Hoffnung für den Meisterbrief: Handwerks-Kompromiss in Sicht

- München/Berlin - Im Streit um die Handwerksordnung rückt eine Einigung näher. Bei einer nichtöffentlichen Verhandlungsrunde gaben sich Vertreter von Bund, Ländern und den Parteien deutlich kompromissbereiter als bisher, berichteten am Abend Teilnehmer der Gespräche unserer Zeitung. Sogar eine Einigung auf einen Kompromiss schon heute ist denkbar.

<P>In den stundenlangen Verhandlungen einer Arbeitsgruppe mit Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) als Gast kristallisierten sich drei Knackpunkte heraus. Im Ringen um die Zahl der Berufe mit Meisterpflicht näherten sich Clements Unterhändler der Union an. Demnach sollen künftig mindestens acht von neun Betrieben weiterhin der Meisterpflicht unterliegen. </P><P>Die Union will diese Zahl steigern. Als Kriterium soll gelten, ob in den Berufen überdurchschnittlich viel ausgebildet wird. Demnach würde die Meisterpflicht für insgesamt über 50 Berufe bleiben, darunter Maler und Lackierer, Informationstechniker, Friseure oder Zahntechniker. Die Bundesregierung lehnte das bisher ab und nannte maximal 29 Berufe. </P><P>Ihr einziges Kriterium war, ob die Berufe gefahrgeneigt sind - Beispiel Elektroinstallateur. Hier gibt es Bewegung. Streitpunkt ist außerdem, wie lange Gesellen praktisch und in leitender Funktion gearbeitet haben müssen, ehe sie den Meistertitel bekommen können. </P><P>Bei dieser Altgesellen-Regelung geben sich die Verhandlungspartner inzwischen kompromissbereit. Strittig ist auch noch, ob diese Altgesellen-Meister die Erlaubnis erwerben müssen, Lehrlinge auszubilden - oder ob sie auch darauf verzichten dürfen. Union und Handwerksfunktionäre fürchten, bei einer allzu großzügigen Regelung würde die Zahl der Lehrstellen weiter sinken. Ihr Wunsch: Meister dürfe nur werden, wer auch selbst ausbilden kann. </P><P>Beim Kleinunternehmer-Förderungsgesetz scheint eine Einigung bereits erreicht. Es soll nach Informationen unserer Zeitung entschärft werden, um das Handwerk besser vor der Konkurrenz durch meisterpflichtfreies "Kleingewerbe" zu schützen. Aus SPD-Kreisen verlautete am späten Abend, man akzeptiere eine Handwerks-Einigung nur im Paket mit den anderen Reformen im Vermittlungsverfahren. Auch in Clements Ministerium schloss man dieses Vorgehen nicht aus. </P><P>Eine Einigung scheint dennoch greifbar nahe. "Ein Kompromiss ist drin", erklärte ein Teilnehmer nach den mehrstündigen Verhandlungen unter bayerischer Führung. "Ich gehe davon aus, dass man sich einigen wird", sagte auch Handwerkskammer-Präsident Heinrich Traublinger, der nicht direkt an der Berliner Runde beteiligt war, unserer Zeitung: "Hoffentlich nicht auf einem Niveau, das das Handwerk in seiner Wirtschaftskraft schwächt." Wer die Ausbildung schwäche, gebe "Pfunde auf, mit denen wir international bisher wuchern können". </P>

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