Hoffnung in der Autoindustrie: Opel kehrt zur Betriebsrente zurück

- München - Das Jahr 2005 brachte für die Beschäftigten in der Autoindustrie kaum gute Nachrichten. Nur mit massiven Zugeständnissen, mehr Arbeit oder weniger Lohn ließen sich Stellen retten - und das gelang nicht immer. Nun deutet sich am Horizont eine Trendwende an.

Am deutlichsten zeigt das eine Meldung vom langjährigen Sorgenkind der Branche: Opel will die betriebliche Altersversorgung wieder einführen. "Die Altersversorgung, die die Kollegen zu erwarten haben, wird über dem Durchschnitt der deutschen Industrie liegen", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz.

Die neue Betriebsrente werde allen Opel-Mitarbeitern zu Gute kommen, die ab 1992 im Opel-Werk Eisenach beziehungsweise ab 1997 an den westdeutschen Opel-Standorten begonnen hätten. Opel-Sprecher Ulrich Weber bestätigte die Absicht. Die genaue Ausgestaltung sei noch unklar.

Die Betriebsrente war 1997 beschränkt worden. Neu eingestellte Mitarbeiter gingen leer aus. Die Betriebsrente gilt auch aus Sicht des Managements als gute Lösung, um hoch qualifizierte Techniker und Ingenieure ans Unternehmen zu binden.

Konzernintern ist Opel die Rolle des Sorgenkindes offenbar los. Dadurch, dass das Europageschäft so schnell wie möglich profitabel wird, müsse man sich für die schwierige Situation von General Motors wappnen, sagte Franz. Und Opel selbst? "Wir stehen besser da als GME insgesamt."

Einen Beschäftigungseffekt erwartet sich Franz nicht. "Alle Hersteller werden in Zukunft Personal abbauen, die Zulieferer Produktion ins Ausland verlagern. Die Autoindustrie ist nicht mehr der Jobgenerator, der sie einmal war." Für die Beschäftigung in Deutschland sieht Franz eine Zukunft in innovativen und flexiblen Arbeitszeit- und Unternehmensmodellen.

Darauf will auch sein Ingolstädter Kollege Xaver Meier hinaus: "Es gibt alle möglichen Regelungen innerhalb der Tarifverträge, die gar nicht ausgenutzt werden", sagte der Audi-Betriebsratschef. Zeitkonten mit "verzinster Zeit" seien ein gangbarer Weg, um die Arbeit flexibler zu machen. Bei den Kosten könne Deutschland niemals mit Niedriglohnstandorten wie Polen oder China konkurrieren, biete dafür aber mehr Qualität und höhere Produktivität. Meier verweist auf Vereinbarungen, die mit dem Ingolstädter Hersteller abgeschlossen wurden. "Mit den flexibleren Arbeitszeiten können wir unser Personal halten", sagte er.

Bei einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit müsse die Art der Tätigkeit berücksichtigt werden, forderte er weiter. In Bereichen wie Planung und Entwicklung könne er sich längere Arbeitszeiten vorstellen, nicht in der Produktion.

Dagegen hat Erich Klemm, Gesamtbetriebsratschef von Daimler-Chrysler, gegenwärtig andere Sorgen: Er sieht sich mit massiven Abbauplänen des neuen Konzernchefs Dieter Zetsche konfrontiert. "Das Ziel muss sein, dass nicht nur die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, sondern Beschäftigungssicherung", sagte er. Ausgelagerte Tätigkeiten und Aufträge müssten wieder in das Unternehmen hereingenommen werden.

Als ein erfolgreiches Beispiel nannte Klemm die zukünftige Produktion der Allrad-Version der E-Klasse im Werk Sindelfingen. Bislang war sie in Österreich gefertigt worden.

Klemm kritisierte erneut den möglichen weiteren Stellenabbau. "Wenn mit jedem im Unternehmen Gespräche geführt werden und einem gesagt wird, man ist überflüssig, ist die Stimmung entsprechend schlecht."

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