Höhere Löhne als Motor, der die Wirtschaft ankurbelt

- Berlin - Um die Binnenkonjunktur in Deutschland anzukurbeln, hat sich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos für höhere Löhne ausgesprochen. In den nächsten Tarifrunden dürften nicht nur Kosten, Shareholder-Value und Aktionärsinteressen eine Rolle spielen, sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Die Menschen müssen für gute Arbeit gutes Geld verdienen und es dann auch ausgeben können." Unterstützt wird Glos vom Wirtschaftsweisen Peter Bofinger.

Bofinger schrieb in einem Gastbeitrag für die "Financial Times Deutschland", es sei falsch, dass die Bundesrepublik "wie kein anderes Land auf eine Strategie stagnierender Reallöhne" setze. Eine fortgesetzte Lohnzurückhaltung sei "ähnlich zerstörerisch, wie wenn ein Fünf-Sterne-Hotel auf die Idee käme, über Billigpreise anspruchslose Kunden zu gewinnen, die allenfalls bereit sind, die Rate eines Zwei-Sterne-Hauses zu zahlen".

Der Ansatz Deutschlands führe in die falsche Richtung. Daher müssten Bundespolitiker entscheiden, ob sie eine offensive Wirtschaftspolitik betreiben wollten wie die skandinavischen Länder, oder eine defensive mit wenig Staat wie die USA. Finnland, Dänemark und Schweden hätten trotz hoher öffentlicher Investitionen und Bildungsausgaben in den vergangenen Jahren Budget-Überschüsse erzielt.

Entbrannt war die Diskussion um höhere Löhne als Folge der bevorstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Nach zweijähriger Pause wird 2006 über einen neuen Lohntarifvertrag für die rund 3,4 Millionen Beschäftigten dieser Branche entschieden. Die Gewerkschaft fordert angesichts der starken Teuerung in Deutschland und hoher Unternehmensgewinne bis zu fünf Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber halten hingegen maximal 1,2 Prozent für vertretbar, um die Kosten niedrig und Arbeitsplätze in Deutschland zu halten.

Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) kritisierte den Vorstoß der Gewerkschaft: Die Lohnforderungen seien "kontraproduktiv", so BDI-Präsident Jürgen Thumann. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte: "Wir können nur das verteilen, was erwirtschaftet worden ist." Er forderte eine "kostenneutrale Lohnentwicklung". Reallohnverluste schloss er nicht aus.

Wirtschaft mahnt zur Zurückhaltung

Zur Zurückhaltung im Lohnbereich mahnten auch der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber und Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft: Arbeit müsse preiswerter werden.

Porsche-Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück verteidigte dagegen die Metaller: Deutschland sei Export-Weltmeister. Die Binnenkonjunktur indes müsse angekurbelt werden. Hück: "Um das zu erreichen, sollten Leute an den Gewinnen der Unternehmen beteiligt werden."

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