Krankenkasse

Höhere Beiträge für Privatversicherte

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München - Millionen Privatversicherte müssen 2013 höhere Krankenkassenbeiträge bezahlen. Allerdings fällt die Anhebung in diesem Jahr moderater aus. Verbraucherschützer rechnen aufgrund der Niedrigzinsen mit weiter steigenden Beiträgen.

In den letzten Tagen haben Millionen Privatversicherte Post bekommen – oftmals allerdings keine gute Nachricht. Auch 2013 steigen für viele Versicherte die Beiträge. Sprünge von bis zu 30 Prozent wie Anfang 2012 dürften diesmal allerdings die Ausnahme sein. Der Grund: Die „Einsteiger“-Tarife, bei denen zuletzt die Beiträge geradezu explodierten, wurden großteils vom Markt genommen.

Mit den Billig-Angeboten versuchten Versicherer, neue Kunden anzulocken. Die Tarife sind allerdings äußerst knapp kalkuliert und bieten teils sogar weniger Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung. Das Problem: Viele Versicherte konnten sich die Prämien nicht mehr leisten. Die anderen Kunden im Tarif mussten dann die Ausfälle mitbezahlen. Es drohte eine gefährliche Beitragsspirale.

Die Billig-Tarife bescherten der Branche viele Negativ-Schlagzeilen. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) betont daher den moderaten Beitragsanstieg in diesem Jahr. „Wir rechnen im Schnitt mit einer Anhebung im kleinen einstelligen Bereich“, sagt Stephan Caspary vom PKV-Verband. Als Beispiel für stabile Prämien nennt Caspary Marktführer Debeka. Deutschlands größte private Krankenversicherung kommt 2013 ohne Anhebung aus. Für 100 000 ältere Versicherte gibt es sogar eine leichte Beitragssenkung. Zum Vergleich: Anfang 2012 stiegen die Tarife für die Beamten noch um 3,6 Prozent.

Bei der Allianz müssen Versicherte Anfang 2013 im Schnitt drei Prozent mehr zahlen (Vorjahr plus 4,0 Prozent). Bei der Central sind es im Schnitt plus 2,6 Prozent (Vorjahr plus 12,9 Prozent). Die DKV wird erst im Frühjahr über höhere Beiträge entscheiden. Die Höhe ist noch unbekannt. Auch die Bayerische Beamtenkrankenkasse und die Union Krankenversicherung planen erst zum 1. Mai bzw. zum 1. Juli 2013 Beitragsanpassungen.

Auch die privaten Krankenversicherungen leiden unter den steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen. Kostentreiber waren 2011 vor allem die Ausgaben für Krankenhäuser (plus 5,6 Prozent) und Zahnersatz (plus 7,1 Prozent). Den größten Anstieg gab es bei Heilpraktikerbehandlungen mit satten 9,4 Prozent. Bei der Anpassung haben die Versicherungen wenig Spielraum. Das Gesetz schreibt vor, dass die Beiträge neu kalkuliert werden müssen, wenn die tatsächlichen Ausgaben in einem Jahr um mehr als zehn Prozent von den prognostizierten Ausgaben abweichen.

Der Bund der Versicherten hält die Durchschnittszahlen der Assekuranzen für Schönfärberei. „Wir rechnen mit Beitragsanhebungen ähnlich wie 2012“, sagt Axel Kleinlein. Das heißt: Es gibt wieder vereinzelt Beitragssprünge von bis zu 30 Prozent. Neben den steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen verweist Kleinlein auf eine weitere Belastung für die Versicherer: Die Niedrigzins-Phase. Weil es für sichere Anlagen derzeit nur Mini-Zinsen gibt, würden auch die Erträge für die Rücklagen sinken, so der Verbraucherschützer. Die Folge: langfristig steigende Beiträge.

Wer eine kräftige Beitragsanhebung bekommen hat, sollte sich zunächst bei seinem Anbieter über einen Tarifwechsel informieren. Oftmals lassen sich dadurch die Prämien deutlich senken. „Jeder Versicherte hat das Recht, in einen anderen Tarif seiner Versicherung zu wechseln“, sagt Kleinlein. Vor einem Wechsel sollten die Versicherten allerdings genau die Leistungen prüfen. Manche Tarife enthalten etwa höhere Selbstbeteiligungen. Selbst bei einer niedrigeren monatlichen Prämie könnten dann auf das gesamte Jahr gerechnet Mehrkosten entstehen.

Grundsätzlich kann auch der Wechsel zu einem anderen Versicherer sinnvoll sein. Für langjährig Versicherte lohnt sich dies meist nicht, weil sie ihre Altersrückstellungen nicht mitnehmen dürfen. Wer erst seit dem 1. Januar 2009 privat versichert ist, kann zumindest einen Teil der Rückstellungen mitnehmen.

Von Steffen Habit

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