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IWF-Präsident Domenique Strauss-Kahn mahnt Strategien für die Zeit nach der Krise an.

G7 und IWF machen Mut

Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise

Washington – Die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten könnte bald überstanden sein: Die sieben größten Industrienationen (G7) und der Internationale Währungsfonds (IWF) sehen Signale für eine Verlangsamung der Talfahrt und erste Zeichen von Stabilität.

„Eine Erholung der Wirtschaft sollte gegen Ende des Jahres beginnen“, erklärten die G7-Finanzminister und -Notenbankchefs anlässlich der Frühjahrstagung von Fonds und Weltbank am Wochenende in Washington. Es gebe „Risse in der Wolkendecke“, sagte der Vorsitzende des IWF-Lenkungsausschusses, Youssef Boutros-Ghali. Zum Jahresende hin „sollten wir beginnen, Licht zu sehen“. Der IWF mahnte zugleich Strategien für die Zeit nach der Krise und den milliardenschweren Konjunkturpaketen an.

Die G7-Minister und der Fonds vermieden jedoch überschwänglichen Optimismus. Die Lage sei weiterhin ernst, Konjunkturaussichten blieben schwach. Nach wie vor gebe es Risiken. US-Finanzminister Timothy Geithner sagte, es sei richtig, ein wenig ermutigt zu sein. „Es wäre aber falsch, daraus zu schließen, dass wir nahe daran sind, der Dunkelheit zu entkommen, die sich vorigen Herbst über die Weltwirtschaft legte.“ Geithner mahnte die Staatengemeinschaft, ungeachtet der positiven Signale weiterhin die Nachfrage anzukurbeln und an der Stabilisierung des Finanzsystems zu arbeiten.

Auch nach dem G7- und IWF-Treffen sind Details der Anfang April auf dem Weltfinanzgipfel in London beschlossenen Aufstockung der Mittel des Fonds auf 1,1 Billionen Dollar offen. Einige Schwellenländer halten sich noch zurück. Sie fordern im Gegenzug ein größeres Mitspracherecht im Weltwährungsfonds, dem 185 Länder angehören. Die Europäische Union, Japan und die USA sagten jeweils 100 Milliarden Dollar zu, Deutschland ist mit 20 Milliarden Dollar (15,2 Mrd. Euro) dabei. Berlin fordert, dass sich an den neuen Kreditvereinbarungen auch Länder wie China und Russland beteiligen.

Der IWF-Lenkungsausschuss mahnte die Länder indes, „glaubhafte Ausstiegsszenarien aus den umfangreichen staatlichen Hilfsprogrammen zu entwickeln, sobald die Krise abklingt“. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sagte nach der Sitzung des Gremiums, es müsse klar sein, was in drei oder vier Jahren geschehe. „Es müssen sobald wie möglich Ausstiegsstrategien angegangen werden.“ In dem Lenkungsausschuss vertreten 24 Finanzminister die Interessen der Mitgliedsländer. Hintergrund der Forderung ist die Furcht vor ausufernder Inflation durch die gigantischen Konjunkturprogramme und das Überschwemmen der Märkte mit Geld. Auch sollen die Staaten wieder zur Haushaltsdisziplin zurückkehren. Viele Länder haben enorme neue Schuldenberge für die Anti-Krisen-Pakete aufgehäuft.

Die G7-Minister und -Zentralbankchefs bekräftigten, alles Notwendige unternehmen zu wollen, um schnell wieder zu durchschnittlichen Wachstumsraten zu gelangen. Zugleich soll sichergestellt werden, dass die Haushalte durch die milliardenschweren Konjunkturprogramme langfristig nicht aus dem Ruder laufen. dpa

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