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Zwischenbilanz der Finanzkrise

Hoffnung nach dem Ausverkauf

Die Finanzkrise hat den deutschen Börsenriesen üble Verluste beschert. Der Dax verlor in zwölf Monaten mehr als 40 Prozent. Unsere Zeitung zieht Zwischenbilanz, zeigt viele Verlierer, zwei Gewinner und wagt nach dem gestrigen Kursfeuerwerk einen Ausblick.

Nach einer schwarzen letzten Woche ist der Dax am Montag aufgestiegen wie eine Rakete. Dank des Rettungspakets für die deutschen Banken gewann der viel beachtete Aktienindex über elf Prozent und schaffte den Sprung zurück über die 5000er-Marke. Das Kursfeuerwerk markiert nach Einschätzung von Beobachtern allerdings keine Trendwende: „Das ist nicht der Auftakt für eine neue stabile Aufwärtsbewegung“, sagte Peter Körndl, Marktstratege bei der Dresdner Bank in Frankfurt. Eine nachhaltige Aufhellung erwartet er nicht vor Mitte 2009.

Pessimisten schließen sogar neue Tiefstände im Dax nicht aus. Grund dafür sind die Gewinnerwartungen. Viele Analysten rechnen damit, dass die 30 Dax-Firmen ihre Prognosen wegen der sich eintrübenden Konjunktur nach unten korrigieren müssen. So sieht etwa die Düsseldorfer WGZ Bank „sehr hohen konjunkturzyklischen Anpassungbedarf“. Damit würden auch die derzeit sehr günstigen Bewertungen vieler Werte wieder in einem neuen Licht erscheinen.

Einige Beobachter halten den Kauf ausgewählter Titel dennoch nicht für abwegig. So empfiehlt die WGZ Bank in ihrem Wochenbericht defensive Substanzwerte aus den Bereichen Gesundheit, Telekommunikation oder Konsumgüter. Auch Michael Harms von Delbrück Bethmann Maffei in Frankfurt sieht derzeit für risikobereite Anleger eine Einstiegsmöglichkeit. „Wer ausreichend Zeit mitbringt, um zwischenzeitliche Verluste von zehn Prozent auszusitzen, der könnte jetzt durchaus Substanzwerte einzusammeln“, erklärte der Chefstratege.

An den Börsen ist derzeit vieles unklar, doch eines stellt kein Analyst ernsthaft infrage stellen: Der Dax wird heuer erstmals seit 2002 mit einem niedrigeren Wert das Jahr beenden als er es begonnen hatte. Der fünfjährige Aufwärtstrend des Barometers, der bei 2200 Zählern begann und am 16. Juli 2007 bei einem Rekordhoch von 8151 Punkten gipfelte, ist längst gebrochen. Und keiner will nach dem Ausverkauf der letzten Woche vorhersagen, wann wieder das Licht angeht. „Das wäre momentan nicht seriös“, sagt Harms.

Der Niedergang sucht seinesgleichen. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Dax von 8000 auf unter 5000 Punkte um gut 43 Prozent eingebrochen. In absoluten Zahlen ausgedrückt fällt die Bilanz noch bitterer aus: Seit Jahresbeginn schmolz die Dax Marktkapitalisierung um 360 Milliarden Euro zusammen, wie die Helaba berechnet hat.

Erwischt hat es im Zuge der Finanzkrise die Banken und Versicherer. Der beinahe kollabierte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate schrumpfte seit Herbst 2007 um 90 Prozent und damit so stark wie kein anderer Dax-Wert. Nicht viel besser erging es Deutscher Bank und Commerzbank, die um zwei Drittel einbrachen, sowie Postbank und Allianz, die nur noch halb so viel Börsengewicht auf die Waage bringen. Die Münchener Rück steht mit minus 37 Prozent noch gut da.

Zyklische Werte hat die Finanzkrise ebenfalls gebeutelt. Da sie in der Folge die Ausgabebereitschaft von Firmen und Privatleuten bremst, verloren auch Autobauer und Investitionsgüterhersteller übermäßig. So büßte Infineon 75 Prozent ein, Daimler 70 Prozent, MAN 67 Prozent und Thyssen-Krupp 65 Prozent. Kaum besser erging es der BMW-Aktie mit einem Verlust von 58 Prozent und Siemens-Titeln, die um 52 Prozent abrutschten.

Auf der Gewinnerseite stehen im Dax auf Jahressicht nur zwei Werte: Volkswagen (+ 95 Prozent), die von der Porsche-Übernahme profitierten sowie der Dax-Neuling K+S (+ 20 Prozent), dem die hohe Nachfrage nach Düngemitteln zugute kam. Selbst Stabilitätsgaranten wie der Versorger Eon, der Konsumgüterproduzent Henkel, die Post oder Linde mussten Abstriche von bis zu 40 Prozent wegstecken. Bis die wieder aufgeholt sind, wird es wohl noch eine Weile dauern.

von Florian Ernst

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