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Hohe Energiepreise: Was Verbraucher tun können, wenn Versorger die Preise erhöhen

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Von: Lisa Mayerhofer

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Der Strom wird für Millionen Deutsche trotz Strompreisbremse im kommenden Jahr teurer. Was Verbraucher jetzt wissen sollten.

München – Immer mehr Energieversorger kündigen saftige Preiserhöhungen ab Januar an. Das Vergleichsportal Check24 zählte am Montag 417 Fälle von Strompreiserhöhungen in der Grundversorgung. Betroffen seien rund sechs Millionen Haushalte. Für sie werde der Strom im Schnitt um 62,4 Prozent im Vergleich zum 30. September teurer. Das entspreche Mehrkosten von 986 Euro bei einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden im Jahr. Diese Preise sind zwar ab Januar von der Strompreisbremse gedeckelt, ganz abfangen wird die staatliche Maßnahme die Mehrkosten für Verbraucher aber nicht können.

Gaskraftwerke bestimmen maßgeblich Strombörsenpreis mit

Beim Gaspreis zählte Check24 insgesamt 262 Fälle von Erhöhungen in der Grundversorgung. Betroffen seien rund 2,7 Millionen Haushalte. Gas wird demnach im Schnitt 55,6 Prozent teurer. Das entspreche Mehrkosten von 1262 Euro bei einem jährlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden - ohne Gaspreisbremse. Der Gaspreis im Großhandel für kurzfristige Käufe (Spotmarkt) stieg 2022 im Vergleich zu 2021 deutlich, erklärte das Portal. Aktuell koste eine Megawattstunde Gas 110 Euro, im Jahresdurchschnitt 123 Euro. 2021 lagen die Preise bei durchschnittlich 47 Euro pro Megawattstunde.

Gaskraftwerke sind essenziell im deutschen Strommix, um schwankende erneuerbare Energien auszugleichen. Sie bestimmen so maßgeblich den Strombörsenpreis mit, erläuterte Check24. Laut dem Portal steigen im kommenden Jahr auch die Netznutzungsentgelte für Strom und für Gas.

Die steigenden Netznutzungsentgelte bei Gas seien auf die verringerten Gasimporte zurückzuführen, erläuterte Check24. „Es fließt weniger Gas durch das Netz und die entstehenden Kosten werden auf weniger Kilowattstunden verteilt.“

Stromzähler
Ein Wechselstromzähler zeigt den aktuellen Zählerstand in Kilowattstunden in einem Haushalt an. Die Strompreise steigen zum Jahreswechsel für viele Verbraucher stark an. © Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild

Hohe Energiepreise: Einmalzahlungen und Preisbremsen sollen helfen

Der Staat bemüht sich angesichts der hohen Energiepreise, die Bevölkerung mit Einmalzahlungen und Preisbremsen zu entlasten. Die Politik hat dazu mehrere Entlastungsmaßnahmen beschlossen, wie eine 300-Euro-Energiepreispauschale an steuerpflichtige Arbeitnehmer im September sowie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Gaslieferungen.

Der nächste Schritt: Im Dezember gibt es eine einmalige Soforthilfe für Gas- und Fernwärmekunden. Dann übernimmt der Staat ein Zwölftel der Jahresabschläge. Dennoch gezahlte Beträge müssen Energielieferanten in der nächsten Rechnung verrechnen. Der Zuschuss gilt auch für Mietwohnungen. Die Entlastung muss dann mit der nächsten jährlichen Nebenkostenabrechnung an Mieterinnen und Mieter weitergeben werden. Ab kommendem Jahr gibt es zudem eine Strom- und Gaspreisbremse für Verbraucher.

Was müssen Verbraucher tun, damit sie von den Hilfen im Dezember profitieren?

Verbraucher brauchen dafür nichts zu tun. Laut Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW ist vorgesehen, dass die Strom- und Gaspreisbremsen direkt den monatlichen Abschlag reduzieren. Die Verrechnung sollen die Versorger übernehmen.

Auch die Dezember-Soforthilfen für Gas und Wärme sollen automatisch beim Kunden landen. Die Versorger errechneten die Entlastungen nach den gesetzlichen Vorgaben und gäben sie an ihre Kunden weiter, sagt ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Die dafür notwendigen Finanzmittel beantrage ebenfalls der Versorger.

Was ist, wenn die Energierechnungen nicht mehr gezahlt werden können?

Wer ein Darlehen für Energieschulden braucht, kann sich auch an Jobcenter und Sozialämter wenden, sagte Christina Wallraf, Energieexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, gegenüber der Zeit. „Aber das verschiebt das Problem nur“, so Wallraf. Wer als Geringverdiener unter dauerhaft hohen Energiekosten leide, könne prüfen, ob eventuell Anspruch auf ergänzende Sozialleistungen bestehe, rät die Verbraucherschützerin. Auch bei einer hohen einmaligen Nachzahlung ist es möglich, ausschließlich für diesen Monat Unterstützung zu beantragen. 

