Höchster Bundesbankgewinn seit fünf Jahren füllt Kassen des Bundes

Frankfurt/Main - Der höchste Gewinn der Deutschen Bundesbank seit fünf Jahren füllt die Kassen des Bundes. Die gute Konjunktur und hohe Zinsen bescherten der Notenbank einen Jahresüberschuss von 4,3 Milliarden Euro nach 4,2 Milliarden Euro im Vorjahr, wie die Notenbank am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

Der Gewinn wurde an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) überwiesen. 3,5 Milliarden Euro fließen direkt in den Haushalt, mit den restlichen 800 Millionen Euro werden Altschulden der ehemaligen DDR getilgt. Die Goldreserven tastete die Bundesbank wie bereits im Vorjahr nicht an. Vor allem beim Personal sparte die Notenbank rund 300 Millionen Euro ein und will weiter Stellen abbauen.

Bundesbank-Präsident Axel Weber forderte von der Bundesregierung einen strikten Sparkurs. "Das Gebot der Stunde lautet: Erreichtes nicht verspielen", sagte Weber. Der Bund habe nach wie vor eine Wegstrecke vor sich und müsse den Haushalt konsolidieren. Die Bundesregierung strebt bis spätestens 2011 einen ausgeglichenen Haushalt an.

Die Bundesbank erzielt Gewinne aus dem Management ihrer Währungsreserven - vor allem in US-Dollar und Gold - sowie die Ausgabe von Banknoten. Sie leiht den Banken Geld oder legt das eingesammelte Geld an. Gehen die Zinsen nach oben, wächst der Bundesbankgewinn. Im vergangenen Jahr stiegen die Leitzinsen, so dass der Nettozinsertrag auf die Anlagen der Notenbank binnen Jahresfrist von 5,4 auf 7,5 Milliarden Euro zunahm. Das glich die hohen Abschreibungen von 2,3 Milliarden Euro aus, die die Notenbank auf ihre US-Dollar-Reserven vornehmen musste, die wegen des schwachen Dollars an Wert verloren. "Trotz hoher Abschreibungen infolge der US-Dollar-Abwertung liegt der Gewinn auf dem Niveau des Vorjahres", sagte Weber.

Gleichzeitig sank der Personalaufwand von 902 auf 825 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte um 581 auf 10 391 Beschäftigte. Seit der Euro-Einführung dünnt die Notenbank ihr Filialnetz aus und streicht Stellen. Bis 2012 sollen 9000 von früher 16000 Stellen übrig bleiben. "Wir liegen gut im Zeitrahmen", sagte Weber. Die Zahl der Filialen von ursprünglich 127 schrumpfte zum Jahresende 2007 auf 47 und soll vorerst konstant bleiben.

Von dem gestiegenen Goldpreis profitierte die Notenbank nicht, weil sie trotz Forderungen aus der Politik ihre Verkaufsoption nicht nutzte. Der Umfang der Goldreserven steht laut Weber nicht zur Disposition: "Gold hat eine vertrauensstiftende und stabilisierende Funktion für die gemeinsame Währung", sagte Weber. Die Notenbank hat 3417 Tonnen Gold in ihren Tresoren, die in Zeiten leerer Kassen immer wieder die Begehrlichkeiten der Politik geweckt haben.

Eine Gewinnprognose für 2008 wollte Weber nicht abgeben. Für die deutsche Wirtschaft ist der Notenbankpräsident optimistisch. Die Wirtschaft sei gut ins Jahr gestartet und bleibe trotz der Finanzmarktkrise in einem soliden Aufschwung. Für 2008 erwartet die Notenbank ein Wachstum von knapp 1,5 Prozent - damit ist die Zentralbank etwas pessimistischer als die Bundesregierung, die ihre Prognose zuletzt von 2,0 auf 1,6 Prozent gesenkt hatte. "Ich halte keinen ausgewachsenen Pessimismus für angebracht", sagte Weber. Die boomenden Exporte und die Investitionen seien Stützen der Konjunktur. Beim Einzelhandel sei eine erste "zaghafte Belebung" zu sehen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im vergangenen Jahr einen Überschuss von 286 Millionen Euro erzielt. Das war deutlich weniger als im Vorjahr mit 1,379 Milliarden Euro. Der Rückgang war laut Notenbank vor allem auf die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar zurückzuführen.

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