Hohe Energiepreise: Auf die Stromriesen wächst der Druck

- Berlin - Nach monatelangem Ärger bei Verbrauchern und Politikern über die als zu hoch beklagten Strompreise ist alles Mögliche in Bewegung geraten - nur die Preise nicht. Doch der Druck auf das Quartett der Stromriesen RWE, Eon, Vattenfall und EnBW wird stärker. Das Bundeskartellamt will die Vorwürfe des Missbrauchs von Marktmacht unter die Lupe nehmen und verlangt von den Beklagten bis Mitte September Stellungnahmen. Rechenschaft erwartet auch die rot-grüne Bundesregierung. Die Bundesnetzagentur schärft ebenfalls die Wettbewerbsinstrumente, um die "Großen" über sinkende Netzentgelte ein Stück kleiner zu machen.

Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat in seinem Brief an RWE-Chef Harry Roels eine "nachvollziehbare" Erläuterung verlangt, warum jetzt auch der Anfang des Jahres eingeführte Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten für die Teuerung verantwortlich sein soll. Diese seien doch kostenlos an die Energieerzeuger und CO2-lastige sonstige Industrie ausgegeben worden. Mit Spannung wird erwartet, ob Roels die von Trittin verlangte Offenlegung des RWE-Zertifikatehandels abweist.

Seitdem die vier Energiegiganten kürzlich zusammen stolze Milliarden-Profite präsentierten, ist das Klima noch gereizter geworden. "Wehrlose Verbraucher werden geplündert", polterte der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters.

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) - Sprachrohr der Großversorger - wies das ebenso zurück wie Hinweise aus Industrie und Wissenschaft auf 30-prozentige Preisaufschläge in diesem Jahr. VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller ging selbst zur Attacke über. Sie traf die konkurrierende Branche von Windkraft und Co. Zu deren Überleben werde die Politik den Verbrauchern in den nächsten Jahren einen Subventionsaufschlag von bereits 6 Milliarden Euro abverlangen - im Vergleich zu 2,4 Milliarden im Jahr 2004, kritisierte er.

"Grober Unfug", konterte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), Milan Nitzschke. Die von Verbrauchern zu zahlende Umlage für Strom aus "Erneuerbaren" mache nur 2,8 Prozent des Strompreises von 19,6 Cent je Kilowattstunde aus.

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