Zu hohe Hürden: Geht Springer bei ProSieben-Kauf die Luft aus?

- München - Für das Medienhaus Axel Springer steht heute viel auf dem Spiel. Gespannt dürfte Vorstandschef Mathias Döpfner nach Potsdam blicken, wo die Medienkontrollkommission KEK über den Kauf der ProSiebenSat.1 Media AG durch den Verlag Axel Springer ("Bild", "Die Welt") verhandelt und möglicherweise entscheidet. Die Karten für die Übernahme stehen schlecht. Denn neben den Medienkontrolleuren haben offenbar auch die Wettbewerbshüter erhebliche Bedenken.

Nach langem Tauziehen und vielen Verlautbarungen ist eines klar: Die Medienwächter beurteilen eine Übernahme von Deutschlands größtem TV-Konzern durch Europas größtes Zeitungshaus äußerst kritisch. Das Potsdamer Gremium muss entscheiden, ob mit der Übernahme der ProSieben-Gruppe das Medienhaus eine vorherrschende Meinungsmacht erlangt. Zur Bedingung für eine Zustimmung machte die KEK die Einrichtung eines TV-Beirats, der bei einem der beiden großen Sender über Programmschema, Inhalte und Organisation "mit den entsprechenden finanziellen Konsequenzen" befinden kann. Das lehnt Vorstandschef Döpfner ab. Das Gremium dürfe sich weder in Personal-, Inhalte- noch in Finanzfragen einmischen - auch aus aktienrechtlichen Gründen.

Zusätzlich steht der im August 2005 geschlossene Milliarden-Vertrag zwischen Springer und der Gruppe um den US-Investor Haim Saban in Bonn unter Beschuss. Dort hat sich das Bundeskartellamt mehrfach gegen die Fusion ausgesprochen und will am 20. Januar entscheiden, ob es der Übernahme zustimmt. Es sieht derzeit nicht danach aus. Nach den Worten von Springer-Sprecherin Edda Fels fordern die Wettbewerbshüter, dass sich der Verlag entweder von der "Bild"-Zeitung trennen oder auf einen großen Sender der Gruppe, Sat.1 oder ProSieben, verzichten solle. "Das ist völlig unrealistisch", urteilt Peter Thilo Hasler, Analyst der HypoVereinsbank. "Bild" sei Kern des Springer-Konzerns. "Und ProSieben sowie Sat.1 sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Sat.1 ist ein Familiensender und ProSieben ein Spielfilmkanal, der eher jüngeres Publikum hat."

Entsprechend freundet sich die Axel Springer AG nach einem Bericht des "Handelsblatts" schon damit an, die Übernahme der Fernsehsendergruppe abzusagen. Die Chancen stünden derzeit 60 Prozent für einen Rückzug und 40 Prozent für eine Fortsetzung der Übernahmebemühungen, heißt es unter Berufung auf das Umfeld von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Der Konzern wollte den Bericht offiziell nicht kommentieren. Springer-Sprecherin Edda Fels wies darauf hin, dass das Medienhaus bis zum Mittag des 12. Januar Zeit habe, auf einen Zwischenbescheid der Kartellbehörde zu reagieren. "Wir bemühen uns weiter um eine kartellrechtliche und medienkonzentrationsrechtliche Erlaubnis für die Transaktion. Beide Szenarien laufen noch. Daher sehen wir keinen Grund, zu Spekulationen über einen Ausstieg Stellung zu nehmen."

Sollte die Übernahme tatsächlich scheitern, muss das für die Aktionäre von ProSiebenSat.1 kein Nachteil sein. "Dann muss Haim Saban einen neuen Käufer finden. Und der ist vielleicht bereit, mehr zu zahlen als Springer", erklärt Analyst Hasler. Der französische Medienkonzern TF1 hat schon Interesse bekundet. Das Unternehmen, das in Deutschland nur über eine Beteiligung an "Eurosport" aktiv ist, hätte kartellrechtlich wohl keine Probleme.

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