Höhenflug des Euro ungebremst

- Frankfurt/Main - Den Höhenflug des Euro hat auch die Gefangennahme des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein nicht gebremst. Am Dienstag erreichte die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,2360 US-Dollar ein neues Allzeithoch, nachdem der Kurs bereits am Vortag auf neue Höchststände gestiegen war.

An den Devisenmärkten hält sich laut Händlern die extrem negative Stimmung gegenüber dem Dollar. Ein Ende der Dollar-Schwäche sei nicht absehbar. Überrascht zeigten sich Experten aber von der Heftigkeit der Abwertung der US-Währung, die sich in den vergangenen Tagen noch beschleunigt habe. <P>"Die Auswirkungen der Festnahme Saddam Hussein sind vollständig an den Märkten verpufft", sagte Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. "Die Regel, dass politische Börsen kurze Beine haben, hat sich einmal mehr bestätigt." Nach den jüngsten Anschlägen im Irak sei offensichtlich, dass Saddam nicht die Keimzelle des Terrorismus gewesen sei, bekräftigte Michael Schubert von der Commerzbank. Die prekäre Lage im Irak habe sich noch nicht verändert.</P><P>Die Entwicklung in dem Land steht nach einhelliger Meinung der Experten aber nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Devisenmarktes. "Belastet wird der Dollar vor allem durch Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs in den USA", sagte Schubert. "Viele Anleger befürchten, dass durch die Steuersenkungen und die expansive Geldpolitik lediglich ein Strohfeuer entfacht wurde und die USA über ihre Verhältnisse leben." Nach Berechnungen der Commerzbank ist zumindest in den nächsten Monaten eine anhaltende Dollarschwäche auch gegenüber anderen Währung zu erwarten.</P><P>Der Euro befindet sich seit Jahresbeginn auf einem nur von kurzen, temporären Rückgängen unterbrochenen Höhenflug gegenüber dem US- Dollar. Auch im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen wie dem japanischen Yen, dem britischen Pfund sowie dem Schweizer Franken gewann die anfangs geschmähte europäische Gemeinschaftswährung deutlich an Wert. "Auf handelsgewichteter Basis wertete der Euro seit Januar 2002 um fast 17 Prozent auf", heißt es in einer DekaBank-Studie. Für die meisten Experten der DekaBank vollzieht sich die Korrektur des Dollar allerdings überraschend schnell.</P><P>Einen Dollar-Crash erwartet das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) wegen des Leistungsbilanzdefizits der USA aber nicht. Die Ursache für das Defizit im Außenhandel liege nicht in einem überbewerteten Dollar, sondern in den hohen Ausgaben der privaten Haushalte und des Staates. Es sei wenig wahrscheinlich, dass der Weg zu einem vorsichtigeren Ausgabeverhalten über eine weitere, drastische Abwertung des Dollar führen werde.</P><P>Die US-Regierung unterdessen betrachtet die Dollarschwäche gelassen. Beobachter unterstellen der US-Regierung sogar eine Vorliebe für eine Dollarschwäche, um über anziehende Exporte die Konjunktur zu stabilisieren. US-Finanzminister John Snow etwa nannte den Dollarrückgang einen normalen Anpassungsprozess.</P><P>Nach Einschätzung des Chefvolkswirtes von Europas größter Bank HSBC, Stephen King, hat die USA gar auf Kosten anderer einen globalen Wettlauf um Wachstum losgetreten. Er sehe die aktuelle Dollar-Abwertung "ganz klar als ein Spiel von Gewinnern und Verlierern". Belastet werden dürfte vor allem die Wirtschaft der Eurozone, welche die Hauptlast der Dollarschwäche zu tragen habe.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bauindustrie verzeichnet stärkstes Neugeschäft seit 1995
Wiesbaden (dpa) - Die Niedrigzinsen und der Immobilienboom bescheren der Bauindustrie weiter prall gefüllte Auftragsbücher. Im März wuchs das Ordervolumen im …
Bauindustrie verzeichnet stärkstes Neugeschäft seit 1995
Moody's stuft China erstmals seit 1989 ab
Zweifel an der Reformfähigkeit, sinkende Devisenreserven und vor allem das Schuldenrisiko: Die Ratingexperten von Moody's nennen viele Gründe, warum sie Chinas Bonität …
Moody's stuft China erstmals seit 1989 ab
Deutscher Aktienmarkt tritt auf der Stelle
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich am Mittwoch erneut wenig von der Stelle bewegt. Damit knüpfte der deutsche Leitindex an seine zuletzt lustlose Entwicklung an.
Deutscher Aktienmarkt tritt auf der Stelle
Konjunktur hebt die Stimmung bei Verbrauchern
Die Wirtschaft boomt, der Arbeitsmarkt brummt: Den Verbrauchern in Deutschland macht das Lust aufs Kaufen - trotz politischer Umwälzungen und Terror.
Konjunktur hebt die Stimmung bei Verbrauchern

Kommentare