Höhere Mehrwertsteuer könnte Inflation auf 3,5 Prozent hochtreiben

- Wiesbaden - Die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer könnte die Inflationsrate in Deutschland um bis zu 1,4 Prozentpunkte klettern lassen. Das geht aus einer Berechnung des Statistischen Bundesamtes hervor. Rein theoretisch würde damit die Steueranhebung die Teuerungsrate in Deutschland von derzeit 2,1 (Februar) auf 3,5 Prozent in die Höhe treiben. Die Statistiker gehen aber davon aus, dass dieser rechnerische Effekt so in der Praxis nicht eintreten wird.

"In der Vergangenheit haben die Unternehmen die Mehrwertsteuererhöhungen nie vollständig an die Verbraucher weitergegeben", sagte ein Statistiker. "Wegen der schwachen Binnennachfrage und des Konkurrenzdrucks werden die Firmen die Anhebung diesmal nicht voll auf die Preise überwälzen können." Bei der letzten Erhöhung 1998 um einen Prozentpunkt habe die tatsächliche Wirkung auf die Inflation nur 0,3 Prozentpunkte betragen statt der zuvor hochgerechneten 0,5 Prozentpunkte. Die Europäische Zentralbank definiert Preisstabilität mit einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent.

Nach Ansicht von Volkswirten ist die Steueranhebung zu rund 40 Prozent von den Unternehmen zu tragen. "Diesmal dürfte der Anteil der Firmen größer sein als sonst, weil sie durch die Senkung der Lohnnebenkosten entlastet werden", sagte Matthias Rubisch von der Commerzbank. Die Bundesregierung will mit einem Teil der Mehreinnahmen die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung senken. Üblicherweise entfalle auf die Unternehmen nur ein Drittel der Lasten.

Da die Einkommen nur mäßig steigen, wird die höhere Mehrwertsteuer nach Ansicht der Ökonomen den privaten Konsum dämpfen. Viele Firmen würden ihre Preise bereits jetzt oder erst im Laufe des nächsten Jahres erhöhen, damit die Verbraucher zum 1. Januar keinen Preisschock erlitten, sagte Rubisch.

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