Die Hoffnung ruht auf dem Inlandsgeschäft

Wirtschaftsklima: - Das Stimmungshoch hält sich wacker am bayerischen Wirtschaftshimmel. Nur ein paar Wolken trüben das Bild einzelner Branchen. Aktuelle Umfragen zeigen: Der Optimus überwiegt.

München/Berlin - "Ich bin für die nächste Zeit optimistisch, aber ich kann nicht sagen, ob das in zwei, drei Jahren auch noch der Fall ist", sagte Reinhard Dörfler, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern, als er gestern die Ergebnisse der aktuellen Konjunktur-Umfrage der Bayerischen IHKs präsentierte.

Die Sommer-Befragung liest sich gut: "Der Aufschwung in der bayerischen Wirtschaft hält an und die Unternehmer fast aller Branchen sind auf weiteres Wachstum eingestellt." Der von der IHK ermittelte Index kletterte auf einen neuen Höchststand (siehe Grafik), jedes vierte Unternehmen will neue Mitarbeiter einstellen und über die Hälfte erwartet höhere Umsätze. Doch bei der Frage, wie es um die Konjunktur langfristig bestellt ist, wollte sich Dörfler nicht nicht allzu weit aus dem Fenstler lehnen. "Mit Prognosen bin ich vorsichtig", sagte er ausweichend. Alles was über sechs Monate hinaus geht, sei eben immer auch "ein Stück Hoffnung".

Weniger Scheu vor weitergehenden Prognosen hatte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Er rechnet aufgrund seiner Frühjahrsumfrage mit einem tragfähigen und langfristigen Wachstumskurs. 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum sei durchaus machbar und auch für 2008 realistisch.

Vom allgemeinen Hoch der bayerischen Wirtschaft weniger mitgerissen sind laut Dörfler Teile der Bauwirtschaft, die "erheblich" unter der Mehwertsteuererhöhung leiden und Umsatzeinbußen hinnehmen mussten. Die "Mehrwertsteuer-Delle" macht sich auch beim Einzelhandel "eindeutig bemerkbar", so Dörfler weiter. Nur noch 29 Prozent der Einzelhändler beurteilen ihre derzeitige Geschäftssituation als gut. Doch ein Viertel hofft immerhin auf eine baldige Besserung.

Erste Zeichen für eine Erholung beim Handel und auch bei den Gaststätten sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Dennoch würden die Branchen bundesweit gesehen nach wie vor deutlich unter dem Niveau von Ende 2006 liegen, so die Berliner Forscher.

Geringer als erwartet fielen auch die Exportgeschäfte der bayerischen Unternehmer aus. Als Gründe nannte Dörfler unter anderem Einbrüche der US-Wirtschaft und den starken Euro. Die Hoffnungen der Wirschaft ruhen daher "zunehmend auf dem Inlandsgeschäft" betonte der bayerische IHK-Chef. Hier rechnen 34 Prozent der befragten Unternehmer mit einer steigenden Nachfrage.

Nach Ansicht des bayerischen Wirtschaftsministers Erwin Huber (CSU) führt der kräftige wirtschaftliche Aufschwung im Freistaat in manchen Regionen bereits zu "Überhitzungen". "Viele Unternehmen beklagen sich schon, dass sie die Fachleute nicht mehr herkriegen", sagte Huber. Der Politiker verwies dabei auf die Flughafen-Region um Freising und die Landshuter Gegend, wo die Arbeitslosenquote derzeit unter vier Prozent liegt. Bei diesem Wert sprechen manche Ökonomen bereits von Vollbeschäftigung.

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