preise seit Januar beziehungsweise Februar 2020 erreicht, wie der ADAC am Freitag mitteilte.

Demnach kostete Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Donnerstags 1,283 Euro pro Liter. Zuletzt war der Kraftstoff am 22. Januar vergangenen Jahres teurer. Bei Super E10 waren es 1,395 Euro - der höchste Wert seit dem 25. Februar 2020.

Die Spritpreise haben damit seit einem Zwischentief Anfang November 2020 kräftig zugelegt. Bei Super E10 sind es rund 22 Cent, bei Diesel sogar rund 26 Cent. «Der wichtigste Treiber ist der Ölpreis - und gerade seit Anfang November sehen wir da einen starken Anstieg», sagte ein ADAC-Experte. «Die CO2-Abgabe und die Mehrwertsteuer-Erhöhung haben ebenfalls maßgeblich zum Preisanstieg beigetragen.» Sie sorgten zum Jahreswechsel für einen Sprung von rund 10 Cent.

Insgesamt sei das aktuelle Spritpreis-Niveau angesichts des Ölpreises «realistisch», sagte der ADAC-Experte. «Eine Überteuerung wäre angesichts der derzeit niedrigen Nachfrage aber auch nicht durchsetzbar.»

Auch Heizöl erreichte am Donnerstag nach Zahlen des Infoportals Heizoel24 mit gut 62 Euro pro 100 Litern den höchsten Preis seit über einem Jahr, gab am Freitag allerdings leicht nach.

Damit entwickelte sich das Heizöl ähnlich wie der hinter den Entwicklungen stehende Ölpreis, bei dem es am Freitag nach zuvor kräftigen Zuwächsen Gewinnmitnahmen gab. Zuletzt hatte ungewöhnlich kaltes Winterwetter in Teilen der USA die Ölproduktion stark beeinträchtigt und den Höhenflug der Preise verstärkt. Der Frost behindert die Förderung, den Transport und die Weiterverarbeitung. «Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 40 Prozent der US-Ölproduktion betroffen sind.»

Die Ölpreise befinden sich aber bereits seit November im Aufwärtstrend, unter anderem wegen der anlaufenden Corona-Impfungen und Spekulationen auf ein starkes Anziehen der Weltwirtschaft. Deutliches Wirtschaftswachstum treibt die Nachfrage und damit auch den Ölpreis typischerweise an.

Zuletzt war der Preis für die in Europa wichtige Nordseesorte Brent erstmals seit Anfang 2020 wieder über 65 US-Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Nach den Gewinnmitnahmen lag er am Freitagmittag bei 63,01 Dollar und damit noch mehr als 20 Prozent über dem Wert zum Jahresbeginn 2021.

Marktbeobachter gehen fest davon aus, dass führende Ölstaaten, die sich in der Opec+ organisiert haben, auf den jüngsten Höhenflug der Ölpreise reagieren könnten. In den kommenden Monaten könnten die Fördermengen daher steigen, was typischerweise Druck auf die Preise erzeugt. Auch der ADAC-Experte sieht dämpfende Effekte: «Inzwischen haben wir ein Preisniveau erreicht, bei dem auch die amerikanischen Fracking-Produzenten wieder gewinnbringend in den Markt zurückkehren könnten. Ich würde mich daher nicht am Chor derer beteiligen, die noch höhere Ölpreise zwangsläufig erwarten.»

© dpa-infocom, dpa:210219-99-510561/2

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