Hohe Energiepreise: Wann ein Anbieterwechsel sinnvoll ist

Verbraucher haben natürlich auch die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Zwar gab es in den vergangenen Monaten auf dem Energiemarkt nur wenige Angebote. Doch das scheint sich nun zu ändern. „Die Stimmung ist etwas besser als im Frühjahr, der Markt belebt sich zumindest ein bisschen“, sagt Christina Wallraf der Zeit.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie man den Anbieter wechseln kann:

1. Schritt: Eigenen Anbieter prüfen

„Der Energiemarkt hat sich komplett umgekrempelt“, sagt Sylvia Scheibenberger von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Ulm. Die Empfehlung, dass ein regelmäßiger Wechsel des Anbieters Geld spare, gelte nicht mehr. Bei einer Preiserhöhung sollte man immer prüfen, ob der Anbieter nicht doch konkurrenzfähig ist, so Scheibenberger. Sie rät dazu, über Vergleichsportale wie zum Beispiel Check24 und Verivox im Internet die Preise verschiedener Anbieter zu vergleichen.

Das Wichtigste dabei: der Arbeitspreis pro Kilowattstunde. „Wenn der Versorger mitteilt, dass er die Preise erhöht, dann muss er tabellarisch den alten und den neuen Preis aufführen“, sagt Scheibenberger. So könnten Verbraucher schon einmal feststellen, wie sich die Preise verändern. Den neuen Arbeitspreis könnten sie dann über ein Vergleichsportal im Internet den Kosten anderer Anbieter gegenüberstellen.

Die zweite Kennzahl ist der Grundpreis, der für den Anschluss fällig wird. Er kann für diejenigen interessant sein, die schon viel Energie sparen. „Wenn ich wenig Energie verbrauche, ist ein hoher Grundpreis eher nachteilig“, sagt Scheibenberger.

2. Schritt: Grundversorgertarif kontrollieren

„Möchte man einen neuen Liefervertrag abschließen, sind derzeit die Preise in der Strom- und Gasgrundversorgung niedriger als die Preise für Sonderverträge“, sagt Rico Dulinski von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam.

Doch nicht jeder Grundversorger ist mit seinem Basistarif in gängigen Vergleichsportalen vertreten. „Zur Sicherheit kann man einfach in die Suchmaschine das Stichwort ‚Grundversorger‘ und die Postleitzahl eingeben“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des gemeinnützigen Verbraucherportals Finanztip in Berlin. Die Anbieter müssten Datenblätter mit ihren Preisen auf ihrer Webseite veröffentlichen. Der Grundversorgungstarif heißt häufig „Basis“ oder „Komfort“.

3. Schritt: Laufzeit auswählen

Die Laufzeit des Vertrags sollte man vom Angebot abhängig machen. Ist der Preis eines langfristigen Vertrags mit Preisfixierung deutlich höher als Angebote mit kürzerer Laufzeit, rät Dulinski zu kurzen Verträgen.

Wenn Kunden sich aber über einen bestimmten Zeitraum Preissicherheit verschaffen wollen und der angebotene Preis nur wenig über dem aktuellen Preis der Grundversorgung liegt, „spricht nichts gegen einen Vertrag mit langer Bindung und entsprechender Preisfixierung“, sagt der Verbraucherschützer.

4. Schritt: Alten Anbieter kündigen

„Ein Grundversorgungsvertrag kann jederzeit mit einer Frist von 14 Tagen gekündigt werden“, sagt Dulinski. Wer einen Sondervertrag hat, kann zum Ende der Laufzeit wechseln. Dann ist es zum Beispiel über Vergleichsportale möglich, den neuen Anbieter mit dem Wechsel zu beauftragen.

„Wenn man aber vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen möchte – etwa bei einer Preiserhöhung – kann man das nur selbst machen“, sagt Scheibenberger. Sie empfiehlt ein Einschreiben an den Versorger.

5. Schritt: So löst man Konflikte

Ein Wechsel in die Grundversorgung sei grundsätzlich problemlos möglich, erklärt Rico Dulinski. „Uns sind aber auch Fälle bekannt, in denen Kunden zunächst im Rahmen der teuren Ersatzversorgung beliefert wurden.“ Deswegen sollten Kunden beim Energielieferanten auf die entsprechende Einteilung drängen. Bei Streitfällen kann die Schlichtungsstelle Energie in Berlin eine gute Anlaufstelle sein. (lma/dpa)

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