Hoffnungsschimmer für Alitalia

Für die ums Überleben kämpfende italienische Fluggesellschaft Alitalia gibt es wieder einen Hoffnungsschimmer. Bei Krisenverhandlungen mit Gewerkschaften hätten sich Fortschritte abgezeichnet und zudem drohe der Energiekonzern ENI nicht mehr, die Treibstofflieferungen einzustellen.

Das berichtete die "New York Times" am Sonntag in der Online-Ausgabe unter Berufung auf Verhandlungskreise.

Alitalias Insolvenzverwalter Augusto Fantozzi hatte am Wochenende für Aufsehen mit der Warnung gesorgt, die Airline müsse möglicherweise bereits am Montag die Flüge einstellen, weil sie kein Kerosin mehr bekomme. Zugleich drohte der Insolvenzverwalter für die nächsten Tage mit dem Beginn von Entlassungen.

Der staatlich kontrollierte ENI-Konzern habe seine Drohung mit dem Lieferstopp auf Bitten der Regierung zurückgenommen, schrieb die Zeitung. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte sich am Samstag persönlich in die Rettungsbemühungen eingeschaltet.

Die Alitalia-Krise hatte sich akut zugespitzt, nachdem am Freitag die Verhandlungen über den Sanierungsplan abgebrochen worden waren. Das italienische Unternehmerbündnis CAI um die Großbank Intesa San Paolo, das sich zur Übernahme der krisengeschüttelten Airline bereiterklärt hatte, verließ die Gespräche mit den Gewerkschaften. Im Rahmen des Rettungsplans sollen zwischen 3000 und 7000 der insgesamt fast 20 000 Stellen bei Alitalia gestrichen werden.

Die geforderten Einkommenseinbußen liegen verschiedenen Medienberichten zufolge bei 20 bis 40 Prozent. Beides lehnten die Gewerkschaften der Piloten und der Flugbegleiter bisher ab. Nun hätten sie mehr Bereitschaft gezeigt, über Entlassungen und Lohnkürzungen zu reden, schrieb die "New York Times".

Fantozzi hatte am Wochenende gedroht, als Erstes müssten die Besatzungen der bereits aus dem Verkehr gezogenen 34 Flugzeuge entlassen werden. Berlusconi hatte die Haltung der Gewerkschaften am Samstag als "selbstmörderisch" und politisch motiviert kritisiert.

Schätzungen zufolge fliegt die Alitalia pro Tag einen Verlust von zwei Millionen Euro ein. Das Kabinett hatte Ende August mit einer Gesetzesänderung den Weg für die Rettung der Airline freigemacht. Um die Pleite abzuwenden und die Gründung einer neuen Gesellschaft zu ermöglichen, hatte die Regierung Alitalia unter Sonderverwaltung gestellt. Eine Gruppe von 16 Investoren hatte angekündigt, rund eine Milliarde Euro in das neue Unternehmen pumpen zu wollen.

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