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Interview mit Brauerei-Chef

"Kasten Hofbräu kostet in Japan 65 Euro"

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München - Hofbräu-Chef Michael Möller erklärt im Interview, warum der Ukraine-Konflikt seine Pläne durcheinander wirbelt, und verrät, ob sein Bier 2015 teurer wird.

Herr Möller, wie ist das Jahr für Hofbräu gelaufen?

Ganz gut, ich darf mich nicht beschweren. Wir sind aber ein Stück hinter unseren Plänen zurückgeblieben, weil man mache Dinge in der Welt eben nicht vorhersehen kann.

Was meinen Sie?

Wir spüren die Krisen der Welt: in der Ukraine, in Russland, in Thailand, die schwache Währung in Japan. Durch den Konflikt mit Russland ist unser Absatz in der Ukraine in die Knie gegangen, in Thailand gab es politische Unruhen, der Hafen war gesperrt, dann kann man dort kein Bier verkaufen. In Japan haben sie die Währung so weit abgewertet, dass unser Bier dort jetzt viel teurer ist. Umgerechnet kostet ein Kasten Hofbräu in Japan 65 Euro.

Wie groß sind die Einbußen?

Wir sind glücklicherweise breit aufgestellt, wir liefern nach Nord- und Südamerika, Russland, Asien, Australien – insgesamt in 38 Länder. Da verkauft man da mal mehr, da mal weniger. Wir verkaufen in Russland sogar immer noch mehr Hofbräu als im Vorjahr, aber eben weniger als ursprünglich geplant. Und die Unsicherheit ist groß: Man weiß nicht, ob Bier irgendwann auch auf der Sanktionsliste landen wird.

Glauben Sie, dass das passieren wird?

Das weiß ich nicht, so etwas kann man nicht planen. Ich bin Optimist, wenn Bier auf der Liste landen sollte, werden die Sanktionen auch irgendwann wieder aufgehoben.

Wie viel Bier exportieren Sie nach Russland?

Rund 12 000 Hektoliter, das ist nicht besonders viel, aber da stehen trotzdem 1,5 Millionen Euro Umsatz auf dem Spiel. Und in der Ukraine gehen die Leute offenbar weniger aus wegen des Konflikts. Da ist die Nachfrage extrem gesunken.

Wo verkaufen Sie inzwischen mehr Bier? Im Ausland oder im Inland?

Im Ausland. Die Exportquote lag im letzten Jahr schon bei 52 Prozent, heuer werden es wohl etwa 55 Prozent werden.

Wird sich dieser Trend fortsetzen?

Es ist schön, wenn man sein Bier exportieren kann, weil unsere Marke im Ausland ein sehr hohes Ansehen genießt. Wir verkaufen eben auch für 65 Euro noch Kästen in Japan. In Deutschland tun wir uns schwerer, weil der Markt deutlich preissensibler ist. Außerdem ist der Biermarkt in Deutschland noch immer übersättigt.

Wie viel konnten Sie im Inland verkaufen?

In Deutschland hat das seltsame Wetter dieses Jahr unsere Hochrechnungen alle durcheinander gebracht. Der nicht so schöne Sommer hat wehgetan, dafür lief der Herbst sehr positiv. Deshalb haben wir auch in Deutschland insgesamt ein Absatzplus.

Derzeit liegen besonders kleine Brauereien im Trend, wie Giesinger Bräu. Paulaner hat eine eigene Kleinbrauerei „Im Eiswerk“ gegründet. Brauchen Sie so etwas auch?

Ich hätte sowas schon auch gern – zum Experimentieren. Das kostet aber Geld. Das „Eiswerk“ ist meines Erachtens Marketing, das rechnet sich betriebswirtschaftlich nicht. Die kleinen Brauereien sind eine Bereicherung für den Biermarkt, weil ich viele Leute dadurch intensiver mit dem Bier auseinandersetzen.

Die kleinen Brauerein wirken sympathischer als die Großkonzerne. Sie sind da irgendwo in der Mitte. . .

In der Mitte ist gut. In München gibt es uns mit 300 000 Hektolitern pro Jahr, Augustiner mit etwa 1,5 Millionen, die AB InBev mit circa 2,3 Millionen und die Paulaner-Gruppe mit etwa 2,8 Millionen. Giesinger hat eine Kapazität von 15 000 Hektolitern, derzeit produzieren sie aber nur rund 2000 Hektoliter. Da sind wir nicht wirklich in der Mitte. In der Gastronomie muss man heute immer ein Erlebnis bieten, etwas besonderes. Das kann der Preis sein, das Speisenangebot oder irgendein anderes Erlebnis - zum Beispiel die angeschlossene eigene Brauerei. Hofbräu kann mit den Großen nicht mithalten, ist aber auch zu groß, um eines der neuen Trend-Biere zu sein. Wir fahren unsere eigene Linie: Wir bieten ein Münchner Bier, das Hofbräuhaus, das Oktoberfest. Damit sind wir erfolgreich.

Wird der Bierpreis 2015 wieder steigen?

Derzeit sind die Rohstoff- und Energiepreise relativ stabil, deshalb sind für nächstes Jahr keine Preiserhöhung geplant.

Aber das Finanzministerium bekommt wieder eine Gewinnausschüttung?

Die hat es schon bekommen. Der Finanzminister ist mit unseren Ergebnissen sehr zufrieden. Im Moment erzielen wir etwas mehr als zehn Prozent Umsatzrendite. Aus unserem Gewinn stemmen nicht nur die Ausschüttung an den Freistaat, sondern auch unsere Investitionen, im vergangenen Jahr knapp zehn Millionen Euro.

Werden Sie in den nächsten Jahren weiter wachsen?

Bei uns kommt der Ertrag vor der Menge. Wir freuen uns natürlich, wenn wir mehr Bier verkaufen. Im Moment sieht es so aus, als würden wir auch 2015 weiter wachsen – trotz der vielen Unsicherheiten in aller Welt. Aber ein Absatzplus ist kein Muss.

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